Hauterkrankungen beim Hund: Nicht jedes Hautproblem ist eine Allergie

Juckreiz, Haarausfall, Krusten oder Schuppen: Bei Hautproblemen denken viele Hundehalter sofort an eine Allergie. Allergien sind tatsächlich häufig, aber nicht jedes Hautproblem ist eine Allergie. Hinter ähnlichen Symptomen können Bakterien, Milben, Hautpilze, Hormonstörungen, Autoimmunerkrankungen oder sogar Tumoren stecken.
Wer dann monatelang Futter wechselt oder nur den Juckreiz behandelt, verliert wertvolle Zeit. In diesem großen Überblick stellen wir die wichtigsten Hauterkrankungen beim Hund vor, die keine Allergie sind, und zeigen, woran du sie erkennst und wie sie diagnostiziert werden.
Warnzeichen: Wann es wahrscheinlich keine Allergie ist
Haarausfall ohne Juckreiz, besonders wenn er beidseitig symmetrisch am Rumpf auftritt
erstmaliges Auftreten bei älteren Hunden, etwa ab sechs bis sieben Jahren. Allergien beginnen meist zwischen sechs Monaten und drei Jahren.
Allgemeinsymptome wie vermehrtes Trinken, Gewichtsveränderung, Müdigkeit oder Fieber
Krusten an Nasenrücken, Ohren oder Pfotenballen oder Veränderungen am Nasenspiegel
Krallen, die sich lösen, brechen oder ausfallen
Knoten, Geschwüre oder nicht heilende Stellen
Menschen oder andere Tiere im Haushalt haben ebenfalls Hautprobleme
keine Besserung trotz Allergietherapie
Bakterielle Hautinfektionen (Pyodermie)
Bakterielle Hautinfektionen gehören zu den häufigsten Hauterkrankungen beim Hund. Der wichtigste Erreger ist Staphylococcus pseudintermedius, ein Bakterium, das normalerweise auf der Haut lebt. Seltener sind Streptokokken wie Streptococcus canis beteiligt, zum Beispiel bei Wundinfektionen.
Oberflächliche Pyodermie und Haarfollikelentzündung (Follikulitis)
kleine Pickel und Pusteln, oft mit einem Haar in der Mitte
runde, schuppige Ringe (epidermale Kragen)
bei kurzhaarigen Hunden ein „mottenfraßartiges“ Fell mit kleinen kahlen Stellen
meist mit Juckreiz
Tiefe Pyodermie (Furunkulose)
Entzündung reicht tief in die Haut, oft schmerzhaft
Beulen, Fisteln, blutig-eitriges Sekret
typisch an Pfoten zwischen den Zehen, am Kinn oder bei Schäferhunden am Rücken und an den Oberschenkeln
Wichtig: Eine Pyodermie ist fast immer eine Folgeerkrankung. Dahinter stecken oft Allergien, Hormonstörungen oder Parasiten. Bei wiederkehrenden Infektionen sollte eine Bakterienkultur mit Antibiogramm gemacht werden, denn resistente Keime (MRSP) nehmen zu. Viele oberflächliche Infektionen lassen sich gut mit medizinischen Shampoos behandeln, tiefe Infektionen brauchen oft wochenlang Antibiotika.
Parasiten
Demodikose (Haarbalgmilben)
Demodex-Milben leben in kleiner Zahl in den Haarfollikeln jedes Hundes. Vermehren sie sich stark, entsteht eine Demodikose.
Lokalisiert bei Junghunden: einzelne kahle, schuppige Stellen, oft im Gesicht oder an den Vorderbeinen. Heilt häufig von selbst.
Generalisiert: großflächiger Haarausfall, Rötung, oft mit Pyodermie, auch an den Pfoten. Muss behandelt werden. Moderne Mittel gegen Parasiten wirken hier sehr gut.
Bei erwachsenen Hunden: Tritt eine Demodikose erstmals im Erwachsenenalter auf, steckt oft eine Grunderkrankung dahinter, zum Beispiel eine Hormonstörung, ein Tumor oder eine Behandlung, die das Immunsystem dämpft.
Demodikose ist nicht ansteckend. Die Diagnose erfolgt über ein tiefes Hautgeschabsel oder eine Haaruntersuchung (Trichogramm).
Räude (Sarcoptes-Milben)
extrem starker Juckreiz
typisch an Ohrrändern, Ellbogen, Sprunggelenken und Bauch
Krusten und Haarausfall
sehr ansteckend für andere Hunde, auf Menschen vorübergehend übertragbar (juckende Pusteln)
oft durch Kontakt mit Füchsen
Räude wird leicht mit einer Allergie verwechselt. Milben werden im Hautgeschabsel häufig nicht gefunden. Oft gibt eine Probebehandlung Klarheit.
Cheyletiellose („wandernde Schuppen“)
Cheyletiella-Milben verursachen starke Schuppenbildung, vor allem am Rücken. Sie sind ansteckend und können auch Menschen jucken.
Mehr zu weiteren Parasiten liest du in unseren Beiträgen zu Grasmilben und zur Flohspeichelallergie.
Pilzinfektionen
Hautpilz (Dermatophytose)
Echte Hautpilze befallen Haare, Haut und Krallen. Die wichtigsten Erreger beim Hund sind:
Microsporum canis: der häufigste, oft von Katzen übertragen
Trichophyton: häufig durch Kontakt mit Nagetieren, zum Beispiel bei Jagdhunden
Microsporum gypseum (Nannizzia gypsea): aus dem Erdboden, bei Hunden, die gern buddeln
Typisch sind runde, haarlose, schuppige Stellen, oft mit wenig Juckreiz, manchmal auch brüchige Krallen. Hautpilz ist auf Menschen übertragbar, besonders auf Kinder.
Die Diagnose erfolgt mit einer UV-Lampe (Wood-Lampe), die aber nur einen Teil der Fälle zeigt, einer Haaruntersuchung, einer Pilzkultur oder einem PCR-Test. Behandelt wird mit Tabletten gegen Pilze und medizinischen Shampoos oder Spülungen, dazu gehört eine gründliche Reinigung der Umgebung.
Hefepilz (Malassezien)
Malassezien sind keine Hautpilze im engeren Sinn, sondern Hefen, die auf jeder Hundehaut leben. Sie vermehren sich meist als Folge anderer Erkrankungen, besonders von Allergien. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Hefepilz beim Hund.
Hormonell bedingte Hauterkrankungen
Hormonstörungen führen typischerweise zu beidseitig symmetrischem Haarausfall ohne Juckreiz, solange keine Infektion dazukommt.
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Haarausfall am Rumpf und an der Rute („Rattenschwanz“)
stumpfes, trockenes Fell, Fell wächst nach dem Scheren schlecht nach
wiederkehrende Hautinfektionen
Gewichtszunahme, Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit
Cushing-Syndrom (Überfunktion der Nebenniere)
dünne, durchscheinende Haut
symmetrischer Haarausfall
Hängebauch
vermehrtes Trinken und Urinieren, Heißhunger, Hecheln
manchmal harte, weiße Kalkablagerungen in der Haut (Calcinosis cutis)
Alopezie X
Ein Haarausfall unklarer Ursache, vor allem bei nordischen Rassen und Zwergspitzen. Er ist meist rein kosmetisch und betrifft den Rumpf, Kopf und Beine bleiben behaart.
Die Diagnose erfolgt über Bluttests, zum Beispiel Schilddrüsenwerte oder spezielle Tests der Nebenniere.
Autoimmunerkrankungen
Bei Autoimmunerkrankungen richtet sich das Immunsystem gegen Bestandteile der eigenen Haut oder Krallen. Sie sind seltener, werden aber oft spät erkannt.
Krallenablösung und Krallenausfall (SLO)
Bei der symmetrischen lupoiden Onychodystrophie (SLO) lösen sich die Krallen, oft an mehreren Pfoten gleichzeitig. Sie werden brüchig, spalten sich oder fallen ganz aus. Das ist sehr schmerzhaft, viele Hunde lahmen und lecken an den Pfoten.
betrifft meist junge bis mittelalte Hunde
häufiger zum Beispiel bei Deutschen Schäferhunden, Gordon Settern und Rottweilern
nachwachsende Krallen sind oft verformt und brüchig
Die Diagnose wird anhand des typischen Bildes und manchmal einer Gewebeprobe der Kralle gestellt. Behandelt wird unter anderem mit Omega-3-Fettsäuren, bestimmten entzündungshemmenden Medikamenten und, wenn nötig, mit Medikamenten, die das Immunsystem dämpfen. Die Behandlung braucht Geduld, denn Krallen wachsen nur langsam nach. Andere Ursachen für Krallenprobleme sind Verletzungen, Infektionen, Hautpilz oder Tumoren am Zehen.
Pemphigus foliaceus
Die häufigste Autoimmunerkrankung der Haut beim Hund. Typisch sind Pusteln und Krusten am Nasenrücken, um die Augen, an den Ohren und an den Pfotenballen, die oft symmetrisch auftreten. Die Diagnose erfolgt über Zytologie und Gewebeprobe.
Lupus an Haut und Nase
Beim kutanen (diskoiden) Lupus verliert der Nasenspiegel seine Farbe und seine typische Pflastersteinstruktur, später entstehen Krusten und Geschwüre. Sonne verschlimmert die Beschwerden.
Weitere Hauterkrankungen
Talgdrüsenentzündung (Sebadenitis): starke Schuppen, Haare kleben in Büscheln zusammen, Haarausfall. Häufiger bei Akita, Großpudel, Samojede und Havaneser. Diagnose per Gewebeprobe.
Zinkabhängige Dermatose: Krusten um Augen, Maul und Ohren, besonders bei nordischen Rassen. Mehr dazu im Beitrag zu Zink beim Hund.
Leckgranulom: eine hartnäckige, verdickte Stelle meist am Vorderbein, entsteht durch ständiges Lecken. Ursachen können Allergien, Schmerzen, tiefe Infektionen oder Langeweile und Stress sein.
Leishmaniose: Haarausfall um die Augen („Brille“), Schuppen, lange Krallen, Geschwüre. Wichtig bei Hunden aus dem Süden, siehe Leishmaniose.
Hauttumoren: Ein Mastzelltumor kann wie ein harmloser Knubbel aussehen, und das epitheliotrope Lymphom, ein Lymphdrüsenkrebs der Haut, ähnelt anfangs oft einer Allergie, besonders bei älteren Hunden. Mehr dazu im Beitrag zu Tumoren beim Hund.
Diagnostik: So findet der Tierarzt die Ursache
Hautgeschabsel: oberflächlich und tief, zum Nachweis von Milben
Trichogramm: Untersuchung ausgezupfter Haare unter dem Mikroskop, zum Beispiel auf Demodex oder Pilzsporen
Zytologie: Klebebandabklatsch oder Abstrich auf Bakterien und Hefen
Bakterienkultur mit Antibiogramm: bei wiederkehrenden oder tiefen Infektionen
Pilzkultur oder PCR: bei Verdacht auf Hautpilz
Blutuntersuchung: Schilddrüse, Nebenniere, Leishmaniose
Gewebeprobe (Biopsie): bei Autoimmunerkrankungen, Tumoren oder unklaren Fällen
Bei hartnäckigen oder unklaren Hautproblemen lohnt sich der Weg zu einer Tierärztin oder einem Tierarzt mit Schwerpunkt Dermatologie. Sie haben die Erfahrung, die richtigen Tests in der richtigen Reihenfolge zu machen.
Unser Fazit
Allergien sind häufig, aber längst nicht die einzige Ursache für Hautprobleme. Bakterien, Milben, Hautpilze, Hormonstörungen, Autoimmunerkrankungen oder Tumoren können ganz ähnlich aussehen und brauchen eine völlig andere Behandlung.
Deshalb gilt: erst die Ursache gründlich abklären, dann behandeln. Besonders bei Haarausfall ohne Juckreiz, einem späten Beginn, Veränderungen an Nase oder Krallen oder Allgemeinsymptomen solltest du an andere Ursachen denken.
Häufige Fragen zu Hauterkrankungen beim Hund
Ist Haarausfall beim Hund immer eine Allergie?
Nein. Besonders symmetrischer Haarausfall ohne Juckreiz spricht eher für eine Hormonstörung. Auch Milben, Hautpilz oder bakterielle Infektionen sind häufige Ursachen.
Welche Hauterkrankungen sind auf Menschen übertragbar?
Vor allem Hautpilz, Räude durch Sarcoptes-Milben und Cheyletiella-Milben. Demodikose und Malassezien sind dagegen nicht ansteckend.
Warum fallen meinem Hund die Krallen aus?
Wenn sich mehrere Krallen an verschiedenen Pfoten lösen, kann eine symmetrische lupoide Onychodystrophie (SLO) dahinterstecken. Einzelne Krallen können durch Verletzungen, Infektionen oder Tumoren betroffen sein. Lass das bitte tierärztlich abklären.
Wann sollte ich zum Tierdermatologen?
Wenn Hautprobleme trotz Behandlung immer wiederkommen, die Ursache unklar bleibt oder ungewöhnliche Veränderungen wie Krusten an Nase und Ballen oder Krallenprobleme auftreten.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Hautveränderungen sollten immer tierärztlich abgeklärt werden.
Quellen
Miller W. H., Griffin C. E., Campbell K. L. (2013): Muller and Kirk's Small Animal Dermatology, 7. Auflage, Elsevier
Hillier A. et al. (2014): Guidelines for the diagnosis and antimicrobial therapy of canine superficial bacterial folliculitis (ISCAID), Veterinary Dermatology 25(3):163–e43
Mueller R. S. et al. (2020): Diagnosis and treatment of demodicosis in dogs and cats: Clinical consensus guidelines of the World Association for Veterinary Dermatology, Veterinary Dermatology 31(1):5–27
Moriello K. A. et al. (2017): Diagnosis and treatment of dermatophytosis in dogs and cats: Clinical Consensus Guidelines of the World Association for Veterinary Dermatology, Veterinary Dermatology 28(3):266–e68
Mueller R. S. et al. (2003): A retrospective study regarding the treatment of lupoid onychodystrophy in 30 dogs and literature review, Journal of the American Animal Hospital Association 39(2):139–150
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