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Epilepsie beim Hund: Symptome erkennen, richtig handeln, Behandlung und Lebenserwartung

Unsere Fellnase
vor 15 Stunden
19 Min. Lesezeit
 Epilepsie beim Hund – umfassender Ratgeber zu Symptomen, Ursachen, Diagnostik, Medikamenten und Lebenserwartung
 Epilepsie beim Hund – umfassender Ratgeber zu Symptomen, Ursachen, Diagnostik, Medikamenten und Lebenserwartung

Der große Ratgeber für Hundehalter – alles über epileptische Anfälle, Ursachen, Diagnostik, Medikamente, Notfälle und das Leben mit einem betroffenen Hund.

Ein epileptischer Anfall beim eigenen Hund gehört zu den erschreckendsten Erfahrungen, die ein Hundehalter machen kann.

Gerade noch liegt die geliebte Fellnase entspannt auf ihrem Lieblingsplatz. Vielleicht schläft sie friedlich oder genießt die Nähe ihrer Menschen. Doch plötzlich verändert sich alles.

Der Körper versteift sich, die Beine beginnen unkontrolliert zu zucken, der Hund fällt um oder reagiert nicht mehr auf Ansprache. Vielleicht speichelt er stark, macht paddelnde Bewegungen oder verliert die Kontrolle über Blase und Darm.

Für den Menschen, der hilflos danebensteht, können bereits wenige Sekunden wie eine Ewigkeit wirken.

Die Angst um den geliebten Vierbeiner ist riesig.


Doch ein epileptischer Anfall bedeutet nicht automatisch, dass der Hund an einer chronischen Epilepsie leidet. Und selbst wenn die Diagnose Epilepsie gestellt wird, bedeutet das keineswegs, dass ein schönes und erfülltes Hundeleben nicht mehr möglich ist.


Viele Hunde mit Epilepsie können dank moderner Tiermedizin, geeigneter Medikamente und einer guten medizinischen Begleitung über Jahre eine hohe Lebensqualität genießen.

Wichtig ist, die Erkrankung zu verstehen, mögliche Warnzeichen zu erkennen und im Ernstfall richtig zu handeln.

In diesem ausführlichen Ratgeber erfährst du, wie Epilepsie entsteht, woran du einen Anfall erkennst, welche Untersuchungen notwendig sind, wie die Erkrankung behandelt wird und welche Lebenserwartung betroffene Hunde haben können.


Was ist Epilepsie beim Hund?

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, bei der eine anhaltende Veranlagung besteht, wiederholt epileptische Anfälle zu entwickeln.

Ein epileptischer Anfall entsteht durch eine vorübergehende, übermäßige oder ungewöhnlich synchronisierte elektrische Aktivität von Nervenzellen im Gehirn.

Normalerweise arbeiten die Nervenzellen des Gehirns in einem fein abgestimmten Zusammenspiel. Bei einem epileptischen Anfall gerät diese elektrische Aktivität vorübergehend aus dem Gleichgewicht.

Je nachdem, welche Bereiche des Gehirns betroffen sind, können ganz unterschiedliche Symptome auftreten.

Manche Hunde zeigen starke Krampfanfälle mit Bewusstseinsverlust. Andere haben lediglich auffällige Muskelzuckungen, ungewöhnliche Bewegungen oder plötzlich auftretende Verhaltensveränderungen.

Deshalb ist es wichtig zu wissen:

Nicht jeder epileptische Anfall sieht aus wie ein klassischer Krampfanfall.


Ist jeder Krampfanfall automatisch Epilepsie?

Nein.

Ein einzelner epileptischer Anfall bedeutet noch nicht, dass ein Hund an Epilepsie leidet.

In der Veterinärmedizin wird Epilepsie häufig anhand von mindestens zwei nicht provozierten epileptischen Anfällen definiert, die mehr als 24 Stunden auseinanderliegen.

Auch Stoffwechselstörungen, Vergiftungen und andere Erkrankungen können Anfälle auslösen.

Deshalb ist eine gründliche Untersuchung notwendig, bevor die Diagnose Epilepsie gestellt wird.


Welche Formen der Epilepsie gibt es beim Hund?

Grundsätzlich muss zwischen verschiedenen Ursachen epileptischer Anfälle unterschieden werden.

1. Idiopathische Epilepsie

Die idiopathische Epilepsie ist eine häufige Form der Epilepsie beim Hund.

Dabei lässt sich keine andere zugrunde liegende Gehirnerkrankung nachweisen, welche die Anfälle erklärt.

Je nach Fall wird eine genetische Ursache vermutet oder die genaue Ursache bleibt unbekannt.

Die ersten Anfälle treten häufig zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem sechsten Lebensjahr auf.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jüngere oder ältere Hunde keine Epilepsie entwickeln können.

Bei einigen Hunderassen wird eine genetische Veranlagung vermutet oder wurde bereits nachgewiesen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Border Collie

  • Australian Shepherd

  • Beagle

  • Belgischer Schäferhund

  • Labrador Retriever

  • Golden Retriever

Die Erkrankung kann jedoch grundsätzlich jeden Hund betreffen, auch Mischlinge.

2. Strukturelle Epilepsie

Bei einer strukturellen Epilepsie liegt eine Veränderung des Gehirns vor, die epileptische Anfälle verursacht.

Mögliche Ursachen sind beispielsweise:

  • Hirntumoren

  • Entzündungen des Gehirns

  • Fehlbildungen

  • Bestimmte Gefäßerkrankungen

  • Folgen von Hirnverletzungen

  • Andere strukturelle Veränderungen

Die Prognose hängt wesentlich davon ab, welche Erkrankung vorliegt und ob diese behandelt werden kann.

3. Reaktive Anfälle

Reaktive Anfälle entstehen durch Störungen außerhalb des Gehirns.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Unterzuckerung

  • Bestimmte Vergiftungen

  • Schwere Elektrolytstörungen

  • Ausgeprägte Leberfunktionsstörungen

  • Andere schwere Stoffwechselentgleisungen

In diesen Fällen liegt nicht zwangsläufig eine chronische Epilepsie vor.

Die Behandlung richtet sich vor allem nach der auslösenden Ursache.


Wie erkennt man Epilepsie beim Hund?

Epileptische Anfälle können sehr unterschiedlich aussehen.

Man unterscheidet insbesondere zwischen generalisierten und fokalen Anfällen.

Generalisierte epileptische Anfälle

Bei einem generalisierten Anfall sind beide Gehirnhälften am Anfallsgeschehen beteiligt.

Typische Symptome können sein:

  • Plötzliches Umfallen

  • Bewusstseinsverlust

  • Versteifung des Körpers

  • Rhythmische Muskelzuckungen

  • Paddelnde Bewegungen der Beine

  • Starkes Speicheln

  • Unkontrollierter Urinabsatz

  • Unkontrollierter Kotabsatz

  • Kieferbewegungen

  • Fehlende Reaktion auf Ansprache

Ein solcher Anfall wirkt häufig sehr dramatisch.

Fokale epileptische Anfälle

Fokale Anfälle beginnen in einem begrenzten Bereich des Gehirns.

Sie können deutlich unauffälliger verlaufen.

Mögliche Anzeichen sind:

  • Wiederholtes Zucken einer Gesichtshälfte

  • Zuckungen einzelner Gliedmaßen

  • Auffälliges Schmatzen

  • Wiederholte Kaubewegungen

  • Plötzliches Lecken

  • Ungewöhnliche Kopfbewegungen

  • Starres Blickverhalten

  • Abrupte Verhaltensveränderungen

Manche Hunde bleiben während eines fokalen Anfalls ansprechbar. Bei anderen ist das Bewusstsein beeinträchtigt.

Ein fokaler Anfall kann sich außerdem zu einem generalisierten Anfall entwickeln.

Wichtig: Solche Symptome können auch andere Ursachen haben. Sie sollten deshalb tierärztlich abgeklärt werden.


Die drei Phasen eines epileptischen Anfalls

Ein epileptischer Anfall kann in verschiedene Phasen unterteilt werden.

1. Die Vorphase – Prodromalphase

Manche Hunde zeigen bereits Stunden vor einem Anfall Veränderungen.

Sie wirken möglicherweise unruhiger als gewöhnlich, besonders anhänglich, ängstlich, zurückgezogen oder rastlos.

Nicht jeder Hund zeigt solche Veränderungen.

Auch lassen sich epileptische Anfälle anhand dieser Beobachtungen nicht zuverlässig vorhersagen.

2. Die eigentliche Anfallsphase – Iktus

Während dieser Phase treten die epileptischen Symptome auf.

Der Hund kann beispielsweise das Bewusstsein verlieren, krampfen oder ungewöhnliche Bewegungen zeigen.

Viele Anfälle dauern nur Sekunden bis wenige Minuten.

Für Hundehalter fühlt sich diese Zeit häufig deutlich länger an.

3. Die Erholungsphase – Postiktale Phase

Nach dem Anfall ist der Hund möglicherweise zunächst nicht wieder ganz er selbst.

Typische Veränderungen können sein:

  • Desorientierung

  • Unsicherer Gang

  • Vorübergehende Sehprobleme

  • Unruhe

  • Starkes Hecheln

  • Gesteigerter Hunger

  • Vermehrter Durst

  • Müdigkeit

  • Verwirrtheit

  • Ungewöhnliche Anhänglichkeit

Die Erholung kann wenige Minuten, mehrere Stunden oder in manchen Fällen länger dauern.

Diese Phase ist für viele Hunde ebenfalls sehr belastend.


Wann wird ein epileptischer Anfall lebensgefährlich?

Nicht jeder epileptische Anfall ist automatisch lebensbedrohlich.

Bestimmte Situationen erfordern jedoch sofortige tierärztliche Hilfe.

Status epilepticus

Ein Status epilepticus ist ein neurologischer Notfall.

Bei einem krampfartigen Anfall, der fünf Minuten oder länger anhält, muss sofort gehandelt werden.

Auch mehrere Anfälle hintereinander, zwischen denen der Hund sein Bewusstsein beziehungsweise seinen normalen Zustand nicht wiedererlangt, sind ein Notfall.

Während eines anhaltenden Anfalls können unter anderem die Körpertemperatur stark ansteigen, die Atmung beeinträchtigt werden, Kreislaufprobleme auftreten und schwere Stoffwechselentgleisungen entstehen.

Je länger ein solcher Zustand anhält, desto schwieriger kann es werden, ihn zu durchbrechen.


Deshalb gilt: Bei einem Anfall von fünf Minuten oder länger sofort tierärztliche Notfallhilfe in Anspruch nehmen. Bei einem anhaltenden Anfall nicht erst die Fünf-Minuten-Grenze abwarten, bevor Hilfe organisiert wird.


Clusteranfälle

Von Clusteranfällen spricht man, wenn innerhalb eines kurzen Zeitraums mehrere epileptische Anfälle auftreten.

Häufig wird darunter das Auftreten von mindestens zwei Anfällen innerhalb von 24 Stunden verstanden.

Auch wenn sich der Hund zwischen den Anfällen scheinbar erholt, können Clusteranfälle gefährlich sein.

Sie erfordern eine dringende tierärztliche Beurteilung.


Erste Hilfe: Was tun, wenn der Hund einen epileptischen Anfall bekommt?

Wenn der eigene Hund plötzlich krampft, fällt es verständlicherweise schwer, ruhig zu bleiben.

Doch das richtige Verhalten kann entscheidend sein.

1. Die Zeit messen

Schaue sofort auf die Uhr oder starte einen Timer.

Die tatsächliche Dauer des Anfalls ist für die tierärztliche Einschätzung besonders wichtig.

2. Den Hund vor Verletzungen schützen

Entferne möglichst vorsichtig gefährliche Gegenstände aus seiner Umgebung.

Achte besonders darauf, dass der Hund nicht von erhöhten Flächen oder Treppen stürzen kann.

3. Den Hund nicht festhalten

Versuche nicht, die Krampfbewegungen mit Gewalt zu unterdrücken.

Dadurch können Verletzungen entstehen.

4. Niemals ins Maul greifen

Ein Hund kann seine Zunge während eines epileptischen Anfalls nicht verschlucken.

Es besteht deshalb kein Grund, die Zunge festzuhalten oder Gegenstände zwischen die Zähne zu schieben.

Durch unkontrollierte Kieferbewegungen besteht ein erhebliches Verletzungsrisiko.

5. Reize reduzieren

Wenn möglich, sorge für eine ruhige Umgebung.

Reduziere unnötigen Lärm und hektische Bewegungen.

6. Den Anfall filmen

Wenn es gefahrlos möglich ist, kann eine Videoaufnahme für die spätere Diagnose sehr hilfreich sein.

Die Sicherheit des Hundes und die notwendige Notfallversorgung haben jedoch Vorrang.

7. Keine Nahrung oder Medikamente ins Maul geben

Während des Krampfens darfst du deinem Hund weder Wasser noch Futter oder Tabletten ins Maul geben.

Es besteht Verschluckungs- und Verletzungsgefahr.

Eine Ausnahme bilden ausschließlich entsprechend verordnete Notfallmedikamente, die über einen vom Tierarzt festgelegten Verabreichungsweg angewendet werden.

8. Nach dem Anfall Ruhe ermöglichen

Nach einem Anfall können Hunde verwirrt, ängstlich oder vorübergehend orientierungslos sein.

Gib deinem Hund Zeit, wieder zu sich zu kommen.

Nähere dich vorsichtig und bedränge ihn nicht.

9. Bei Warnzeichen sofort zum Tierarzt

Sofortige Hilfe ist insbesondere notwendig bei:

  • Einem Anfall von fünf Minuten oder länger

  • Mehreren Anfällen innerhalb von 24 Stunden

  • Fehlender Erholung zwischen den Anfällen

  • Atemproblemen

  • Schweren Verletzungen

  • Verdacht auf Vergiftung

Auch ein erstmaliger Anfall sollte zeitnah tierärztlich untersucht werden.


Welche Untersuchungen sind bei Verdacht auf Epilepsie notwendig?

Die Diagnose Epilepsie sollte niemals allein aufgrund eines einzelnen Krampfanfalls gestellt werden.

Zunächst muss geklärt werden, ob es sich tatsächlich um einen epileptischen Anfall handelt.

Anschließend wird untersucht, welche Ursache dahintersteckt.

Die Diagnostik erfolgt schrittweise.

1. Ausführliche Anamnese

Das Gespräch mit dem Hundehalter ist ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik.

Der Tierarzt wird unter anderem fragen:

  • Wann trat der erste Anfall auf?

  • Wie alt war der Hund?

  • Wie häufig treten die Anfälle auf?

  • Wie lange dauern sie?

  • Wie sehen die Anfälle aus?

  • Wie verhält sich der Hund davor?

  • Wie lange benötigt er zur Erholung?

  • Ist er zwischen den Anfällen unauffällig?

  • Welche Medikamente bekommt er?

  • Sind Vorerkrankungen bekannt?

  • Könnte eine Vergiftung vorliegen?

Eine Videoaufnahme kann hier besonders wertvoll sein.

2. Allgemeine körperliche Untersuchung

Der Tierarzt untersucht den allgemeinen Gesundheitszustand des Hundes.

Dabei werden unter anderem Herz, Kreislauf und mögliche Hinweise auf andere Erkrankungen berücksichtigt.

Denn auch bestimmte Herzerkrankungen können beispielsweise zu kurzzeitiger Bewusstlosigkeit führen.

3. Neurologische Untersuchung

Bei der neurologischen Untersuchung werden verschiedene Funktionen des Nervensystems beurteilt.

Dazu gehören Bewusstsein, Verhalten, Gangbild, Koordination, Reflexe, Hirnnervenfunktionen sowie Haltungs- und Stellreaktionen.

Besonders wichtig ist die Frage, ob der Hund zwischen den Anfällen neurologisch unauffällig ist.

4. Blutuntersuchungen

Blutuntersuchungen helfen dabei, mögliche Stoffwechselstörungen und andere Erkrankungen zu erkennen.

Untersucht werden können unter anderem:

  • Blutbild

  • Blutzucker

  • Elektrolyte

  • Leberwerte

  • Nierenwerte

  • Weitere relevante Laborparameter

Je nach Verdacht können zusätzliche Untersuchungen notwendig sein.

5. Urinuntersuchung

Eine Urinanalyse kann weitere Hinweise auf Stoffwechsel- und Organerkrankungen liefern.

Sie gehört häufig zur grundlegenden internistischen Abklärung.

6. Magnetresonanztomografie – MRT

Mit einer MRT lassen sich Veränderungen des Gehirns untersuchen.

Sie kann beispielsweise Hinweise auf Hirntumoren, Entzündungen, Fehlbildungen, bestimmte Gefäßveränderungen und andere strukturelle Gehirnerkrankungen liefern.

Besonders wichtig ist eine weiterführende Bildgebung, wenn die ersten Anfälle in einem ungewöhnlichen Alter auftreten oder neurologische Auffälligkeiten bestehen.

Auch bei schwer kontrollierbaren Anfällen kann eine MRT notwendig werden.

7. Untersuchung des Nervenwassers – Liquor

Bei bestimmten Fragestellungen wird zusätzlich das Nervenwasser untersucht.

Eine solche Untersuchung kann beispielsweise bei Verdacht auf entzündliche oder infektiöse Erkrankungen des zentralen Nervensystems sinnvoll sein.

Sie erfolgt unter Narkose und nach sorgfältiger medizinischer Beurteilung.

8. Elektroenzephalogramm – EEG

Mit einem EEG kann die elektrische Aktivität des Gehirns gemessen werden.

Diese Untersuchung wird in der Tiermedizin allerdings nicht so routinemäßig durchgeführt wie beim Menschen.

Sie kommt insbesondere in spezialisierten Einrichtungen zum Einsatz.

Ein unauffälliges EEG schließt Epilepsie nicht sicher aus.


Wie wird idiopathische Epilepsie diagnostiziert?

Für die Diagnose idiopathische Epilepsie gibt es international anerkannte diagnostische Kriterien.

Die International Veterinary Epilepsy Task Force unterscheidet drei Stufen der diagnostischen Sicherheit.

Tier I

Die erste Stufe umfasst unter anderem:

  • Mindestens zwei nicht provozierte Anfälle im Abstand von mehr als 24 Stunden

  • Erster Anfall zwischen sechs Monaten und sechs Jahren

  • Unauffällige körperliche und neurologische Untersuchung zwischen den Anfällen

  • Keine relevante Auffälligkeit in den grundlegenden Laboruntersuchungen

Tier II

Zusätzlich zu den Voraussetzungen der ersten Stufe werden weiterführende Untersuchungen berücksichtigt.

Dazu gehören unter anderem:

  • Geeignete Untersuchung der Leberfunktion

  • Unauffällige MRT des Gehirns

  • Unauffällige Liquoruntersuchung

Tier III

Die höchste diagnostische Sicherheitsstufe umfasst zusätzlich charakteristische epileptische Veränderungen im EEG.

Wichtig ist:

Diese Stufen beschreiben die Sicherheit der Diagnose.

Sie sagen nicht aus, wie schwer die Epilepsie bei einem bestimmten Hund verläuft.


Welche Erkrankungen können mit Epilepsie verwechselt werden?

Nicht jedes Zittern, Zucken oder plötzliche Umfallen ist ein epileptischer Anfall.

Mögliche andere Ursachen sind beispielsweise:

Synkopen

Dabei handelt es sich um kurzzeitige Bewusstlosigkeit, die unter anderem durch Herzrhythmusstörungen verursacht werden kann.

Vestibuläre Erkrankungen

Störungen des Gleichgewichtssystems können zu Unsicherheit, Kopfschiefhaltung und ungewöhnlichen Augenbewegungen führen.

Paroxysmale Dyskinesien

Dabei handelt es sich um anfallsartig auftretende Bewegungsstörungen, bei denen das Bewusstsein häufig erhalten bleibt.

Schlafbewegungen

Auch gesunde Hunde können im Schlaf zucken oder paddelnde Bewegungen zeigen.

Nicht jede solche Bewegung ist ein epileptischer Anfall.

Gerade deshalb sind eine gute Anfallsbeschreibung und gegebenenfalls Videoaufnahmen so wichtig.


Wie wird Epilepsie beim Hund behandelt?

Die Behandlung hängt von der Ursache, der Anfallshäufigkeit, der Anfallsschwere und dem individuellen Hund ab.

Nicht jeder Hund benötigt unmittelbar nach einem einzelnen Anfall dauerhaft Medikamente.

Bei wiederkehrenden oder schweren Anfällen ist jedoch häufig eine langfristige Behandlung notwendig.

Wann beginnt man mit einer dauerhaften Therapie?

Eine dauerhafte medikamentöse Behandlung wird insbesondere erwogen, wenn:

  • Anfälle wiederholt in kurzen Abständen auftreten

  • Clusteranfälle vorkommen

  • Ein Status epilepticus aufgetreten ist

  • Die Anfälle besonders schwer verlaufen

  • Die Erholungsphase ungewöhnlich lang oder belastend ist

  • Die Anfallshäufigkeit oder Anfallsschwere zunimmt

Die Entscheidung wird individuell getroffen.

Dabei werden auch die Lebensqualität des Hundes, mögliche Nebenwirkungen und die vermutete Ursache berücksichtigt.

Was ist das Ziel der Behandlung?

Das wichtigste Ziel ist eine möglichst vollständige Anfallskontrolle.

Idealerweise wird der Hund anfallsfrei.

Das gelingt jedoch nicht bei jedem Hund.

Wenn vollständige Anfallsfreiheit nicht erreicht werden kann, sollen zumindest:

  • Die Anfälle seltener auftreten

  • Die Anfälle kürzer dauern

  • Die Anfälle weniger schwer verlaufen

  • Clusteranfälle und Status epilepticus möglichst verhindert werden

  • Nebenwirkungen gering bleiben

  • Die Lebensqualität erhalten werden

Eine erfolgreiche Behandlung bedeutet deshalb nicht ausschließlich, dass nie wieder ein Anfall auftritt.

Auch eine deutliche Verringerung schwerer Anfälle kann für den Hund einen großen Unterschied machen.


Welche Medikamente helfen bei Epilepsie beim Hund?

Zur langfristigen Behandlung werden sogenannte Antiepileptika beziehungsweise anfallsunterdrückende Medikamente eingesetzt.

Sie beeinflussen die elektrische Aktivität des Nervensystems und sollen das Auftreten weiterer Anfälle reduzieren.

Welcher Wirkstoff geeignet ist, hängt unter anderem vom Alter, Gesundheitszustand, Anfallsmuster und möglichen Begleiterkrankungen ab.

Phenobarbital

Phenobarbital gehört zu den etablierten Medikamenten für die Langzeitbehandlung der Epilepsie beim Hund.

Es kann die Anfallshäufigkeit deutlich reduzieren.

Mögliche Nebenwirkungen sind insbesondere zu Beginn der Behandlung:

  • Müdigkeit

  • Unsicherer Gang

  • Vermehrter Durst

  • Häufigeres Wasserlassen

  • Gesteigerter Appetit

Bei längerer Anwendung sind regelmäßige Kontrollen wichtig.

Insbesondere die Leberfunktion und die Konzentration des Medikaments im Blut müssen bei geeigneten Patienten überprüft werden.

Phenobarbital darf niemals eigenmächtig abrupt abgesetzt werden.

Ein plötzliches Absetzen kann schwere Anfälle begünstigen.

Imepitoin

Imepitoin wird bei bestimmten Formen der idiopathischen Epilepsie beim Hund eingesetzt.

Es kann insbesondere bei geeigneten Hunden mit wiederkehrenden generalisierten Anfällen eine Behandlungsoption darstellen.

Mögliche Nebenwirkungen sind beispielsweise:

  • Müdigkeit

  • Gesteigerter Appetit

  • Koordinationsstörungen

  • Vorübergehende Verhaltensveränderungen

Bei besonders schweren Anfallsmustern ist Imepitoin nicht in jeder Situation als alleinige Behandlung geeignet.

Kaliumbromid

Kaliumbromid wird ebenfalls zur langfristigen Anfallskontrolle eingesetzt.

Es kann allein oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen verwendet werden, abhängig von Zulassung, individueller Situation und tierärztlicher Entscheidung.

Kaliumbromid besitzt eine lange Halbwertszeit.

Deshalb dauert es vergleichsweise lange, bis sich eine stabile Wirkstoffkonzentration im Körper eingestellt hat.

Mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Müdigkeit

  • Unsicherer Gang

  • Gesteigerter Appetit

  • Magen-Darm-Beschwerden

Besonders wichtig ist die Ernährung.

Die Chloridzufuhr über das Futter kann die Bromidkonzentration beeinflussen.

Deshalb sollten größere Veränderungen des Salzgehalts der Ernährung mit dem Tierarzt abgestimmt werden.

Levetiracetam

Levetiracetam wird ebenfalls zur Behandlung epileptischer Anfälle bei Hunden eingesetzt.

Häufig wird es als zusätzliches Medikament verwendet.

Je nach Präparat und Behandlungsschema können mehrere tägliche Gaben erforderlich sein.

Mögliche Nebenwirkungen sind beispielsweise Müdigkeit und Koordinationsstörungen.

Bei bestimmten Anfallsmustern kann Levetiracetam auch Bestandteil eines speziell festgelegten Behandlungsplans sein.

Weitere Medikamente

Bei schwer kontrollierbarer Epilepsie können spezialisierte Tierärzte weitere Wirkstoffe oder Kombinationstherapien erwägen.

Dazu gehört beispielsweise Zonisamid.

Die Auswahl muss individuell erfolgen.

Wichtig: Die Medikamente sind nicht beliebig austauschbar. Zulassung und Verfügbarkeit können sich je nach Land unterscheiden.


Wie wird die medikamentöse Behandlung überwacht?

Eine gute Epilepsiebehandlung besteht nicht nur darin, dem Hund täglich Medikamente zu geben.

Sie erfordert eine kontinuierliche medizinische Begleitung.

Die Einstellungsphase

Zu Beginn einer Therapie muss zunächst festgestellt werden, wie gut der Hund auf das Medikament anspricht.

Dabei wird überprüft:

  • Wie häufig treten Anfälle auf?

  • Wie schwer verlaufen sie?

  • Wie lange dauern sie?

  • Welche Nebenwirkungen treten auf?

  • Verträgt der Hund das Medikament?

  • Ist eine Anpassung der Dosierung notwendig?

Bei bestimmten Wirkstoffen werden zusätzlich Blutspiegel kontrolliert.

Langfristige Kontrolluntersuchungen

Auch wenn ein Hund über längere Zeit anfallsfrei bleibt, sind regelmäßige tierärztliche Kontrollen wichtig.

Je nach Medikament und Gesundheitszustand können dazu gehören:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung

  • Blutbild

  • Leberwerte

  • Weitere Organwerte

  • Kontrolle der Medikamentenkonzentration im Blut

  • Überprüfung des Anfallstagebuchs

  • Bewertung der Lebensqualität

Die Kontrollintervalle werden individuell festgelegt.

Ein Medikamentenspiegel innerhalb eines bestimmten Zielbereichs bedeutet nicht automatisch, dass die Behandlung optimal ist.

Entscheidend ist immer auch, wie gut die Anfälle kontrolliert werden und wie es dem Hund im Alltag geht.


Was passiert, wenn die Medikamente nicht ausreichend helfen?

Manche Hunde entwickeln trotz angemessener Behandlung weiterhin epileptische Anfälle.

In solchen Fällen spricht man unter bestimmten Voraussetzungen von einer medikamentenresistenten oder schwer kontrollierbaren Epilepsie.

Das bedeutet nicht automatisch, dass keine Behandlungsmöglichkeiten mehr bestehen.

Zunächst sollte geprüft werden:

  • Ist die Diagnose korrekt?

  • Werden die Medikamente regelmäßig gegeben?

  • Ist die Dosierung angemessen?

  • Sind die Blutspiegel passend?

  • Gibt es Wechselwirkungen?

  • Besteht eine bisher nicht erkannte Gehirnerkrankung?

  • Ist eine Kombination verschiedener Medikamente sinnvoll?

Gerade bei schwer kontrollierbarer Epilepsie kann eine Vorstellung bei einem spezialisierten Tierneurologen sehr wertvoll sein.


Notfallmedikamente für Hunde mit Epilepsie

Bei Hunden, die bereits Clusteranfälle oder besonders schwere Anfälle erlebt haben, kann der Tierarzt ein Notfallmedikament für zu Hause verordnen.

Solche Medikamente sollen helfen, ein akutes Anfallsgeschehen möglichst schnell zu unterbrechen.

Häufig werden dafür bestimmte Benzodiazepine verwendet.

Dazu gehören beispielsweise:

Midazolam

Midazolam kann bei Hunden im Rahmen eines tierärztlich festgelegten Notfallplans über die Nase verabreicht werden.

Die intranasale Anwendung ist eine wichtige außerklinische Behandlungsoption bei epileptischen Notfällen.

Diazepam

Auch Diazepam kann in bestimmten Situationen als Notfallmedikament eingesetzt werden.

Für die Anwendung zu Hause kann unter geeigneten Voraussetzungen eine rektale Verabreichung vorgesehen sein.

Was muss der Hundehalter wissen?

Wenn ein Notfallmedikament verordnet wird, sollte der Tierarzt genau erklären:

  • Wann das Medikament gegeben werden muss

  • Welche Menge angewendet werden soll

  • Wie die Verabreichung funktioniert

  • Ob eine Wiederholung erlaubt ist

  • Wann unverzüglich eine Tierklinik aufgesucht werden muss


Notfallmedikamente dürfen ausschließlich nach tierärztlicher Anweisung angewendet werden.


Sie ersetzen keine tierärztliche Notfallversorgung.


Wie hoch ist die Lebenserwartung eines Hundes mit Epilepsie?

Diese Frage beschäftigt wahrscheinlich jeden Hundehalter nach der Diagnose.

Die wichtigste Antwort lautet:

Epilepsie bedeutet nicht automatisch, dass ein Hund nur noch wenige Jahre zu leben hat.

Viele Hunde mit idiopathischer Epilepsie können über Jahre mit guter Lebensqualität leben.

Manche werden durch die Behandlung vollständig anfallsfrei.

Andere erleben gelegentlich weiterhin Anfälle, können zwischen diesen Ereignissen aber einen weitgehend normalen Alltag führen.

Eine allgemeingültige Zahl zur Lebenserwartung gibt es nicht.

Die Prognose hängt von mehreren Faktoren ab.

Was beeinflusst die Lebenserwartung?

Besonders wichtig sind:

  • Die Ursache der Epilepsie

  • Das Alter beim Erkrankungsbeginn

  • Die Häufigkeit der Anfälle

  • Die Schwere der Anfälle

  • Das Auftreten von Clusteranfällen

  • Das Auftreten eines Status epilepticus

  • Das Ansprechen auf Medikamente

  • Mögliche Begleiterkrankungen

  • Die Verträglichkeit der Behandlung

  • Die langfristige medizinische Betreuung

Wann ist die Prognose günstiger?

Eine günstigere Prognose ist häufig möglich, wenn:

  • Eine idiopathische Epilepsie vorliegt

  • Die Anfälle gut kontrolliert werden können

  • Keine wiederholten schweren Anfallsnotfälle auftreten

  • Die Medikamente gut vertragen werden

  • Regelmäßige Kontrollen stattfinden

  • Der Hund zwischen den Anfällen eine gute Lebensqualität besitzt

Wann kann die Prognose schlechter sein?

Eine ungünstigere Prognose kann insbesondere bestehen bei:

  • Häufigen schweren Anfällen

  • Wiederholten Clusteranfällen

  • Status epilepticus

  • Schwer kontrollierbarer Epilepsie

  • Schwerwiegenden strukturellen Gehirnerkrankungen

  • Erheblichen Nebenwirkungen der Behandlung

Kann Epilepsie beim Hund tödlich sein?

Ja, unter bestimmten Umständen.

Insbesondere ein Status epilepticus oder schwere Clusteranfälle können lebensbedrohlich werden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Hund mit Epilepsie solche Komplikationen erleben wird.

Eine gut kontrollierte Epilepsie unterscheidet sich prognostisch deutlich von einer Erkrankung mit häufigen schweren Anfallsnotfällen.


Wie lebt ein Hund mit Epilepsie?

Für viele Hundehalter verändert die Diagnose zunächst den gesamten Alltag.

Plötzlich entstehen Fragen:

Darf mein Hund noch allein bleiben?

Kann ich mit ihm weiterhin lange Spaziergänge machen?

Darf er spielen?

Was passiert, wenn unterwegs ein Anfall auftritt?

Mit einer geeigneten Behandlung und einem guten Notfallplan ist bei vielen Hunden weiterhin ein weitgehend normaler Alltag möglich.

Medikamente zuverlässig geben

Bei einer dauerhaft behandelten Epilepsie ist die regelmäßige Medikamentengabe besonders wichtig.

Die Medikamente sollten möglichst zu den vereinbarten Zeiten verabreicht werden.

Eigenmächtige Dosisänderungen oder ein plötzliches Absetzen können die Anfallskontrolle gefährden.

Wurde eine Medikamentengabe vergessen, sollte die weitere Vorgehensweise mit der Tierarztpraxis abgestimmt werden.

Auf ausreichend Ruhe und Schlaf achten

Ein verlässlicher Tagesablauf mit ausreichend Schlaf und Erholung kann für viele Hunde hilfreich sein.

Das bedeutet jedoch nicht, dass ein epilepsiekranker Hund ständig geschont werden muss.

Bewegung und Beschäftigung

Normale Spaziergänge, Spielen, Training und gemeinsame Unternehmungen sind bei vielen gut eingestellten Hunden weiterhin möglich.

Die Belastung sollte zum Gesundheitszustand und zur individuellen Anfallssituation passen.

Sicherheit im Alltag

Je nach Anfallshäufigkeit können bestimmte Vorsichtsmaßnahmen sinnvoll sein.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Ungesicherte Treppen vermeiden

  • Schwimmen nur unter unmittelbarer Aufsicht

  • Gefährliche Höhen meiden

  • Betreuungspersonen informieren

  • Einen Notfallplan bereithalten

  • Auf Reisen ausreichend Medikamente mitnehmen

Das Ziel ist nicht, den Hund vor dem Leben zu schützen, sondern ihm trotz seiner Erkrankung ein möglichst sicheres und erfülltes Leben zu ermöglichen.


Warum ein Anfallstagebuch so wichtig ist

Ein Anfallstagebuch gehört zu den wichtigsten Hilfsmitteln bei der langfristigen Behandlung.

Es hilft dabei, den Verlauf der Erkrankung objektiver zu beurteilen.

Notiert werden sollten:

  • Datum des Anfalls

  • Uhrzeit

  • Dauer

  • Art des Anfalls

  • Beobachtete Symptome

  • Verhalten vor dem Anfall

  • Verhalten nach dem Anfall

  • Dauer der Erholungsphase

  • Verabreichte Medikamente

  • Anwendung eines Notfallmedikaments

  • Mögliche Besonderheiten im Tagesablauf

Auch Videoaufnahmen können sehr hilfreich sein.

Ein Anfallstagebuch ermöglicht es dem Tierarzt, Veränderungen besser zu erkennen und die Behandlung gezielter anzupassen.


Ernährung bei Epilepsie: Kann das richtige Futter helfen?

Die Ernährung kann bei bestimmten Hunden eine ergänzende Rolle spielen.

Besonders interessant sind sogenannte mittelkettige Triglyceride, kurz MCT.

Was sind MCT?

MCT sind spezielle Fettsäuren, die sich hinsichtlich ihrer Verstoffwechselung von vielen langkettigen Fetten unterscheiden.

Sie werden in der Forschung unter anderem im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen untersucht.

MCT und Epilepsie beim Hund

In wissenschaftlichen Studien wurde untersucht, ob eine MCT-angereicherte Ernährung die Anfallshäufigkeit bei Hunden mit idiopathischer Epilepsie beeinflussen kann.

Einige Untersuchungen zeigten bei einem Teil der Hunde eine Verringerung der Anfallshäufigkeit.

Allerdings profitierten nicht alle Hunde gleichermaßen.

MCT-angereicherte Ernährung kann deshalb bei ausgewählten Hunden eine ergänzende Option darstellen.

Sie ersetzt jedoch keine notwendige medikamentöse Behandlung.

Kann man einfach Kokosöl geben?

Davon sollte man nicht ausgehen.

Kokosöl besitzt eine andere Fettsäurezusammensetzung als gezielt eingesetzte MCT-Produkte.

Außerdem kann eine größere zusätzliche Fettmenge Magen-Darm-Beschwerden verursachen und die Kalorienzufuhr erhöhen.

Eine gezielte Ernährungsumstellung sollte deshalb mit dem behandelnden Tierarzt abgestimmt werden.


Können CBD, Kräuter oder Nahrungsergänzungsmittel bei Epilepsie helfen?

Im Internet werden zahlreiche Produkte als natürliche Unterstützung bei Epilepsie beworben.

Dazu gehören beispielsweise:

  • CBD-Produkte

  • Pflanzliche Präparate

  • Verschiedene Nahrungsergänzungsmittel

  • Spezielle Öle

  • Unterschiedliche Kräutermischungen

Die wissenschaftliche Datenlage ist jedoch je nach Substanz sehr unterschiedlich.

CBD bei Epilepsie

CBD wird auch in der Veterinärmedizin wissenschaftlich untersucht.

Es existieren kleinere klinische Studien bei Hunden mit Epilepsie.

Die bisherigen Ergebnisse reichen jedoch nicht aus, um CBD allgemein als Ersatz für etablierte Antiepileptika zu empfehlen.

Hinzu kommt, dass CBD Wechselwirkungen mit Medikamenten verursachen und bestimmte Laborwerte beeinflussen kann.

Natürlich bedeutet nicht automatisch sicher.

Jede Ergänzung sollte deshalb mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden.


Können Stress und Aufregung epileptische Anfälle auslösen?

Manche Hundehalter beobachten, dass Anfälle häufiger nach bestimmten Ereignissen auftreten.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Starke Aufregung

  • Veränderungen im Tagesablauf

  • Ungewöhnliche Belastungen

  • Gestörter Schlaf

  • Andere individuell auffällige Situationen

Solche Beobachtungen sollten im Anfallstagebuch festgehalten werden.

Allerdings ist nicht jeder zeitliche Zusammenhang automatisch ein tatsächlicher Auslöser.

Ein Hund mit Epilepsie muss deshalb nicht grundsätzlich von allen aufregenden oder schönen Erlebnissen ausgeschlossen werden.

Wichtiger ist, die individuellen Bedürfnisse des Hundes zu berücksichtigen.


Kann Epilepsie beim Hund geheilt werden?

Bei idiopathischer Epilepsie steht in der Regel die langfristige Kontrolle der Anfälle im Vordergrund.

Eine sichere dauerhafte Heilung durch Medikamente ist derzeit nicht zu erwarten.

Manche Hunde werden unter Behandlung über lange Zeiträume anfallsfrei.

Andere benötigen dauerhaft mehrere Medikamente.

Bei reaktiven Anfällen kann die Behandlung der auslösenden Ursache dazu führen, dass keine weiteren Anfälle auftreten.

Bei struktureller Epilepsie hängt die Aussicht auf eine ursächliche Behandlung von der jeweiligen Gehirnerkrankung ab.


Wann sollte ein Tierneurologe hinzugezogen werden?

Eine Vorstellung bei einem spezialisierten Tierneurologen ist besonders sinnvoll bei:

  • Unklarer Diagnose

  • Ungewöhnlichem Alter beim ersten Anfall

  • Auffälliger neurologischer Untersuchung

  • Wiederholten Clusteranfällen

  • Status epilepticus

  • Unzureichender Anfallskontrolle

  • Erheblichen Nebenwirkungen

  • Verdacht auf eine strukturelle Gehirnerkrankung

  • Bedarf an MRT oder Liquoruntersuchung

Ein Neurologe kann die bisherigen Befunde bewerten und gegebenenfalls eine weiterführende Diagnostik oder Anpassung der Behandlung empfehlen.


Häufige Fragen zur Epilepsie beim Hund

Hat mein Hund während eines epileptischen Anfalls Schmerzen?

Während eines generalisierten Anfalls ist das Bewusstsein häufig beeinträchtigt oder aufgehoben.

Ob und was der Hund währenddessen wahrnimmt, lässt sich nicht sicher beurteilen.

Verletzungen, Muskelbelastung und die anschließende Verwirrtheit können jedoch belastend sein.

Sollte ich meinen Hund während des Anfalls streicheln?

Wichtiger als Berührung ist eine sichere Umgebung.

Greife nicht in die Nähe des Mauls und halte den Hund nicht fest.

Nach dem Anfall kannst du ihm vorsichtig Nähe anbieten, wenn er wieder orientiert ist.

Kann mein Hund während eines Anfalls ersticken?

Schwere oder lang anhaltende Anfälle können Atmung und Kreislauf beeinträchtigen.

Deshalb sind anhaltende Anfälle ein Notfall.

Gegenstände oder Finger im Maul erhöhen dagegen das Verletzungsrisiko und gehören nicht zur Ersten Hilfe.

Darf mein Hund mit Epilepsie allein bleiben?

Viele gut eingestellte Hunde können zeitweise allein bleiben.

Bei häufigen schweren Anfällen sollte die Betreuungssituation jedoch individuell geplant werden.

Kann ein Hund mit Epilepsie Sport machen?

Bei guter Anfallskontrolle ist angemessene Bewegung häufig möglich.

Aktivitäten mit besonderem Risiko, beispielsweise unbeaufsichtigtes Schwimmen, sollten vermieden werden.

Ist Epilepsie beim Hund erblich?

Bei bestimmten Formen und Rassen spielt eine genetische Veranlagung eine Rolle.

Allerdings ist nicht jede Epilepsie genetisch bedingt.

Hunde mit vermuteter erblicher Epilepsie sollten nicht zur Zucht eingesetzt werden.

Kann ein Hund im Schlaf einen epileptischen Anfall bekommen?

Ja.

Epileptische Anfälle können auch während des Schlafens oder in Ruhe auftreten.

Normale Traumbewegungen müssen jedoch davon unterschieden werden.

Muss mein Hund die Medikamente lebenslang nehmen?

Viele Hunde benötigen eine langfristige Behandlung.

Ob eine Reduktion oder ein Absetzen überhaupt infrage kommt, muss individuell und ausschließlich tierärztlich entschieden werden.

Was passiert, wenn mein Hund trotz Medikamenten wieder einen Anfall hat?

Ein einzelner Durchbruchsanfall bedeutet nicht automatisch, dass die gesamte Behandlung gescheitert ist.

Der Anfall sollte dokumentiert und entsprechend dem vereinbarten Plan mit der Praxis besprochen werden.

Bei Clusteranfällen, langen Anfällen oder anderen Warnzeichen ist sofortige Hilfe erforderlich.

Kann Epilepsie im Alter erstmals auftreten?

Ja.

Gerade bei einem erstmaligen Anfall im höheren Alter müssen jedoch strukturelle und andere Ursachen besonders sorgfältig untersucht werden.

Kann Epilepsie das Verhalten meines Hundes verändern?

Ja.

Verhaltensveränderungen können vor oder nach Anfällen auftreten.

Auch die Grunderkrankung und bestimmte Medikamente können das Verhalten beeinflussen.

Anhaltende oder deutliche Veränderungen sollten tierärztlich abgeklärt werden.

Wie lange dauert ein epileptischer Anfall beim Hund?

Viele Anfälle dauern nur Sekunden bis wenige Minuten.

Ein krampfartiger Anfall, der fünf Minuten oder länger dauert, ist ein medizinischer Notfall.

Auch mehrere Anfälle in kurzer Zeit sind gefährlich.

Kann ein Hund trotz Epilepsie glücklich sein?

Ja.

Viele Hunde mit gut kontrollierter Epilepsie führen ein aktives, erfülltes Leben.

Entscheidend sind eine angemessene Behandlung, eine möglichst gute Anfallskontrolle und die individuelle Lebensqualität.


Die wichtigsten Punkte für Hundehalter auf einen Blick

  1. Nicht jeder Krampfanfall bedeutet automatisch Epilepsie.

  2. Epileptische Anfälle können generalisiert oder fokal auftreten.

  3. Ein anhaltender krampfartiger Anfall ab fünf Minuten ist ein medizinischer Notfall.

  4. Auch mehrere Anfälle innerhalb von 24 Stunden erfordern eine dringende tierärztliche Beurteilung.

  5. Während eines Anfalls darf der Hund nicht gewaltsam festgehalten werden.

  6. Niemals ins Maul greifen oder Gegenstände zwischen die Zähne schieben.

  7. Die Diagnostik umfasst unter anderem Anamnese, körperliche und neurologische Untersuchung sowie geeignete Laboruntersuchungen.

  8. Bei bestimmten Verdachtsmomenten sind MRT und Liquoruntersuchung sinnvoll.

  9. Eine dauerhafte Behandlung kann die Anfallshäufigkeit und Anfallsschwere deutlich reduzieren.

  10. Medikamente müssen zuverlässig und entsprechend der tierärztlichen Verordnung gegeben werden.

  11. Ein Anfallstagebuch unterstützt die langfristige Behandlung.

  12. Viele Hunde mit Epilepsie können über Jahre eine gute Lebensqualität haben.


Unser Fazit: Epilepsie verändert den Alltag – aber sie nimmt einem Hund nicht automatisch seine Lebensfreude

Eine Epilepsiediagnose kann für Hundehalter zunächst beängstigend sein.

Die Vorstellung, dass der geliebte Hund jederzeit erneut einen Anfall bekommen könnte, belastet viele Menschen sehr.

Doch zwischen der Diagnose und der tatsächlichen Lebensqualität eines Hundes liegen viele wichtige Faktoren.

Eine sorgfältige Diagnostik.

Die passende medikamentöse Behandlung.

Ein individuell abgestimmter Notfallplan.

Regelmäßige Kontrollen.

Und ein Hundehalter, der weiß, worauf er achten muss.

Nicht jeder Anfall ist Epilepsie. Nicht jede Epilepsie verläuft schwer. Und nicht jeder Hund mit Epilepsie hat automatisch eine verkürzte Lebenserwartung.

Viele betroffene Hunde können weiterhin spazieren gehen, spielen, kuscheln, Neues entdecken und ihren Alltag genießen.

Wichtig ist, die Erkrankung ernst zu nehmen, ohne den Hund nur noch auf seine Diagnose zu reduzieren.

Denn auch ein Hund mit Epilepsie ist vor allem eines:

Ein geliebtes Familienmitglied, das Sicherheit, Fürsorge, medizinische Begleitung und möglichst viele schöne Tage verdient.

Und manchmal ist genau das der wichtigste Gedanke für Hundehalter, die gerade erst mit dieser Diagnose konfrontiert wurden:

Die Epilepsie ist ein Teil des Lebens deines Hundes. Aber sie muss nicht sein ganzes Leben bestimmen. ❤️🐾


Medizinischer Hinweis

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung.

Bei einem anhaltenden krampfartigen Anfall von fünf Minuten oder länger, mehreren Anfällen innerhalb kurzer Zeit oder fehlender Erholung zwischen den Anfällen ist unverzüglich tierärztliche Notfallhilfe erforderlich.

Medikamente und Notfallpräparate dürfen ausschließlich entsprechend der tierärztlichen Verordnung eingesetzt werden.


Stand der Informationen: Oktober 2026.


Wissenschaftliche Quellen und weiterführende Fachliteratur

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International veterinary epilepsy task force consensus proposal: diagnostic approach to epilepsy in dogs.


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DOI: 10.1186/s12917-015-0462-1.

2. Berendt M. et al. (2015)


International veterinary epilepsy task force consensus report on epilepsy definition, classification and terminology in companion animals.


BMC Veterinary Research, 11:182.


DOI: 10.1186/s12917-015-0461-2.

3. Bhatti S. F. M. et al. (2015)


International Veterinary Epilepsy Task Force consensus proposal: medical treatment of canine epilepsy in Europe.


BMC Veterinary Research, 11:176.


DOI: 10.1186/s12917-015-0464-z.

4. Charalambous M. et al. (2024)


ACVIM Consensus Statement on the management of status epilepticus and cluster seizures in dogs and cats.


Journal of Veterinary Internal Medicine, 38(1):19–40.


DOI: 10.1111/jvim.16928.

5. Law T. H. et al. (2015)


A randomised trial of a medium-chain TAG diet as treatment for dogs with idiopathic epilepsy.


British Journal of Nutrition.

6. Berk B. A. et al. (2020)


A multicenter randomized controlled trial of medium-chain triglyceride dietary supplementation on epilepsy in dogs.


Journal of Veterinary Internal Medicine.




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