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Hitze beim Hund – Ab wann wird es wirklich gefährlich?

  • Unsere Fellnase
  • vor 2 Minuten
  • 4 Min. Lesezeit
Hitzecheck beim Hund
Hitzecheck beim Hund

Warum nicht nur die Temperatur über Leben und Gesundheit entscheidet


Sobald im Sommer die Temperaturen steigen, taucht jedes Jahr dieselbe Frage auf:


„Ab wie viel Grad ist es für meinen Hund zu heiß?"


Die Antwort darauf ist überraschend: Es gibt keine feste Temperatur, ab der es für jeden Hund gleichermaßen gefährlich wird.


Denn ob ein Hund überhitzt, hängt von vielen Faktoren ab – unter anderem von Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, körperlicher Aktivität, Alter, Gesundheitszustand und Rasse.


Fest steht jedoch: Hitzebedingte Erkrankungen gehören zu den häufigsten sommerlichen Notfällen in der Tiermedizin und können innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden.


Warum Hunde Hitze schlechter vertragen als Menschen


Menschen regulieren ihre Körpertemperatur hauptsächlich über das Schwitzen.


Hunde besitzen dagegen nur wenige Schweißdrüsen an den Pfoten. Ihre wichtigste Möglichkeit zur Wärmeabgabe ist das Hecheln.


Dabei verdunstet Feuchtigkeit über die Atemwege. Dieser Mechanismus funktioniert jedoch nur begrenzt.


Steigen Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit an, verliert das Hecheln zunehmend seine kühlende Wirkung.


Die Folge:


Der Körper produziert mehr Wärme, als er wieder abgeben kann.


Es entsteht zunächst Hitzestress, der unbehandelt in einen Hitzschlag übergehen kann.


Was passiert bei einem Hitzschlag?


Ein Hitzschlag ist ein absoluter medizinischer Notfall.


Steigt die Körpertemperatur auf etwa 41 °C oder mehr, beginnt eine Kettenreaktion im Körper.


Es kommt unter anderem zu:


- schweren Entzündungsreaktionen

- Schädigung von Eiweißen und Zellmembranen

- Durchblutungsstörungen

- Gerinnungsstörungen

- Sauerstoffmangel

- neurologischen Schäden

- Multiorganversagen


Vor allem Gehirn, Herz, Leber und Nieren reagieren äußerst empfindlich auf Überhitzung.


Selbst Hunde, die einen Hitzschlag zunächst überleben, können dauerhafte Organschäden zurückbehalten.


Studien zeigen, dass die Sterblichkeit trotz intensivmedizinischer Behandlung hoch sein kann.


Nicht nur die Außentemperatur entscheidet


Viele Hundehalter orientieren sich ausschließlich am Thermometer.


Tatsächlich spielen aber zahlreiche weitere Faktoren eine Rolle:


- Luftfeuchtigkeit

- direkte Sonneneinstrahlung

- Wind

- körperliche Belastung

- heißer Asphalt

- Dauer des Spaziergangs

- Körpergewicht

- Fellbeschaffenheit

- Gesundheitszustand


So kann selbst ein Spaziergang bei 22 °C für einen übergewichtigen Mops in der Mittagssonne deutlich belastender sein als für einen trainierten Border Collie am frühen Morgen.


Diese Temperaturen dienen als Orientierung


Unter 20 °C


Für die meisten gesunden Hunde bestehen normale Bedingungen.


Dennoch gilt:

Auch Bewegung, hohe Luftfeuchtigkeit oder direkte Sonne können den Körper belasten.


Zwischen 20 und 24 °C


Bereits jetzt sollte auf erste Belastungszeichen geachtet werden.


Vor allem:


- ältere Hunde

- Welpen

- brachyzephale Rassen

- Hunde mit Herz- oder Atemwegserkrankungen


können empfindlich reagieren. Bereits Temperaturen über 20 °C können Auswirkungen auf Hunde haben.


Zwischen 25 und 29 °C


Jetzt steigt das Risiko deutlich.


Empfehlenswert sind:


- Spaziergänge am frühen Morgen oder späten Abend

- ausreichend Trinkwasser

- schattige Wege

- regelmäßige Pausen

- keine intensive Bewegung


Ab 30 °C


Jetzt sollte körperliche Belastung weitgehend vermieden werden.


Viele Hunde können ihre Körpertemperatur unter diesen Bedingungen nicht mehr ausreichend regulieren.


Notwendige Gassirunden sollten möglichst kurz gehalten werden und nur in den kühleren Morgen- oder Abendstunden stattfinden.


Besonders gefährdete Hunde


Einige Hunde besitzen ein deutlich höheres Risiko für Hitzestress.


Dazu gehören:


Kurznasige Rassen


Zum Beispiel:


- Mops

- Französische Bulldogge

- Englische Bulldogge

- Boxer


Durch ihre verkürzten Atemwege funktioniert die Wärmeabgabe über das Hecheln deutlich schlechter.


Senioren


Mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit zur Temperaturregulation ab.


Welpen


Der Wärmehaushalt ist noch nicht vollständig entwickelt.


Übergewichtige Hunde


Fettgewebe speichert Wärme und erschwert die Kühlung.


Hunde mit Erkrankungen


Besonders betroffen sind Tiere mit:


- Herzkrankheiten

- Atemwegserkrankungen

- neurologischen Erkrankungen

- Stoffwechselerkrankungen


Warnzeichen einer Überhitzung


Zu den ersten Symptomen gehören:


- starkes Hecheln

- vermehrtes Speicheln

- Unruhe

- schneller Puls

- gerötete Schleimhäute

- Schwäche


Im weiteren Verlauf können auftreten:


- Taumeln

- Erbrechen

- Durchfall

- Muskelzittern

- Krampfanfälle

- Bewusstseinsstörungen

- Zusammenbruch


Spätestens jetzt handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall.


Erste Hilfe bei Hitzschlag


Die aktuelle veterinärmedizinische Empfehlung lautet:


Cool first – transport second.


Das bedeutet:


✔️ Hund sofort aus der Sonne bringen


✔️ mit kühlem (nicht eiskaltem) Wasser kühlen


✔️ Luftbewegung durch Ventilator oder Fahrtwind nutzen


✔️ kleine Mengen Wasser anbieten, wenn der Hund bei Bewusstsein ist


✔️ sofort tierärztliche Hilfe aufsuchen


Eiskaltes Wasser oder Eisbäder werden nicht empfohlen, da sie die Hautgefäße verengen und die Wärmeabgabe erschweren können.


Unsere Tipps für heiße Sommertage


- Spaziergänge in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden legen

- Asphalt mit der Hand testen (5-Sekunden-Regel)

- immer ausreichend Wasser mitnehmen

- schattige Wege bevorzugen

- körperliche Belastung reduzieren

- niemals Hunde im Auto zurücklassen

- Kühlmöglichkeiten anbieten

- Hunde niemals zum Laufen neben dem Fahrrad zwingen


Fazit


Es gibt keine pauschale Temperatur, die für jeden Hund sicher oder gefährlich ist.


Bereits ab etwa 20 bis 25 °C sollten Hundehalter aufmerksam werden, denn individuelle Faktoren wie Alter, Rasse, Gesundheit, Luftfeuchtigkeit und Belastung beeinflussen das Risiko erheblich.


Ab 30 °C sollte körperliche Aktivität auf ein Minimum reduziert werden.


Das Wichtigste ist jedoch:

Achtet nicht nur auf das Thermometer – sondern auf euren Hund. Wer frühe Warnzeichen erkennt und rechtzeitig handelt, kann einen Hitzschlag oft verhindern und im Ernstfall Leben retten.



Quellen


- Hall EJ et al. (2021): Proposing the VetCompass Clinical Grading Tool for Heat-Related Illness in Dogs.

- Caldas GG et al. (2022): Heat Stroke in Dogs: Literature Review.

- Cornell University College of Veterinary Medicine: Heatstroke – A Medical Emergency.

- Royal Kennel Club: Heatstroke in Dogs.

- Dogs Trust: Hot Weather Advice for Dogs.

- Guide Dogs UK: Dogs and Hot Weather.

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