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Iliopsoas beim Hund: Symptome, Ursachen und was hilft

Unsere Fellnase
1. Mai 2024
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Stunden

Iliopsoas-Verletzung beim Hund
Iliopsoas beim Hund: sanfte Behandlung des Hüftbeugers

Heute möchte ich dich für ein Thema sensibilisieren, das oft übersehen wird: den Iliopsoas, den großen Hüftbeuger deines Hundes. Verletzungen dieses Muskels sind häufig, werden aber genauso häufig nicht erkannt oder als Kreuzband- oder Hüftproblem fehlgedeutet.

In diesem Beitrag erfährst du, welche Aufgaben der Muskel hat, wie es zu Verletzungen kommt, woran du sie erkennst und was hilft.

Was ist der Iliopsoas?

Der Iliopsoas besteht aus zwei Muskeln, dem M. iliacus und dem M. psoas major. Er verläuft von der Unterseite der Lendenwirbelsäule und dem Becken zum Oberschenkelknochen. Seine Aufgaben:

  • Beugen der Hüfte und Vorführen des Hinterbeins

  • Aufwölben des unteren Rückens

  • Drehen des Oberschenkels nach außen

  • Stabilisieren von Becken und Lendenwirbelsäule

Durch den Muskel hindurch verläuft der Nervus femoralis. Er versorgt unter anderem den großen Oberschenkelstrecker, der für die Stabilität des Knies wichtig ist.

Wie kommt es zu Verletzungen?

Bei schnellen Wendungen, explosiven Antritten, Sprüngen und Ausrutschen wird der Iliopsoas stark belastet. Besonders gefährdet sind:

  • Hunde, die nur gelegentlich sehr aktiv sind oder schlecht aufgewärmt

  • Sporthunde, zum Beispiel im Agility

  • Hunde, die auf glatten Böden ausrutschen

  • Hunde mit anderen orthopädischen Problemen, die den Muskel durch Schonhaltung überlasten

Den größten Schaden nimmt der Muskel oft nicht beim Ausrutschen selbst, sondern bei der reflexartigen „Korrektur“: Der Muskel wird erst überdehnt und spannt sich dann schlagartig wieder an.

Woran erkennst du eine Iliopsoas-Verletzung?

  • steifer Gang beim oder nach dem Aufstehen

  • verkürzte Schritte der Hinterhand

  • zeitweise Gehen auf drei Beinen

  • das betroffene Bein wird nach außen gestellt, auch im Sitzen

  • Außenrotation und kreisende Bewegung beim Vorführen des Beins

  • Verweigerung von Sprüngen oder Slalom

  • anfangs nur ein unauffälliger Leistungsabfall

Gerade hochmotivierte Sporthunde überspielen Schmerzen durch das Adrenalin oft, sodass die Verletzung lange unentdeckt bleibt.

Diagnose

Typisch ist ein Schmerz beim Abtasten des Muskels und beim Strecken der Hüfte mit gleichzeitiger Innenrotation. Erfahrene Tierärzte, Tierphysiotherapeuten und Osteopathen können durch Abtasten und Bewegungsuntersuchung oft schon einen deutlichen Hinweis finden.

  • Ultraschall: kann Einblutungen, Schwellungen oder Faserrisse im Muskel zeigen

  • MRT: bei unklaren Fällen

  • Röntgen und orthopädische Untersuchung: um Hüftdysplasie, Kreuzbandriss oder andere Ursachen abzugrenzen

Wichtig vor einer Operation

Weil betroffene Hunde das Bein oft schonen und nach außen stellen, wird nicht selten ein Kreuzband- oder Hüftproblem vermutet. Häufig treten beide Probleme auch zusammen auf. Bevor eine große Knie- oder Hüftoperation geplant wird, sollte deshalb immer auch der Iliopsoas untersucht werden.

Iliopsoas und Kreuzband

Ist der Muskel stark verspannt oder verletzt, kann auch der Nervus femoralis gereizt werden. Es gibt Fallberichte, in denen das zu Schwäche des Oberschenkelstreckers geführt hat. Ob Iliopsoas-Probleme langfristig einen Kreuzbandriss begünstigen, wird diskutiert, ist wissenschaftlich aber nicht belegt. Umgekehrt entwickeln viele Hunde nach einem Kreuzbandriss durch die Schonhaltung Verspannungen im Iliopsoas.

Behandlung

  • Ruhe und kontrollierte Bewegung: in der akuten Phase nur Leinenspaziergänge, keine Sprünge und kein Toben

  • Schmerztherapie: entzündungshemmende Schmerzmittel nach tierärztlicher Verordnung

  • Physiotherapie: Weichteiltechniken, vorsichtige Dehnung, später gezielter Muskelaufbau

  • Physikalische Therapie: zum Beispiel Ultraschall, Laser oder Wärme

  • Langsamer Wiederaufbau: zurück zur vollen Belastung über Wochen, bei Sporthunden oft Monate

Wird eine Iliopsoas-Verletzung zu früh wieder voll belastet, sind Rückfälle häufig.

Vorbeugung

  • vor dem Freilauf und Sport aufwärmen, nach dem Training abkühlen

  • rutschfeste Böden zu Hause

  • kein Stop-and-go-Spiel und kein wildes Ballwerfen

  • regelmäßiger, gleichmäßiger Muskelaufbau

  • Normalgewicht

Unser Fazit

Iliopsoas-Verletzungen sind häufiger als gedacht und werden oft übersehen. Wenn dein Hund hinten lahmt, das Bein nach außen stellt oder Sprünge verweigert, sprich den Iliopsoas gezielt bei Tierarzt, Physiotherapeutin oder Osteopathin an.

Mit Ruhe, Physiotherapie und einem geduldigen Belastungsaufbau heilen die meisten Verletzungen gut aus.

Häufige Fragen zum Iliopsoas beim Hund

Wie lange dauert die Heilung?

Leichte Zerrungen heilen oft in einigen Wochen. Bei Faserrissen oder Sporthunden kann der Aufbau mehrere Monate dauern.

Kann ich den Muskel selbst dehnen?

Lass dir Dehnübungen zuerst von einer Physiotherapeutin zeigen. Falsches Dehnen kann den verletzten Muskel weiter schädigen.

Sieht man eine Iliopsoas-Verletzung im Röntgen?

Nein, Muskeln sind im Röntgen nicht sichtbar. Hier helfen Ultraschall oder MRT.

Welche Hunde sind besonders betroffen?

Aktive Hunde, Sporthunde und Hunde, die schlecht aufgewärmt sind oder auf glatten Böden ausrutschen.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Lahmheit wende dich bitte an deinen Tierarzt.

Quellen

  • Cabon Q., Bolliger C. (2013): Iliopsoas muscle injury in dogs, Compendium: Continuing Education for Veterinarians 35(5):E2

  • Nielsen C., Pluhar G. E. (2005): Diagnosis and treatment of hind limb muscle strain injuries in 22 dogs, Veterinary and Comparative Orthopaedics and Traumatology 18(4):247–253

  • Stepnik M. W. et al. (2006): Femoral neuropathy in a dog with iliopsoas muscle injury, Veterinary Surgery 35(2):186–190

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