Omega-3 & Omega-6 beim Hund: Wirkung, Verhältnis, Dosierung und die besten Quellen

OMEGA-3 UND OMEGA-6 BEIM HUND: WARUM DAS RICHTIGE VERHÄLTNIS SO WICHTIG IST
Omega-3 für den Hund – kaum ein Nahrungsergänzungsmittel wird inzwischen so häufig empfohlen.
Für glänzendes Fell.
Für die Haut.
Für die Gelenke.
Für das Herz.
Für das Gehirn.
Bei Entzündungen.
Doch was davon stimmt eigentlich?
Und vor allem: Was bedeutet es überhaupt, wenn auf einem Produkt „reich an Omega-3“ steht?
Denn Omega-3 ist nicht gleich Omega-3.
Leinöl ist nicht dasselbe wie Fischöl. ALA ist nicht dasselbe wie EPA und DHA. Und ein vermeintlich perfektes Omega-6:Omega-3-Verhältnis sagt allein noch lange nicht aus, ob ein Hund tatsächlich optimal mit den verschiedenen Fettsäuren versorgt wird.
Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren erfüllen im Organismus des Hundes zahlreiche wichtige Aufgaben. Sie sind Bestandteile von Zellmembranen, beeinflussen Haut und Fell, spielen eine Rolle bei Wachstum und Entwicklung und sind an Immun-, Entzündungs- und zahlreichen weiteren Regulationsprozessen beteiligt.
Deshalb lohnt es sich, dieses Thema etwas genauer zu verstehen.
Denn bei Omega-Fettsäuren gilt nicht:
Je mehr, desto besser.
Es geht vielmehr um die richtigen Fettsäuren, in einer geeigneten Menge und eingebettet in eine insgesamt ausgewogene Ernährung.
WAS SIND OMEGA-FETTSÄUREN?
Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren gehören zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren, den sogenannten PUFAs – Polyunsaturated Fatty Acids.
Die Bezeichnung Omega-3 beziehungsweise Omega-6 beschreibt die chemische Position der ersten Doppelbindung, vom sogenannten Omega-Ende des Fettsäuremoleküls aus betrachtet.
Für Hunde sind insbesondere verschiedene Vertreter dieser beiden Fettsäurefamilien interessant.
WICHTIGE OMEGA-3-FETTSÄUREN
ALA – ALPHA-LINOLENSÄURE
Alpha-Linolensäure ist eine pflanzlich vorkommende Omega-3-Fettsäure.
Größere Mengen finden sich beispielsweise in:
• Leinöl und Leinsamen
• Chia
• Camelinaöl
• Rapsöl
• Hanföl
ALA ist jedoch nicht mit EPA und DHA gleichzusetzen.
EPA – EICOSAPENTAENSÄURE
EPA gehört zu den langkettigen Omega-3-Fettsäuren.
Sie kommt vor allem in marinen Quellen vor.
Dazu gehören beispielsweise bestimmte fettreiche Fische, Fischöle und geeignete Mikroalgenprodukte.
EPA ist insbesondere wegen seiner Beteiligung an der Regulation verschiedener Entzündungsprozesse von wissenschaftlichem Interesse.
DHA – DOCOSAHEXAENSÄURE
Auch DHA gehört zu den langkettigen Omega-3-Fettsäuren.
DHA ist ein wichtiger struktureller Bestandteil bestimmter Zellmembranen und besitzt eine besondere Bedeutung für Nervengewebe und Netzhaut.
Auch DHA findet sich insbesondere in marinen Quellen beziehungsweise geeigneten Mikroalgen.
WICHTIGE OMEGA-6-FETTSÄUREN
LA – LINOLSÄURE
Linolsäure gehört zu den essentiellen Fettsäuren des Hundes.
Sie muss über die Nahrung zur Verfügung gestellt werden.
Linolsäure findet sich beispielsweise in verschiedenen Pflanzenölen sowie in unterschiedlichen tierischen Fettquellen.
Sie spielt unter anderem für die normale Hautfunktion und Hautbarriere eine wichtige Rolle.
ARA – ARACHIDONSÄURE
Arachidonsäure ist eine längerkettige Omega-6-Fettsäure.
Sie kommt insbesondere in tierischen Geweben vor und ist unter anderem Ausgangsstoff für verschiedene biologisch aktive Signalstoffe.
Anders als Katzen können erwachsene Hunde Arachidonsäure grundsätzlich aus Linolsäure synthetisieren. In bestimmten Lebensphasen wie Wachstum und Reproduktion bestehen jedoch besondere Anforderungen.
WARUM BRAUCHT DER HUND FETTSÄUREN?
Fette sind keineswegs nur Energielieferanten.
Bestimmte Fettsäuren übernehmen wichtige strukturelle und regulatorische Aufgaben.
Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sind unter anderem beteiligt an:
• Aufbau und Funktion von Zellmembranen
• normaler Hautfunktion
• Erhaltung der Hautbarriere
• Fellqualität
• Wachstum und Entwicklung
• Funktion des Nervensystems
• Entwicklung und Funktion der Netzhaut
• Bildung verschiedener Signalstoffe
• Regulation von Immunreaktionen
• Regulation von Entzündungsprozessen
• Fortpflanzung
• Wundheilung
• Energieversorgung
Fettsäuren sind deshalb keine Modeerscheinung der modernen Hundeernährung.
Sie gehören zur grundlegenden Physiologie des Hundes.
WAS BEDEUTET „ESSENTIELLE FETTSÄURE“?
Essentiell bedeutet:
Der Organismus benötigt eine Substanz, kann sie aber nicht in ausreichender Menge selbst herstellen.
Sie muss deshalb über die Nahrung aufgenommen werden.
Für Hunde ist insbesondere Linolsäure eine essentielle Fettsäure.
Auch Alpha-Linolensäure spielt als Omega-3-Vorstufe eine wichtige Rolle in der Ernährung.
Ein längerfristiger Mangel an essentiellen Fettsäuren kann sich beispielsweise durch Veränderungen von Haut und Fell bemerkbar machen.
Mögliche Folgen können unter anderem sein:
• trockenes oder stumpfes Fell
• schuppige Haut
• Beeinträchtigung der Hautbarriere
• Haarausfall
• Hautveränderungen
• beeinträchtigte Wundheilung
Solche Symptome sind allerdings nicht spezifisch für einen Fettsäuremangel.
Ein Hund mit Hautproblemen sollte deshalb nicht einfach auf Verdacht große Mengen Öl bekommen.
OMEGA-6 IST NICHT SCHLECHT
Eine der hartnäckigsten Behauptungen im Internet lautet:
„Omega-6 verursacht Entzündungen und sollte deshalb möglichst vermieden werden.“
Das ist zu stark vereinfacht.
Omega-6-Fettsäuren erfüllen lebenswichtige Funktionen.
Linolsäure ist für Hunde sogar essentiell.
Auch Entzündungsreaktionen sind nicht grundsätzlich schlecht.
Eine kontrollierte Entzündungsreaktion gehört beispielsweise zur normalen Immunabwehr und Wundheilung.
Problematisch wird es vielmehr, wenn Regulationsmechanismen aus dem Gleichgewicht geraten.
Deshalb sollte Omega-6 nicht als „schlecht“ und Omega-3 nicht als „gut“ bezeichnet werden.
Beide Fettsäurefamilien werden benötigt.
WAS HABEN OMEGA-FETTSÄUREN MIT ENTZÜNDUNGEN ZU TUN?
Hier wird es besonders interessant.
Bestimmte Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren werden in Zellmembranen eingebaut.
Aus ihnen können anschließend verschiedene biologisch aktive Moleküle entstehen.
Arachidonsäure aus der Omega-6-Familie kann beispielsweise als Ausgangsstoff für verschiedene Eicosanoide dienen, die unter anderem an Entzündungsprozessen beteiligt sind.
EPA und DHA können ebenfalls in Zellmembranen eingebaut werden und beeinflussen die Verfügbarkeit verschiedener Ausgangsstoffe und Signalwege.
Aus EPA und DHA können darüber hinaus Mediatoren entstehen, die an der kontrollierten Regulation und Auflösung von Entzündungsreaktionen beteiligt sind.
Deshalb ist die Aussage:
„Omega-3 kann zur Regulation von Entzündungsprozessen beitragen“
wissenschaftlich wesentlich sauberer als:
„Omega-3 schaltet Entzündungen aus.“
WARUM IST DAS OMEGA-6:OMEGA-3-VERHÄLTNIS INTERESSANT?
Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren nutzen teilweise dieselben Enzymsysteme und beeinflussen verschiedene miteinander verbundene Stoffwechselwege.
Deshalb beschäftigt sich die Ernährungswissenschaft schon lange mit dem Verhältnis der beiden Fettsäurefamilien.
Vereinfacht gesprochen:
Wenn sehr große Mengen Omega-6 und nur geringe Mengen Omega-3 zur Verfügung stehen, unterscheidet sich das Angebot an Ausgangsstoffen für verschiedene Stoffwechselprozesse von einer Ernährung, die beide Fettsäurefamilien ausgewogener bereitstellt.
Studien an Hunden zeigen, dass Veränderungen des Omega-6:Omega-3-Verhältnisses bestimmte Entzündungs- und Immunmarker beeinflussen können.
Aber jetzt kommt ein sehr wichtiger Punkt:
ES GIBT NICHT DIE EINE MAGISCHE VERHÄLTNISZAHL
Im Internet findet man Aussagen wie:
„Das perfekte Verhältnis beträgt 5:1.“
Oder:
„Nur 3:1 ist optimal.“
So eindeutig ist die wissenschaftliche Datenlage nicht.
Eine neuere wissenschaftliche Übersichtsarbeit kommt zu dem Ergebnis, dass für Hunde derzeit kein universelles ideales Omega-6:Omega-3-Verhältnis abschließend festgelegt werden kann.
Die vorhandenen Untersuchungen sprechen dafür, dass ein Verhältnis unter ungefähr 10:1 interessant sein kann.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Hund exakt dieses Verhältnis benötigt.
Noch wichtiger:
Die reine Verhältniszahl kann sogar irreführend sein.
WARUM DAS VERHÄLTNIS ALLEIN NICHT REICHT
Stellen wir uns zwei Futtermittel vor.
Beide haben ein Omega-6:Omega-3-Verhältnis von 5:1.
Auf den ersten Blick sehen beide identisch gut aus.
Doch Futter A enthält als Omega-3-Quelle hauptsächlich ALA.
Futter B liefert relevante Mengen EPA und DHA.
Obwohl auf beiden Verpackungen dasselbe Verhältnis steht, ist die tatsächliche Fettsäureversorgung nicht identisch.
Hinzu kommt die absolute Menge.
Ein Futter kann insgesamt sehr wenig Omega-6 und sehr wenig Omega-3 enthalten und trotzdem mathematisch ein Verhältnis von 5:1 besitzen.
Ein anderes Futter kann deutlich höhere absolute Mengen liefern und ebenfalls 5:1 erreichen.
Deshalb sollte man bei der Beurteilung einer Ration drei Dinge betrachten:
1. Welche Fettsäuren sind enthalten?
2. In welchen absoluten Mengen sind sie enthalten?
3. Wie ist das Verhältnis der Fettsäuren zueinander?
Erst zusammen ergibt sich ein sinnvolleres Bild.
ALA IST NICHT DASSELBE WIE EPA UND DHA
Das gehört zu den wichtigsten Punkten des gesamten Themas.
Auf vielen Produkten steht groß:
„OMEGA-3“
Doch damit ist noch nicht gesagt, welche Omega-3-Fettsäure enthalten ist.
Alpha-Linolensäure – ALA – ist eine pflanzlich vorkommende Omega-3-Fettsäure.
Der Körper des Hundes kann ALA über mehrere Stoffwechselschritte in längerkettige Omega-3-Fettsäuren umwandeln.
Diese Umwandlung ist allerdings begrenzt.
Deshalb ist eine große Menge ALA nicht automatisch mit einer direkten Versorgung mit EPA und DHA gleichzusetzen.
Wer gezielt EPA und DHA zuführen möchte, sollte deshalb auf die tatsächlichen Mengen dieser beiden Fettsäuren achten.
LEINÖL, FISCHÖL ODER ALGENÖL – WAS IST DER UNTERSCHIED?
LEINÖL
Leinöl ist besonders reich an ALA.
Es ist deshalb eine interessante pflanzliche Omega-3-Quelle.
Leinöl liefert jedoch nicht automatisch relevante Mengen EPA und DHA.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
FISCHÖL
Geeignete Fischöle können EPA und DHA direkt bereitstellen.
Wie viel davon tatsächlich enthalten ist, hängt jedoch stark vom jeweiligen Produkt ab.
Deshalb reicht die Angabe:
„1.000 mg Fischöl“
nicht aus.
Entscheidend ist vielmehr:
Wie viele Milligramm EPA?
Wie viele Milligramm DHA?
ALGENÖL
Bestimmte Mikroalgen können langkettige Omega-3-Fettsäuren direkt bilden.
Daraus gewonnene Algenöle können deshalb eine interessante Alternative zu Fischöl darstellen.
Aber auch hier gilt:
Nicht jedes Algenöl besitzt dieselbe Zusammensetzung.
Manche Produkte liefern überwiegend DHA, andere können EPA und DHA enthalten.
Deshalb sollte immer die genaue Deklaration geprüft werden.
HANFÖL
Hanföl enthält sowohl Omega-6- als auch Omega-3-Fettsäuren und besitzt im Vergleich zu einigen anderen Pflanzenölen ein interessanteres Verhältnis.
Die Omega-3-Komponente besteht jedoch hauptsächlich aus ALA.
Hanföl ist deshalb nicht mit einem EPA-/DHA-reichen Fisch- oder Algenöl gleichzusetzen.
RAPSÖL
Rapsöl liefert unter anderem Linolsäure und Alpha-Linolensäure.
Auch hier stammt die Omega-3-Komponente im Wesentlichen aus ALA.
SONNENBLUMENÖL
Sonnenblumenöl enthält in der klassischen Form relativ viel Linolsäure und damit Omega-6.
Es ist deshalb keine typische Omega-3-Quelle.
WELCHE OMEGA-QUELLE LIEFERT WAS?
Quelle: Leinöl / Leinsamen
Hauptsächliche relevante Fettsäure: ALA
EPA: praktisch keine direkte Quelle
DHA: praktisch keine direkte Quelle
Besonderheit: sehr gute pflanzliche ALA-Quelle
Quelle: Hanföl
Hauptsächliche relevante Fettsäuren: LA und ALA
EPA: praktisch keine direkte Quelle
DHA: praktisch keine direkte Quelle
Besonderheit: liefert Omega-6 und Omega-3, aber kein Ersatz für EPA/DHA
Quelle: Rapsöl
Hauptsächliche relevante Fettsäuren: LA und ALA
EPA: praktisch keine direkte Quelle
DHA: praktisch keine direkte Quelle
Besonderheit: pflanzliche Fettquelle mit ALA
Quelle: Sonnenblumenöl
Hauptsächliche relevante Fettsäure: überwiegend LA
EPA: keine relevante Quelle
DHA: keine relevante Quelle
Besonderheit: klassische Sorten sind vor allem Omega-6-reich
Quelle: Fischöl
Hauptsächliche relevante Fettsäuren: EPA und DHA
EPA: ja
DHA: ja
Besonderheit: direkte Quelle langkettiger Omega-3-Fettsäuren
Quelle: bestimmte Mikroalgenöle
Hauptsächliche relevante Fettsäuren: DHA und je nach Alge auch EPA
EPA: produktabhängig
DHA: häufig ja
Besonderheit: marine, nicht aus Fisch gewonnene Quelle langkettiger Omega-3-Fettsäuren
Wichtig:
Die tatsächlichen Fettsäuregehalte unterscheiden sich erheblich zwischen Produkten.
Deshalb ist die Deklaration wichtiger als der Name des Öls allein.
OMEGA-3 FÜR HAUT UND FELL
Haut und Fell gehören zu den bekanntesten Bereichen, mit denen Fettsäuren in Verbindung gebracht werden.
Die Haut ist eine hochkomplexe Schutzbarriere.
Essentielle Fettsäuren sind an der normalen Funktion dieser Barriere beteiligt.
Eine unzureichende Versorgung kann beispielsweise mit trockener oder schuppiger Haut und Veränderungen des Fells verbunden sein.
EPA und DHA werden darüber hinaus im Zusammenhang mit entzündlichen Hauterkrankungen untersucht.
Das bedeutet jedoch ausdrücklich nicht:
Juckreiz = Omega-3-Mangel.
Juckreiz kann zahlreiche Ursachen haben:
• Umweltallergien
• Futtermittelreaktionen
• Flöhe
• Milben
• bakterielle Hautinfektionen
• Hefepilze
• andere dermatologische Erkrankungen
Ein Öl ersetzt deshalb keine dermatologische Diagnostik.
OMEGA-3 UND GELENKE
Einer der wissenschaftlich besonders interessanten Einsatzbereiche von EPA und DHA ist die Osteoarthritis.
Bei Arthrose spielen Entzündungsprozesse innerhalb und rund um das Gelenk eine Rolle.
EPA und DHA können verschiedene entzündungsbezogene Stoffwechselwege beeinflussen.
In klinischen Untersuchungen wurden deshalb EPA-/DHA-angereicherte Rationen bei Hunden mit Osteoarthritis untersucht.
Einige Studien zeigten Verbesserungen bestimmter klinischer Parameter beziehungsweise der Belastbarkeit.
Omega-3 kann deshalb Bestandteil eines multimodalen Arthrosemanagements sein.
Es ersetzt aber weder die Diagnose noch eine angemessene Schmerztherapie, Gewichtsregulation, Physiotherapie oder andere erforderliche Behandlungen.
OMEGA-3 UND GEHIRN
DHA ist ein wichtiger Bestandteil von Nervengewebe.
Besonders während der Entwicklung besitzt DHA eine wichtige Bedeutung.
Bei Welpen ist eine angemessene Versorgung deshalb insbesondere im Zusammenhang mit Gehirn und Netzhaut interessant.
Auch bei älteren Hunden werden Omega-3-Fettsäuren im Zusammenhang mit kognitiven Funktionen untersucht.
Eine bestehende kognitive Dysfunktion lässt sich jedoch nicht einfach durch Fischöl „wegfüttern“.
Die Ernährung kann vielmehr ein Bestandteil eines umfassenden Behandlungskonzeptes sein.
OMEGA-3 UND HERZ
EPA und DHA werden auch im Zusammenhang mit verschiedenen Herzerkrankungen untersucht.
Sie können unter anderem Zellmembranen, Signalwege und Entzündungsprozesse beeinflussen.
Bei herzkranken Hunden sollte eine Supplementierung jedoch immer Teil eines tierärztlich begleiteten Gesamtkonzeptes sein.
Omega-3 ersetzt keine Herzmedikamente und keine kardiologische Diagnostik.
OMEGA-3 UND NIEREN
Auch bei chronischen Nierenerkrankungen werden Omega-3-Fettsäuren untersucht.
Bei einem nierenkranken Hund ist die Ernährung allerdings wesentlich komplexer als die Frage nach einem einzelnen Öl.
Je nach Erkrankungsstadium können beispielsweise relevant sein:
• Phosphor
• Proteinmenge und Proteinqualität
• Energieversorgung
• Natrium
• Kalium
• Wasseraufnahme
• Körpergewicht
• Muskelmasse
Omega-3 kann deshalb nicht aus einer ungeeigneten Ration automatisch eine geeignete Nierendiät machen.
OMEGA-3 UND DAS IMMUNSYSTEM
EPA und DHA beeinflussen verschiedene Immunprozesse.
Hier wird häufig von einer „Stärkung des Immunsystems“ gesprochen.
Diese Formulierung ist allerdings nicht besonders präzise.
Ein Immunsystem soll nicht möglichst stark arbeiten.
Es soll angemessen reagieren.
Eine überschießende Immunantwort kann genauso problematisch sein wie eine unzureichende.
Deshalb ist die Formulierung sinnvoller:
Omega-3-Fettsäuren können bestimmte Immun- und Entzündungsprozesse modulieren.
WIE VIEL OMEGA-3 BRAUCHT EIN HUND?
Das ist wahrscheinlich eine der häufigsten Fragen.
Und genau hier ist Vorsicht mit pauschalen Dosierungsangaben notwendig.
Es gibt nicht die eine Omega-3-Dosis, die für jeden Hund und jeden Einsatzzweck optimal ist.
Der Bedarf beziehungsweise eine therapeutisch untersuchte Menge hängt unter anderem ab von:
• Körpergewicht
• Alter
• Lebensphase
• Grundfutter
• bereits enthaltener EPA-/DHA-Menge
• Gesundheitszustand
• Erkrankung
• gewünschtem Einsatzzweck
• verwendetem Produkt
• EPA-/DHA-Konzentration des Produktes
Eine aktuelle wissenschaftliche Auswertung verschiedener Studien zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich die untersuchten Dosierungen je nach Einsatzgebiet waren.
Bei Studien zur Osteoarthritis lagen untersuchte Mengen beispielsweise ungefähr bei:
EPA: 48–100 mg pro kg Körpergewicht und Tag
DHA: 20–32 mg pro kg Körpergewicht und Tag
Bei dermatologischen Untersuchungen waren die verwendeten Mengen teilweise deutlich niedriger und besaßen eine sehr große Spannweite.
Auch bei kardiologischen, kognitiven und anderen Fragestellungen wurden wiederum andere Dosierungen untersucht.
Das bedeutet:
Eine Dosis, die in einer Arthrosestudie verwendet wurde, ist nicht automatisch die ideale Menge für einen gesunden Hund mit trockenem Fell.
BEISPIELRECHNUNG NACH KÖRPERGEWICHT
Die folgende Tabelle ist deshalb ausdrücklich KEINE allgemeine Dosierungsempfehlung.
Sie zeigt lediglich, welche Mengen sich rechnerisch ergeben würden, wenn ein Tierarzt für einen bestimmten Hund beispielsweise eine EPA+DHA-Menge von 50, 75 oder 100 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag festgelegt hätte.
5 kg Hund:
bei 50 mg/kg = 250 mg EPA+DHA
bei 75 mg/kg = 375 mg EPA+DHA
bei 100 mg/kg = 500 mg EPA+DHA
10 kg Hund:
bei 50 mg/kg = 500 mg EPA+DHA
bei 75 mg/kg = 750 mg EPA+DHA
bei 100 mg/kg = 1.000 mg EPA+DHA
15 kg Hund:
bei 50 mg/kg = 750 mg EPA+DHA
bei 75 mg/kg = 1.125 mg EPA+DHA
bei 100 mg/kg = 1.500 mg EPA+DHA
20 kg Hund:
bei 50 mg/kg = 1.000 mg EPA+DHA
bei 75 mg/kg = 1.500 mg EPA+DHA
bei 100 mg/kg = 2.000 mg EPA+DHA
25 kg Hund:
bei 50 mg/kg = 1.250 mg EPA+DHA
bei 75 mg/kg = 1.875 mg EPA+DHA
bei 100 mg/kg = 2.500 mg EPA+DHA
30 kg Hund:
bei 50 mg/kg = 1.500 mg EPA+DHA
bei 75 mg/kg = 2.250 mg EPA+DHA
bei 100 mg/kg = 3.000 mg EPA+DHA
40 kg Hund:
bei 50 mg/kg = 2.000 mg EPA+DHA
bei 75 mg/kg = 3.000 mg EPA+DHA
bei 100 mg/kg = 4.000 mg EPA+DHA
50 kg Hund:
bei 50 mg/kg = 2.500 mg EPA+DHA
bei 75 mg/kg = 3.750 mg EPA+DHA
bei 100 mg/kg = 5.000 mg EPA+DHA
WARUM DIESE TABELLE NICHT EINFACH ALS DOSIERANLEITUNG VERWENDET WERDEN DARF
Weil „Omega-3“ nicht wie ein einziges standardisiertes Medikament dosiert werden kann.
Ein gesunder Hund besitzt andere Anforderungen als ein Hund mit Osteoarthritis.
Ein Welpe besitzt andere Anforderungen als ein Senior.
Und ein Hund, dessen Alleinfuttermittel bereits relevante Mengen EPA und DHA enthält, startet an einem völlig anderen Punkt als ein Hund, dessen selbst zusammengestellte Ration kaum langkettige Omega-3-Fettsäuren liefert.
Bei therapeutischen Dosierungen sollte deshalb nicht nach einer beliebigen Tabelle im Internet dosiert werden.
Die individuelle Menge sollte mit Tierarzt oder qualifizierter tiermedizinischer Ernährungsberatung abgestimmt werden.
ACHTUNG BEIM ETIKETT: 1.000 MG FISCHÖL SIND NICHT 1.000 MG EPA+DHA
Das ist ein extrem häufiger Denkfehler.
Angenommen, auf einer Kapsel steht:
1.000 mg Fischöl.
Das bedeutet nicht:
1.000 mg Omega-3.
Und erst recht bedeutet es nicht:
1.000 mg EPA+DHA.
Ein Produkt könnte beispielsweise pro Kapsel 180 mg EPA und 120 mg DHA liefern.
Dann enthält die 1.000-mg-Fischölkapsel tatsächlich:
300 mg EPA+DHA.
Ein anderes 1.000-mg-Fischölprodukt kann eine völlig andere Konzentration besitzen.
Deshalb sollte man niemals nur die Fischölmenge vergleichen.
Entscheidend sind die tatsächlichen Mengen von:
EPA + DHA.
WIE BERECHNET MAN DIE EPA+DHA-MENGE?
Ganz einfach:
EPA pro Portion + DHA pro Portion = EPA+DHA pro Portion.
Beispiel:
EPA: 350 mg
DHA: 250 mg
350 + 250 = 600 mg EPA+DHA.
Bekommt ein 20 kg schwerer Hund diese Portion, ergibt das:
600 mg ÷ 20 kg = 30 mg EPA+DHA pro kg Körpergewicht.
Erst mit solchen Angaben lassen sich Produkte sinnvoll miteinander vergleichen.
WIE ERKENNE ICH EIN GUTES OMEGA-3-PRODUKT?
Ein seriös deklariertes Produkt sollte möglichst klar erkennen lassen, was tatsächlich enthalten ist.
Bei einem EPA-/DHA-Produkt sind insbesondere folgende Angaben interessant:
• genaue Ölquelle
• EPA-Gehalt
• DHA-Gehalt
• Menge pro ml, Kapsel oder Tagesportion
• Lagerungshinweise
• Haltbarkeit nach dem Öffnen
• klare Fütterungsempfehlung
Die Aussage:
„reich an wertvollem Omega-3“
ist dagegen allein wenig aussagekräftig.
MEHR OMEGA-3 IST NICHT AUTOMATISCH BESSER
Das ist besonders wichtig.
Wenn ein Nährstoff positive Eigenschaften besitzt, liegt schnell der Gedanke nahe:
Dann gebe ich einfach möglichst viel.
Das ist keine gute Strategie.
Eine sehr hohe Omega-3-Zufuhr kann unerwünschte Wirkungen haben.
In der wissenschaftlichen Literatur werden bei hoher Zufuhr unter anderem mögliche Auswirkungen diskutiert auf:
• Thrombozytenaggregation beziehungsweise Blutgerinnung
• Immunfunktion
• Lipidperoxidation
• Vitamin-E-Status
Hinzu kommt:
Öl liefert sehr viel Energie.
Ein Gramm Fett besitzt ungefähr 9 Kilokalorien.
Wer täglich größere Mengen Öl über das normale Futter gibt, erhöht deshalb die Kalorienzufuhr.
Gerade bei übergewichtigen Hunden muss das berücksichtigt werden.
OMEGA-3 UND VITAMIN E
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind aufgrund ihrer chemischen Struktur oxidationsempfindlich.
Je mehr Doppelbindungen eine Fettsäure besitzt, desto anfälliger ist sie grundsätzlich für oxidative Prozesse.
Vitamin E ist ein wichtiges fettlösliches Antioxidans.
Bei einer höheren Zufuhr mehrfach ungesättigter Fettsäuren muss deshalb auch der antioxidative Schutz der Gesamtration berücksichtigt werden.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Hund, der Fischöl bekommt, automatisch hoch dosiertes Vitamin E benötigt.
Auch hier zählt die Gesamtration.
WIE SOLLTE OMEGA-3-ÖL GELAGERT WERDEN?
Omega-3-reiche Öle können empfindlich gegenüber:
• Sauerstoff
• Licht
• Wärme
sein.
Oxidiertes beziehungsweise ranziges Öl sollte nicht verfüttert werden.
Deshalb:
• Lagerungshinweise des Herstellers beachten
• Flasche nach Gebrauch sofort schließen
• vor direkter Sonneneinstrahlung schützen
• nicht unnötig warm lagern
• Haltbarkeit nach dem Öffnen beachten
• lieber passende Gebindegrößen kaufen
• Veränderungen von Geruch und Beschaffenheit ernst nehmen
Ein riesiger Kanister ist nicht automatisch günstiger, wenn das Öl monatelang geöffnet herumsteht.
OMEGA-3 BEIM BARFEN
Gerade beim BARFen wird häufig über das Omega-6:Omega-3-Verhältnis gesprochen.
Dabei sollte jedoch die gesamte Ration betrachtet werden.
Nur weil eine BARF-Ration Fleisch enthält, besitzt sie nicht automatisch ein optimales Fettsäureprofil.
Die Zusammensetzung hängt unter anderem ab von:
• verwendeter Tierart
• Fleischstück
• Fettgehalt
• weiteren Fettquellen
• verwendeten Pflanzenölen
• Fischanteil
• Ergänzungsprodukten
Wer zusätzlich größere Mengen omega-6-reicher Pflanzenöle verwendet, kann das Fettsäureprofil der Gesamtration deutlich verändern.
Ein kleiner Schuss Lachsöl macht daraus nicht automatisch eine perfekt ausbalancierte Ration.
Bei dauerhaft selbst zusammengestelltem Futter sollte deshalb die gesamte Ration fachgerecht berechnet werden.
HÄUFIGE FRAGEN ZU OMEGA-3 BEIM HUND
IST OMEGA-3 GUT FÜR HUNDE?
Omega-3-Fettsäuren sind Bestandteil einer ausgewogenen Hundeernährung.
Welche Omega-3-Fettsäure und welche Menge sinnvoll ist, hängt jedoch von der gesamten Ration und vom individuellen Hund ab.
WOFÜR IST OMEGA-3 BEIM HUND GUT?
Omega-3-Fettsäuren sind unter anderem an Zellmembranen, Entwicklung, Nervensystem und verschiedenen Regulationsprozessen beteiligt.
EPA und DHA werden darüber hinaus besonders im Zusammenhang mit Entzündungsprozessen sowie beispielsweise Gelenken, Haut, Herz und weiteren Bereichen untersucht.
WAS IST BESSER FÜR HUNDE – OMEGA-3 ODER OMEGA-6?
Diese Frage ist falsch gestellt.
Der Hund benötigt beide Fettsäurefamilien.
Es geht nicht um Omega-3 gegen Omega-6, sondern um eine bedarfsgerechte Gesamtversorgung.
WELCHES OMEGA-3 IST FÜR HUNDE AM BESTEN?
Das hängt vom Ziel ab.
Wer gezielt EPA und DHA zuführen möchte, benötigt eine Quelle, die diese Fettsäuren tatsächlich enthält.
Geeignete Fischöle oder bestimmte Mikroalgenöle können EPA beziehungsweise DHA direkt bereitstellen.
Pflanzliche Öle wie Leinöl liefern dagegen hauptsächlich ALA.
IST LEINÖL EINE GUTE OMEGA-3-QUELLE FÜR HUNDE?
Leinöl ist eine sehr gute pflanzliche Quelle für Alpha-Linolensäure.
Es ist aber keine direkte EPA-/DHA-Quelle.
Deshalb sollte Leinöl nicht automatisch mit Fisch- oder entsprechendem Algenöl gleichgesetzt werden.
IST LACHSÖL GUT FÜR HUNDE?
Lachsöl kann EPA und DHA liefern und damit eine sinnvolle Omega-3-Quelle darstellen.
Entscheidend sind jedoch Qualität, Frische, EPA-/DHA-Gehalt und passende Dosierung.
Der Begriff „Lachsöl“ allein sagt noch nichts über die tatsächliche Konzentration aus.
IST ALGENÖL FÜR HUNDE GEEIGNET?
Bestimmte Mikroalgenöle können eine direkte Quelle langkettiger Omega-3-Fettsäuren darstellen.
Sie können insbesondere für Hundehalter interessant sein, die eine Alternative zu Fischöl suchen.
Dabei sollte geprüft werden, wie viel EPA und DHA das konkrete Produkt tatsächlich liefert.
WAS IST BESSER – FISCHÖL ODER ALGENÖL?
Pauschal lässt sich das nicht beantworten.
Entscheidend sind unter anderem:
• EPA-Gehalt
• DHA-Gehalt
• Qualität
• Oxidationsschutz
• Verträglichkeit
• Dosierbarkeit
• individuelle Anforderungen
Ein hochwertiges, transparent deklariertes Produkt ist wichtiger als die bloße Bezeichnung Fisch- oder Algenöl.
KANN ICH MEINEM HUND JEDEN TAG OMEGA-3 GEBEN?
Das hängt vom Produkt, der Menge und der Gesamtration ab.
Omega-3 kann Bestandteil der täglichen Ernährung sein.
Eine zusätzliche hoch dosierte Supplementierung sollte jedoch nicht ohne Berücksichtigung des Grundfutters erfolgen.
WIE VIEL OMEGA-3 BRAUCHT EIN 10-KG-HUND?
Das lässt sich nicht allein anhand des Körpergewichts beantworten.
Die geeignete Menge hängt davon ab, warum Omega-3 gegeben werden soll und wie viel bereits über das Futter aufgenommen wird.
Bei therapeutischen Anwendungen werden teilweise gewichtsbezogene EPA-/DHA-Mengen verwendet.
Diese sollten jedoch individuell festgelegt werden.
WIE VIEL OMEGA-3 BRAUCHT EIN 20-KG-HUND?
Auch hier gilt:
20 kg Körpergewicht allein reichen nicht aus, um eine optimale Dosis festzulegen.
Ein gesunder Hund und ein 20-kg-Hund mit diagnostizierter Osteoarthritis können völlig unterschiedliche Anforderungen haben.
WIE SCHNELL WIRKT OMEGA-3 BEIM HUND?
Omega-3 ist kein Akutmedikament.
EPA und DHA werden unter anderem in Zellmembranen eingebaut und beeinflussen Stoffwechselprozesse.
Erwartbare Effekte entstehen deshalb nicht zwangsläufig innerhalb weniger Stunden oder Tage.
Wie schnell Veränderungen bemerkbar werden, hängt außerdem vom Einsatzgebiet, der Dosis, dem Grundfutter und dem individuellen Hund ab.
KANN OMEGA-3 BEI ARTHROSE HELFEN?
EPA und DHA gehören zu den ernährungsphysiologischen Komponenten, die bei Hunden mit Osteoarthritis vergleichsweise gut untersucht wurden.
Sie können Bestandteil eines multimodalen Behandlungskonzeptes sein.
Omega-3 ersetzt aber keine tierärztliche Diagnostik oder erforderliche Schmerztherapie.
KANN OMEGA-3 BEI JUCKREIZ HELFEN?
Fettsäuren können bei bestimmten dermatologischen Fragestellungen unterstützend eingesetzt werden.
Juckreiz besitzt jedoch zahlreiche mögliche Ursachen.
Ein Hund mit starkem oder chronischem Juckreiz sollte deshalb tierärztlich untersucht werden.
MACHT OMEGA-3 DAS FELL GLÄNZENDER?
Eine ausreichende Versorgung mit essentiellen Fettsäuren ist für normale Haut und Fell wichtig.
Stumpfes Fell kann jedoch zahlreiche Ursachen haben.
Deshalb sollte nicht jedes Fellproblem automatisch als Omega-3-Mangel interpretiert werden.
KANN MAN OMEGA-3 ÜBERDOSIEREN?
Ja, eine übermäßige Zufuhr ist möglich.
Mehr ist nicht automatisch besser.
Sehr hohe Mengen können unerwünschte Auswirkungen haben und erhöhen zusätzlich die Kalorienzufuhr.
KANN OMEGA-3 DURCHFALL VERURSACHEN?
Größere Fettmengen oder eine schnelle Futterumstellung können bei empfindlichen Hunden zu Magen-Darm-Beschwerden führen.
Deshalb kann es sinnvoll sein, neue Ölprodukte entsprechend der Hersteller- beziehungsweise tierärztlichen Empfehlung einzuführen.
DARF EIN HUND VOR EINER OPERATION FISCHÖL BEKOMMEN?
Da hohe Omega-3-Mengen die Thrombozytenfunktion beeinflussen können, sollte eine bestehende Supplementierung vor geplanten Operationen mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden.
Das gilt insbesondere bei höheren Dosierungen oder wenn der Hund Medikamente erhält, die die Blutgerinnung beeinflussen.
KANN OMEGA-3 MIT MEDIKAMENTEN KOMBINIERT WERDEN?
In vielen Situationen ist das möglich.
Bei hohen Dosierungen, chronischen Erkrankungen oder Medikamenten, die beispielsweise die Blutgerinnung beeinflussen, sollte die Supplementierung jedoch mit dem Tierarzt abgestimmt werden.
WORAN ERKENNE ICH OMEGA-3-MANGEL?
Es gibt keine einfache Liste von Symptomen, anhand derer ein Hundehalter zuverlässig einen Omega-3-Mangel diagnostizieren kann.
Haut- und Fellveränderungen können beispielsweise mit der Fettsäureversorgung zusammenhängen, besitzen aber zahlreiche andere mögliche Ursachen.
Die gesamte Ration muss betrachtet werden.
IST EIN OMEGA-6:OMEGA-3-VERHÄLTNIS VON 5:1 PERFEKT?
Nicht automatisch.
Ein Verhältnis um 5:1 liegt zwar in Bereichen, die in verschiedenen Untersuchungen interessant waren.
Es gibt derzeit aber keine universelle wissenschaftlich bewiesene Zahl, die für jeden Hund optimal ist.
Außerdem müssen die absoluten Mengen sowie die enthaltenen Fettsäuren berücksichtigt werden.
BRAUCHT MEIN HUND OMEGA-3 ALS NAHRUNGSERGÄNZUNG?
Nicht jeder Hund braucht zusätzliches Öl.
Ein ausgewogenes Alleinfuttermittel kann bereits relevante Mengen der benötigten Fettsäuren liefern.
Eine zusätzliche Supplementierung sollte deshalb immer im Zusammenhang mit der gesamten Ernährung betrachtet werden.
DIE 7 WICHTIGSTEN PUNKTE FÜR HUNDEHALTER
1. Omega-6 ist nicht grundsätzlich schlecht.
2. Omega-3 ist nicht automatisch ein Wundermittel.
3. ALA, EPA und DHA sind unterschiedliche Fettsäuren.
4. Leinöl liefert hauptsächlich ALA und ist nicht mit EPA-/DHA-reichem Fisch- oder Algenöl gleichzusetzen.
5. Das Omega-6:Omega-3-Verhältnis allein reicht zur Beurteilung einer Ration nicht aus.
6. Bei Omega-3-Produkten sollte auf die tatsächliche EPA- und DHA-Menge geachtet werden.
7. Mehr Omega-3 ist nicht automatisch besser.
UNSER FAZIT
Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sind ein faszinierender und wichtiger Bestandteil der Hundeernährung.
Aber gerade dieses Thema zeigt sehr deutlich, wie problematisch einfache Werbeaussagen sein können.
„Omega-3 enthalten“ reicht als Information nicht aus.
Wir müssen fragen:
Welche Omega-3-Fettsäure?
Wie viel davon?
Wie viel EPA?
Wie viel DHA?
Wie viel Omega-6 enthält die gesamte Ration?
Was bekommt der Hund ansonsten zu fressen?
Und warum möchten wir überhaupt ergänzen?
Das viel diskutierte Omega-6:Omega-3-Verhältnis kann dabei eine Orientierung bieten.
Es ist aber nur ein Teil des Gesamtbildes.
Die absolute Menge und die konkrete Art der Fettsäuren sind mindestens ebenso wichtig.
Besonders relevant ist die Unterscheidung zwischen pflanzlicher Alpha-Linolensäure und den langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA.
Deshalb sollte die Frage nicht lauten:
„Welches Öl ist das beste für Hunde?“
Sondern:
„Welche Fettsäuren benötigt mein Hund über seine gesamte Ernährung – und welche davon bekommt er bereits?“
Genau darin liegt der Unterschied zwischen wahlloser Nahrungsergänzung und einer wirklich durchdachten Hundeernährung.
MEDIZINISCHER HINWEIS
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose, Behandlung oder individuell berechnete Ernährungsberatung.
Bei bestehenden Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Gerinnungsstörungen, vor geplanten Operationen, während Wachstum und Reproduktion sowie bei therapeutisch eingesetzten höheren EPA-/DHA-Mengen sollte die Supplementierung mit dem behandelnden Tierarzt oder einer qualifizierten tiermedizinischen Ernährungsberatung abgestimmt werden.
Stand der wissenschaftlichen Informationen: Oktober 2026.
QUELLEN UND WEITERFÜHRENDE FACHLITERATUR
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