Eine komplexe Mittelmeerkrankheit zwischen Immunsystem, Organerkrankung und Langzeittherapie
- Unsere Fellnase
- vor 22 Stunden
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Eine komplexe Mittelmeerkrankheit zwischen Immunsystem, Organerkrankung und Langzeittherapie.
Die Leishmaniose gehört zu den wichtigsten sogenannten Mittelmeerkrankheiten des Hundes und gewinnt durch den Import von Auslandshunden, zunehmende Reisetätigkeit und den Klimawandel auch in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Verursacht wird die Erkrankung durch den einzelligen Parasiten Leishmania infantum, der hauptsächlich durch Sandmücken übertragen wird (LeishVet Guidelines; Samson-Himmelstjerna et al. 2022).
Die Erkrankung ist besonders tückisch, weil viele Hunde lange symptomlos bleiben können. Andere entwickeln schwere chronische Entzündungen, Organerkrankungen oder Nierenschäden. Eine vollständige Heilung ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft meist nicht möglich – Ziel der Therapie ist deshalb die Kontrolle der Erkrankung und die Stabilisierung des Immunsystems.
Wie wird Leishmaniose übertragen?
Die Hauptübertragung erfolgt über den Stich infizierter Sandmücken der Gattung Phlebotomus. Diese sind vor allem in südlichen Ländern verbreitet, breiten sich jedoch zunehmend auch Richtung Mitteleuropa aus.
Zusätzlich sind seltene Übertragungswege möglich:
von der Mutter auf Welpen
über Bluttransfusionen
durch Bissverletzungen
beim Deckakt
(LeishVet 2024; Schäfer et al. 2022)
Besonders gefährdet sind Hunde aus:
Spanien
Italien
Griechenland
Portugal
Kroatien
Türkei
Rumänien
Aber auch Hunde aus dem Tierschutz oder Reiserückkehrer können Jahre später noch erkranken.
Was passiert im Körper?
Nach der Infektion gelangen die Parasiten in die Makrophagen – bestimmte Immunzellen des Körpers. Dort vermehren sie sich und breiten sich über Blut und Lymphsystem aus.
Betroffen sein können:
Haut
Lymphknoten
Milz
Leber
Knochenmark
Augen
Gelenke
Nieren
Besonders problematisch ist die chronische Immunreaktion. Nicht nur der Parasit selbst verursacht Schäden, sondern auch die dauerhafte Entzündung des Immunsystems.
Symptome der Leishmaniose
Die Symptome sind extrem vielfältig und entwickeln sich oft schleichend.
Typisch sind:
Gewichtsverlust
Müdigkeit
Muskelschwund
geschwollene Lymphknoten
Hautveränderungen
Haarausfall um Augen und Nase
schuppige oder entzündete Haut
übermäßiges Krallenwachstum
schlecht heilende Wunden
Nasenbluten
Durchfall
Lahmheiten
Augenentzündungen
Besonders häufig sind Hautsymptome. Viele Hunde zeigen chronische, schlecht heilende Dermatiden oder entzündliche Hautveränderungen ohne starken Juckreiz.
Die größte Gefahr: Nierenschäden
Eine der häufigsten Todesursachen bei Leishmaniose ist nicht der Parasit selbst, sondern die chronische Schädigung der Nieren.
Studien zeigen, dass 50–80 % der betroffenen Hunde im Verlauf Nierenprobleme entwickeln können (Clinica Eurovet 2025).
Deshalb gehört die Kontrolle folgender
Werte zwingend zur Diagnostik:
Kreatinin
SDMA
Harnstoff
Urinuntersuchung
Proteinurie
Blutdruck
Die Prognose hängt stark davon ab, wie früh die Erkrankung erkannt wird.
Diagnostik
Die Diagnostik besteht aus mehreren Bausteinen.
Blutuntersuchung
Wichtig sind:
großes Blutbild
Organwerte
Eiweißelektrophorese
Entzündungsparameter
Typisch sind häufig:
Hyperglobulinämie
Anämie
erhöhte Entzündungswerte
Antikörpertest
Der serologische Antikörpernachweis ist die wichtigste Screeningmethode.
Dabei gilt: Ein positiver Test allein bedeutet nicht automatisch eine aktive Erkrankung. Entscheidend sind immer Symptome, Laborwerte und klinischer Zustand.
PCR
Mittels PCR kann Erbmaterial des Parasiten nachgewiesen werden. Sie eignet sich besonders:
bei frühen Infektionen
zur Verlaufskontrolle
ergänzend zur Serologie
(LeishVet Guidelines; IDEXX CVBD Guidelines)
Therapie der Leishmaniose
Die Behandlung richtet sich nach Stadium und Organbeteiligung.
Die wichtigsten Medikamente sind:
Allopurinol
Miltefosin
Meglumin-Antimonat
Allopurinol hemmt die Vermehrung des Parasiten und wird häufig langfristig eingesetzt. Kombinationstherapien gelten bei schwereren Fällen als wirksamer (LeishVet).
Die Therapie dauert meist viele Monate. Rückfälle sind möglich und regelmäßige Kontrollen lebenslang wichtig.
Ernährung und Immunsystem: Ein oft unterschätzter Faktor
Hunde mit Leishmaniose profitieren häufig von einer gezielten Unterstützung des Stoffwechsels und Immunsystems. Chronische Entzündungen, Appetitprobleme, Magen-Darm-Belastungen und Organstress erhöhen den Bedarf an hochwertigen Mikronährstoffen deutlich.
Gerade bei langfristiger Allopurinol-Therapie sollte außerdem auf eine angepasste Ernährung geachtet werden, da Purinstoffwechsel und Nierenfunktion berücksichtigt werden müssen.
Sehr gute Erfahrungen gibt es unterstützend mit den natürlichen Mikronährstoffmischungen:
Novomineral „Amor und Ninchen“ von Napfcheck
Diese Ergänzungen werden insbesondere genutzt, um Hunde mit chronischen Erkrankungen, wie Leishmaniose zu unterstützen.
Wichtig ist jedoch: Nahrungsergänzungen ersetzen niemals die tierärztliche Therapie der Leishmaniose, können aber Teil eines ganzheitlichen Managements sein.
Prävention: Der wichtigste Schutz
da Leishmaniose schwer behandelbar ist, hat Prävention höchste Priorität.
Empfohlen werden:
repellierende Halsbänder
spezielle Spot-on-Präparate
Schutz vor Sandmücken in der Dämmerung
kein Schlafen im Freien in Endemiegebieten
Moskitonetze in Risikogebieten
ggf. Impfung bei geeigneten Hunden
Die Impfung verhindert nicht sicher die Infektion, kann aber das Risiko schwerer Krankheitsverläufe reduzieren.
Fazit
Leishmaniose ist eine komplexe chronische Infektionskrankheit, die weit über eine reine „Mittelmeerkrankheit“ hinausgeht. Sie betrifft Immunsystem, Haut, Organe und Stoffwechsel gleichermaßen.
Eine frühe Diagnose, regelmäßige Kontrollen und eine konsequente Langzeittherapie sind entscheidend für die Lebensqualität betroffener Hunde. Neben der medikamentösen Behandlung spielen auch Ernährung, Darmgesundheit, Mikronährstoffversorgung und Immununterstützung eine wichtige Rolle im Gesamtmanagement.
Mit guter tierärztlicher Betreuung können viele Hunde trotz Leishmaniose über viele Jahre stabil und lebensfroh leben.
Quellen / Studien
LeishVet Guidelines 2024
Schäfer I. et al. (2022): Canine leishmaniosis: diagnostics, therapeutic approaches and monitoring
Samson-Himmelstjerna G. et al. (ESCCAP Empfehlungen)
Morales-Yuste M. et al. (2022): Canine Leishmaniasis – Epidemiology, Diagnosis, Treatment and Prevention
IDEXX CVBD Guidelines
Clinica Eurovet (2025): Langzeitprognose bei Leishmaniose-Hunden



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