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Fahrradfahren, Joggen oder Inlineskaten mit dem Hund bei Hitze – Warum wir endlich aufhören müssen, das zu verharmlosen

  • Unsere Fellnase
  • 27. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Es ist Zeit, umzudenken.


Jeden Sommer sieht man dieselben Bilder: Menschen fahren mit dem Fahrrad, joggen oder skaten – der Hund läuft an der Leine mit. Häufig bei 28, 30 oder sogar über 35 °C.


Viele meinen es nicht böse. Manche glauben sogar, sie würden ihrem Hund etwas Gutes tun, ihn "auslasten" oder fit halten.


Doch aus tiermedizinischer Sicht ist genau das häufig das Gegenteil.


Wer seinen Hund bei hohen Temperaturen zu intensiver Bewegung zwingt, setzt ihn einem vermeidbaren Gesundheitsrisiko aus. Ein Hitzschlag kann sich innerhalb weniger Minuten entwickeln und endet trotz intensivmedizinischer Behandlung nicht selten tödlich.


Dieser Beitrag soll nicht verurteilen – aber wachrütteln. Denn wer seinen Hund liebt, sollte verstehen, was Hitze im Körper tatsächlich anrichtet.


Hunde sind keine kleinen Menschen


Der größte Irrtum vieler Hundehalter ist der Vergleich mit uns selbst.


"Ich schwitze auch beim Joggen."


"Ich fahre doch auch Fahrrad."


Doch genau hier liegt der entscheidende Unterschied.


Der Mensch besitzt Millionen Schweißdrüsen über nahezu den gesamten Körper. Durch die Verdunstung des Schweißes entsteht eine hochwirksame Kühlung.


Der Hund besitzt dagegen nur wenige Schweißdrüsen an den Pfoten. Seine wichtigste Möglichkeit zur Wärmeabgabe ist das Hecheln.


Doch dieses Kühlsystem hat Grenzen.


Sobald die Umgebungsluft selbst heiß ist oder die Luftfeuchtigkeit steigt, funktioniert die Verdunstung über die Atemwege immer schlechter.


Der Hund produziert dann mehr Wärme, als er wieder abgeben kann.


Was bereits bei Hitze im Körper passiert – ganz ohne Bewegung


Viele glauben, gefährlich wird es erst beim Sport.


Das stimmt nicht.


Bereits hohe Außentemperaturen allein bedeuten für den Körper erheblichen Stress.


Um die Körpertemperatur möglichst konstant bei etwa 38–39 °C zu halten, reagiert der Organismus sofort:


- Die Herzfrequenz steigt.

- Die Atemfrequenz nimmt deutlich zu.

- Blut wird verstärkt zur Haut umgeleitet, um Wärme abzugeben.

- Gleichzeitig werden innere Organe vorübergehend schlechter durchblutet.


Dieser Zustand kostet enorme Energie.


Der Hund befindet sich bereits im "Kühlmodus" – noch bevor überhaupt Bewegung hinzukommt.


Jede zusätzliche körperliche Belastung verschärft diese Situation erheblich.


Bewegung erzeugt zusätzliche Wärme


Jeder Muskel arbeitet durch Stoffwechselprozesse.


Dabei entstehen zwei Dinge:


- Bewegung

- Wärme


Tatsächlich werden nur etwa 20–25 % der dabei entstehenden Energie für die eigentliche Muskelarbeit genutzt. Der weitaus größere Anteil wird als Wärme frei.


Je schneller ein Hund läuft, desto mehr Wärme produziert seine Muskulatur.


Normalerweise wird diese Wärme wieder abgegeben.


Bei hohen Außentemperaturen funktioniert das jedoch immer schlechter.


Die Körpertemperatur steigt immer weiter an.


Wenn Eiweiße beginnen zu zerstören statt zu helfen


Hier beginnt der eigentliche medizinische Notfall.


Steigt die Körpertemperatur auf etwa 41 °C oder mehr, verändern sich lebenswichtige Eiweiße (Proteine) im Körper.


Man spricht von einer Denaturierung von Proteinen.


Proteine besitzen eine exakt gefaltete räumliche Struktur.


Nur in dieser Form können sie ihre Aufgaben erfüllen.


Bei starker Hitze entfaltet sich diese Struktur.


Das Eiweiß verliert seine Funktion – ähnlich wie das Eiweiß eines Hühnereis beim Kochen fest wird.


Dieser Prozess ist in vielen Fällen irreversibel.


Besonders betroffen sind:


- Enzyme

- Zellmembranen

- Muskelzellen

- Nervenzellen

- Darmzellen

- Leberzellen

- Nierenzellen


Mit anderen Worten:


Der Körper beginnt buchstäblich, sich selbst zu schädigen.


Warum der Darm plötzlich zum Problem wird


Eine der gefährlichsten Folgen eines Hitzschlags wird kaum bekannt gemacht.


Durch die Umverteilung des Blutes wird der Darm schlechter durchblutet.


Die Darmwand verliert ihre Schutzfunktion.


Bakterien und bakterielle Giftstoffe können dadurch in den Blutkreislauf gelangen.


Die Folge:


Eine massive Entzündungsreaktion im gesamten Körper.


Diese sogenannte systemische inflammatorische Reaktion (SIRS) kann schließlich in ein Multiorganversagen übergehen.


Genau deshalb sterben manche Hunde nicht unmittelbar an der Hitze, sondern Stunden oder sogar Tage später an den Folgen.


Das Gehirn leidet zuerst


Das Gehirn gehört zu den empfindlichsten Organen gegenüber Hitze.


Bereits geringe Temperaturerhöhungen können zu neurologischen Symptomen führen:


- Orientierungslosigkeit

- Taumeln

- Muskelzittern

- Krampfanfälle

- Bewusstlosigkeit


Je länger die Überhitzung anhält, desto größer ist das Risiko bleibender Hirnschäden.


"Mein Hund läuft doch freiwillig mit."


Diesen Satz hören Tierärzte jeden Sommer.


Doch er zeigt ein grundlegendes Missverständnis.


Hunde besitzen eine enorme Motivation, ihrem Menschen zu folgen.


Sie laufen aus:


- Bindung

- Kooperation

- Arbeitswillen

- Loyalität


Nicht unbedingt, weil ihr Körper dazu noch in der Lage ist.


Viele Hunde überschreiten ihre körperlichen Grenzen, weil sie nicht entscheiden können:


"Jetzt höre ich besser auf."


Diese Verantwortung liegt ausschließlich beim Menschen.


Hunde brauchen keine Erschöpfung


Noch immer hält sich hartnäckig der Mythos:


«"Ein Hund muss richtig ausgepowert werden."»


Nein.


Das Gegenteil ist wissenschaftlich längst bekannt.


Ein Hund benötigt:


- ausreichend Schlaf

- Ruhephasen

- mentale Auslastung

- Nasenarbeit

- Suchspiele

- soziale Interaktion

- angepasste Bewegung


Nicht völlige körperliche Erschöpfung.


Chronische Überforderung erhöht nachweislich den Spiegel von Stresshormonen wie Cortisol und kann sich negativ auf Immunsystem, Stoffwechsel und Regeneration auswirken.


Qualität schlägt Quantität.


Liebe zeigt sich nicht durch Höchstleistung


Ein Hund misst eure Liebe nicht daran,


wie viele Kilometer ihr gemeinsam lauft,


wie schnell ihr Fahrrad fahrt,


oder wie lange ihr joggt.


Er misst sie daran,


dass ihr ihn schützt.


Dass ihr erkennt, wann sein Körper an seine Grenzen kommt.


Dass ihr Verantwortung übernehmt.


Deshalb muss dieses Verhalten kritisch hinterfragt werden


Ja, das klingt deutlich.


Aber genau das ist notwendig.


Wer bei über 25 oder 30 °C mit seinem Hund neben dem Fahrrad fährt, joggt oder ihn beim Inlineskaten mitlaufen lässt, ignoriert die physiologischen Grenzen seines Hundes.


In vielen Fällen geschieht das aus Unwissenheit.


Manchmal aber auch, weil der eigene Trainingsplan wichtiger erscheint als die Bedürfnisse des Tieres.


Das verdient Kritik – nicht um Menschen bloßzustellen, sondern um Hunde zu schützen.


Denn Tiere können nicht sagen:


"Es ist mir zu heiß."


Sie vertrauen darauf, dass wir die richtige Entscheidung treffen.


‼️‼️ Unser Appell ‼️‼️


Wenn die Temperaturen steigen:


✔️ Spaziergänge früh morgens oder spät abends.


✔️ Lieber eine ruhige Schnüffelrunde als zehn Kilometer neben dem Fahrrad.


✔️ Wasser und Pausen anbieten.


✔️ Den heißen Asphalt vermeiden.


✔️ Die Körpersprache eures Hundes beobachten.


Und vor allem:


Habt den Mut, auf Leistung zu verzichten.


Euer Hund wird es euch nicht übel nehmen.


Im Gegenteil.


Vielleicht rettet ihr ihm damit das Leben.




Quellen


- Hall EJ et al. (2021). Proposing the VetCompass Clinical Grading Tool for Heat-Related Illness in Dogs.

- Bruchim Y et al. (2006). Heat Stroke in Dogs: Pathophysiology and Clinical Management.

- Cornell University College of Veterinary Medicine: Heatstroke in Dogs.

- Merck Veterinary Manual: Heat Stress and Heatstroke in Dogs.

- Ettinger SJ, Feldman EC. Textbook of Veterinary Internal Medicine.

- BSAVA Manual of Canine and Feline Emergency and Critical Care.

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