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Krallenerkrankungen beim Hund: Wenn Krallen brechen oder ausfallen – SLO und andere Ursachen

Unsere Fellnase
vor 2 Stunden
5 Min. Lesezeit
Tierärztin untersucht die Pfote und Krallen eines Hundes
Lösen sich mehrere Krallen an verschiedenen Pfoten, steckt oft eine SLO dahinter

Dein Hund lahmt plötzlich, leckt ständig an den Pfoten, und beim Nachschauen entdeckst du eine Kralle, die locker sitzt, gespalten ist oder ganz fehlt? Wenn das nicht nur eine Kralle betrifft, sondern nach und nach mehrere an verschiedenen Pfoten, steckt oft eine Erkrankung namens SLO dahinter.

In diesem Ratgeber erfährst du, wie Krallen aufgebaut sind, welche Ursachen Krallenprobleme haben können, was die symmetrische lupoide Onychodystrophie ist, wie sie erkannt und behandelt wird und wie du deinem Hund im Alltag hilfst.

So ist eine Kralle aufgebaut

Die Kralle besteht aus einer harten Hornschicht, die über dem letzten Zehenknochen wächst. Darin liegt das gut durchblutete und mit Nerven versorgte Leben der Kralle. Wird die Verbindung zwischen Horn und Krallenbett gestört, löst sich die Kralle. Weil darunter empfindliches Gewebe liegt, ist das für den Hund sehr schmerzhaft.

Mögliche Ursachen für Krallenprobleme

Wenn nur eine Kralle betroffen ist

  • Verletzung: Hängenbleiben, Abreißen, Einklemmen, die häufigste Ursache

  • Bakterielle Infektion des Krallenbetts (Paronychie)

  • Tumor am Zeh: zum Beispiel ein Plattenepithelkarzinom oder Melanom, oft bei großen, dunklen Rassen wie Riesenschnauzer, Großpudel oder Labrador. Ein geschwollener Zeh mit verlorener Kralle sollte immer abgeklärt werden.

Wenn mehrere Krallen betroffen sind

  • Symmetrische lupoide Onychodystrophie (SLO), die häufigste Ursache, wenn sich Krallen an mehreren Pfoten lösen

  • Hautpilz oder Hefepilz am Krallenbett

  • Demodikose

  • Leishmaniose: typisch sind eher auffällig lange, verbogene Krallen

  • andere Autoimmunerkrankungen wie Pemphigus oder systemischer Lupus

  • Allergien: führen eher zu entzündeten, rotbraun verfärbten Krallenbetten durch Lecken

  • seltener Nährstoffmängel, zum Beispiel an Zink

Einen Überblick über Hauterkrankungen, die keine Allergie sind, findest du in unserem Beitrag Hauterkrankungen beim Hund.

Was ist SLO?

SLO steht für symmetrische lupoide Onychodystrophie, manchmal auch Onychitis genannt. Es handelt sich um eine immunvermittelte Erkrankung: Das Immunsystem greift die Verbindung zwischen Krallenhorn und Krallenbett an. Dadurch lösen sich die Krallen ab, werden brüchig, spalten sich oder wachsen verformt nach.

Wer ist betroffen?

  • meist junge bis mittelalte Hunde, häufig zwischen drei und acht Jahren

  • häufiger bei Deutschen Schäferhunden, Gordon Settern, Englischen Settern, Rottweilern, Bearded Collies und Windhunden, grundsätzlich aber bei jeder Rasse und auch Mischlingen möglich

  • bei manchen Rassen wird eine erbliche Veranlagung vermutet

Typische Symptome

  • eine oder zwei Krallen lösen sich zuerst, innerhalb von Wochen folgen weitere, oft an mehreren oder allen Pfoten

  • Krallen werden brüchig, spalten sich längs oder fallen ganz ab

  • das freiliegende Krallenbett ist empfindlich und kann bluten

  • Lahmheit, Unlust zu laufen, vor allem auf hartem Boden

  • intensives Lecken und Knabbern an den Pfoten

  • nachwachsende Krallen sind oft kurz, weich, verformt und rau

  • durch Folgeinfektionen Schwellung, Geruch oder Eiter am Krallenbett

Die Haut der übrigen Pfote und des Körpers ist bei SLO meist unauffällig. Das ist ein wichtiger Unterschied zu vielen anderen Hauterkrankungen.

Diagnose

  1. Vorgeschichte und Untersuchung: Typisch ist der Befall mehrerer Krallen an mehreren Pfoten bei sonst gesunder Haut.

  2. Andere Ursachen ausschließen: Zytologie und Bakterienkultur vom Krallenbett, Pilzkultur, Hautgeschabsel auf Demodex, bei Hunden aus dem Süden ein Leishmaniose-Test

  3. Röntgen: bei einzelnen geschwollenen Zehen, um Tumoren und Knochenbeteiligung zu erkennen

  4. Gewebeprobe: Die sichere Diagnose erfordert eine Untersuchung des Krallenbetts. Dafür muss meist eine Kralle mitsamt dem letzten Zehenglied entfernt werden, häufig die Afterkralle. Bei typischem Bild verzichten viele Tierärzte darauf und behandeln direkt.

Behandlung

Die Behandlung zielt darauf ab, die Entzündung zu stoppen, Schmerzen zu lindern und ein möglichst gesundes Nachwachsen der Krallen zu ermöglichen. Oft werden mehrere Bausteine kombiniert.

  • Omega-3-Fettsäuren in höherer Dosierung, oft die Basis der Behandlung. Mehr dazu bei Omega-3 und Omega-6.

  • Doxycyclin in Kombination mit Niacinamid (Vitamin B3): wirkt hier vor allem entzündungshemmend und immunmodulierend

  • Pentoxifyllin: verbessert die Durchblutung und wirkt entzündungshemmend

  • Vitamin E als Ergänzung

  • Kortison, Ciclosporin oder andere Medikamente, die das Immunsystem dämpfen, bei schweren Verläufen

  • Schmerztherapie in der akuten Phase

  • Behandlung von Folgeinfektionen mit Bakterien oder Hefepilz

Die Behandlung braucht viel Geduld: Eine Besserung zeigt sich oft erst nach zwei bis drei Monaten, und bis die Krallen nachgewachsen sind, vergehen meist mehrere Monate. Viele Hunde brauchen langfristig eine niedrig dosierte Erhaltungstherapie, weil die Erkrankung nach dem Absetzen zurückkommen kann. In sehr seltenen, therapieresistenten Fällen werden die betroffenen Zehenendglieder chirurgisch entfernt.

So hilfst du deinem Hund im Alltag

  • Krallen kurz und glatt halten: Rissige, verformte Krallen regelmäßig vorsichtig mit einem Krallenschleifer glätten, damit sie nicht hängenbleiben und weiter einreißen. Mehr dazu in unserem Beitrag zum Krallen kürzen.

  • Pfoten schützen: Pfotenschuhe für Spaziergänge auf hartem oder steinigem Untergrund, bei offenem Krallenbett eventuell ein Pfotenverband

  • Weiche Wege wählen: Wiese und Waldboden statt Asphalt und Schotter

  • Sauber und trocken halten: Pfoten nach dem Spaziergang reinigen und gut abtrocknen

  • Lecken verhindern: bei Bedarf Halskragen oder Pfotensocken

  • Rutschfeste Böden zu Hause, da Hunde mit kurzen, verformten Krallen weniger Halt haben

Wann solltest du zum Tierarzt?

  • wenn sich eine Kralle löst oder abbricht und blutet

  • wenn mehrere Krallen nacheinander betroffen sind

  • bei einem geschwollenen Zeh, besonders wenn die Kralle fehlt

  • bei Eiter, Geruch oder starker Rötung am Krallenbett

  • wenn dein Hund lahmt oder nicht mehr laufen möchte

Unser Fazit

Wenn sich bei deinem Hund mehrere Krallen an verschiedenen Pfoten lösen, ist SLO die wahrscheinlichste Ursache. Die Erkrankung ist schmerzhaft, lässt sich aber mit einer Kombination aus Omega-3-Fettsäuren, entzündungshemmenden Medikamenten und guter Pfotenpflege meist gut in den Griff bekommen.

Wichtig sind eine frühe Abklärung, damit Tumoren und Infektionen ausgeschlossen werden, und viel Geduld, denn Krallen wachsen nur langsam nach.

Häufige Fragen zu Krallenerkrankungen und SLO

Wachsen die Krallen wieder nach?

In den meisten Fällen ja. Sie sind aber oft kürzer, weicher und verformt. Mit der Behandlung kann sich die Qualität über die Zeit verbessern.

Ist SLO heilbar?

Bei manchen Hunden kann die Behandlung nach einiger Zeit ausgeschlichen werden. Viele brauchen aber eine dauerhafte, niedrig dosierte Therapie, um Rückfälle zu verhindern.

Ist SLO ansteckend?

Nein. SLO ist eine Erkrankung des Immunsystems und für andere Tiere oder Menschen nicht ansteckend.

Hat SLO etwas mit Allergien zu tun?

Nein, SLO ist keine Allergie. Allergien können zwar zu entzündeten Krallenbetten durch Lecken führen, lösen aber normalerweise nicht die typische Ablösung der Krallen aus.

Warum muss für die Diagnose eine Kralle entfernt werden?

Die Veränderungen liegen im Krallenbett, das nur zusammen mit dem letzten Zehenknochen untersucht werden kann. Deshalb wird meist die Afterkralle entfernt. Bei einem typischen Bild kann darauf oft verzichtet werden.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bitte lass Krallenprobleme immer tierärztlich abklären, insbesondere bei einem geschwollenen Zeh.

Quellen

  • Mueller R. S. et al. (2003): A retrospective study regarding the treatment of lupoid onychodystrophy in 30 dogs and literature review, Journal of the American Animal Hospital Association 39(2):139–150

  • Ziener M. L., Bettenay S. V., Mueller R. S. (2008): Symmetrical onychomadesis in Norwegian Gordon and English setters, Veterinary Dermatology 19(2):88–94

  • Bergvall K. (1998): Treatment of symmetrical onychomadesis and onychodystrophy in five dogs with omega-3 and omega-6 fatty acids, Veterinary Dermatology 9(4):263–268

  • Miller W. H., Griffin C. E., Campbell K. L. (2013): Muller and Kirk's Small Animal Dermatology, 7. Auflage, Elsevier

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