Spondylosen beim Hund: Ursachen, Symptome und Behandlung
Aktualisiert: vor 6 Stunden

Beim Röntgen fällt es oft zufällig auf: knöcherne Zacken oder Brücken zwischen den Wirbeln. Die Diagnose Spondylose (genauer: Spondylosis deformans) verunsichert viele Halter. Doch nicht jede Spondylose verursacht Beschwerden.
In diesem Ratgeber erfährst du, was Spondylosen sind, warum sie entstehen, wann sie Schmerzen machen, wie sie behandelt werden und wie du deinen Hund im Alltag unterstützt.
Was sind Spondylosen?
Spondylosen sind knöcherne Zubildungen (Spondylophyten) an den Rändern der Wirbelkörper. Sie entstehen meist an der Unterseite der Wirbelsäule, vor allem im Bereich der Brust- und Lendenwirbel und am Übergang zum Kreuzbein. Wachsen sie zusammen, bilden sie Brücken, die den Wirbelabschnitt versteifen.

Wichtig zu wissen: Spondylosen sind sehr häufig und oft ein Zufallsbefund. Viele ältere Hunde haben sie, ohne Beschwerden zu zeigen. Sie gelten als Reaktion des Körpers auf eine veränderte Belastung oder Instabilität der Bandscheiben.
Ursachen und Risikofaktoren
Alter: Mit den Jahren verlieren die Bandscheiben an Elastizität.
Rasse: Häufig betroffen sind zum Beispiel Boxer, Deutsche Schäferhunde und große Rassen.
Bandscheibenveränderungen und Instabilität
Übergewicht
Fehlbelastungen, etwa durch Schonhaltungen bei anderen orthopädischen Problemen
Verletzungen der Wirbelsäule
Wann machen Spondylosen Beschwerden?
Die Zubildungen selbst schmerzen meist nicht. Beschwerden entstehen eher, wenn:
eine Brücke frisch entsteht oder bricht
die Zubildungen auf Nervenwurzeln drücken, zum Beispiel an den Seiten des Wirbelkanals oder am Übergang zum Kreuzbein
gleichzeitig ein Bandscheibenproblem besteht
die Rückenmuskulatur verspannt ist
Mögliche Anzeichen
steifer Gang, vor allem nach dem Liegen
Schmerzen beim Aufstehen, Springen oder Treppensteigen
aufgekrümmter Rücken, Empfindlichkeit bei Berührung
Muskelabbau an Rücken und Hinterhand
Gereiztheit oder Rückzug
Lähmungserscheinungen durch Spondylosen allein sind selten. Treten neurologische Ausfälle auf, steckt oft ein Bandscheibenvorfall oder eine andere Ursache dahinter. Das muss abgeklärt werden.
Diagnose
Röntgen: zeigt Spondylosen gut
Orthopädische und neurologische Untersuchung: klärt, ob die Spondylosen wirklich die Ursache der Beschwerden sind
CT oder MRT: bei Verdacht auf Nervenkompression oder Bandscheibenvorfall
Weil Spondylosen so häufig sind, sollte bei Beschwerden immer geprüft werden, ob nicht eine andere Ursache wie Arthrose, Cauda-equina-Syndrom oder ein Kreuzbandproblem dahintersteckt.
Behandlung
Spondylosen lassen sich nicht rückgängig machen. Ziel ist, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu erhalten.
Schmerztherapie: entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAIDs) wie Carprofen oder Meloxicam, bei Bedarf weitere Schmerzmittel
Physiotherapie: Massagen, Mobilisation, Stabilisationsübungen für die Rumpfmuskulatur, Unterwasserlaufband
Wärme bei Verspannungen, zum Beispiel Rotlicht
Ergänzend: Lasertherapie oder Akupunktur
Operation: nur in seltenen Fällen bei Nervenkompression
Omega-3-Fettsäuren aus Fisch- oder Algenöl können entzündliche Prozesse unterstützend beeinflussen. Für Glucosamin und Chondroitin ist die Wirkung bei Wirbelsäulenproblemen nicht belegt.
Unterstützung im Alltag
Normalgewicht halten
Regelmäßige, moderate Bewegung, um die Muskulatur zu erhalten
keine Sprünge, kein abruptes Abbremsen
Rampe für Auto und Sofa, rutschfeste Böden
Wärmender Hundemantel im Winter
Orthopädisches Hundebett
Wann solltest du zum Tierarzt?
bei Rückenschmerzen, aufgekrümmtem Rücken oder Zittern
bei Lahmheit oder Steifheit, die nicht besser wird
sofort bei Schwäche der Hinterbeine, Überköten oder Lähmungserscheinungen
Unser Fazit
Spondylosen sind bei älteren Hunden sehr häufig und oft harmlos. Entscheidend ist, ob dein Hund Beschwerden hat, und wenn ja, ob sie wirklich von den Spondylosen kommen.
Mit Schmerztherapie bei Bedarf, Physiotherapie, Normalgewicht und angepasster Bewegung können die meisten Hunde mit Spondylosen gut leben.
Häufige Fragen zu Spondylosen beim Hund
Sind Spondylosen heilbar?
Nein, die Zubildungen bleiben. Beschwerden lassen sich aber meist gut behandeln, und viele Hunde haben gar keine.
Darf mein Hund mit Spondylosen noch spazieren gehen?
Ja, regelmäßige moderate Bewegung ist sogar wichtig, um die Muskulatur zu erhalten. Vermeide nur Sprünge und abrupte Bewegungen.
Werden Spondylosen schlimmer?
Sie können mit der Zeit zunehmen. Das bedeutet aber nicht automatisch mehr Beschwerden.
Hilft Physiotherapie bei Spondylosen?
Ja, gezielter Muskelaufbau und das Lösen von Verspannungen helfen vielen Hunden deutlich.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Rückenschmerzen oder Lähmungserscheinungen wende dich bitte umgehend an deinen Tierarzt.
Quellen
Levine G. J. et al. (2006): Evaluation of the association between spondylosis deformans and clinical signs of intervertebral disk disease in dogs: 172 cases (1999–2000), JAVMA 228(1):96–100
Dewey C. W., da Costa R. C. (2016): Practical Guide to Canine and Feline Neurology, 3. Auflage, Wiley-Blackwell
Millis D. L., Levine D. (Hrsg.) (2014): Canine Rehabilitation and Physical Therapy, 2. Auflage, Elsevier Saunders
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