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Pyodermie und Follikulitis beim Hund: Bakterielle Hautinfektionen erkennen und behandeln

Unsere Fellnase
vor 2 Stunden
5 Min. Lesezeit
Tierärztin untersucht den Bauch eines Hundes mit kleinen roten Pickeln, Pyodermie
Pickel, Pusteln und schuppige Ringe: Bakterielle Hautinfektionen haben fast immer eine Ursache

Kleine Pickel am Bauch, runde schuppige Ringe auf der Haut, ein „mottenzerfressenes“ Fell oder schmerzhafte Beulen zwischen den Zehen: Hinter solchen Veränderungen steckt beim Hund häufig eine bakterielle Hautinfektion, eine sogenannte Pyodermie. Sie gehört zu den häufigsten Gründen für einen Tierarztbesuch wegen Hautproblemen.

In diesem Ratgeber erfährst du, welche Formen es gibt, warum eine Pyodermie fast immer eine Ursache hat, wie sie diagnostiziert und behandelt wird, warum Antibiotika nicht immer die erste Wahl sind und wie du Rückfällen vorbeugst.

Was ist eine Pyodermie?

Pyodermie bedeutet wörtlich „Eiter in der Haut“. Gemeint ist eine Infektion der Haut mit Bakterien. Der mit Abstand häufigste Erreger ist Staphylococcus pseudintermedius, ein Bakterium, das normalerweise auf der Haut und den Schleimhäuten jedes Hundes lebt. Seltener sind andere Bakterien beteiligt, etwa Streptokokken wie Streptococcus canis oder bei tiefen Infektionen auch Pseudomonas.

Fast immer eine Folgeerkrankung

Eine gesunde Haut hält diese Bakterien in Schach. Zur Infektion kommt es meist erst, wenn die Hautbarriere geschwächt ist. Die häufigsten Ursachen sind:

  • Allergien, vor allem die atopische Dermatitis, die Futtermittelallergie und die Flohspeichelallergie

  • Parasiten, zum Beispiel Demodex-Milben

  • Hormonstörungen wie Schilddrüsenunterfunktion oder Cushing

  • Hautfalten, in denen sich Wärme und Feuchtigkeit stauen

  • Verletzungen, Druckstellen, zu häufiges oder falsches Baden

  • seltener Autoimmunerkrankungen oder ein geschwächtes Immunsystem

Deshalb gilt: Wer nur die Infektion behandelt, ohne die Ursache zu finden, bekommt oft immer wieder Rückfälle.

Die verschiedenen Formen

Oberflächenpyodermie

Die Infektion betrifft nur die oberste Hautschicht.

  • Hot Spots: akute, nässende, scharf begrenzte Stellen

  • Hautfaltenpyodermie (Intertrigo): Rötung, Geruch und Feuchtigkeit in Gesichts-, Lippen-, Schwanz- oder Vulvafalten, typisch bei Mops, Bulldoggen und Shar-Pei

Oberflächliche Pyodermie und Follikulitis

Hier sind die Haarfollikel betroffen. Das ist die häufigste Form.

  • kleine rote Knötchen und Pusteln, oft mit einem Haar in der Mitte

  • runde, schuppige Ringe (epidermale Kragen), die von der Mitte nach außen wachsen

  • bei kurzhaarigen Hunden kleine kahle Stellen, das Fell wirkt „mottenzerfressen“

  • meist Juckreiz

  • häufig an Bauch, Achseln, Leiste und Rumpf

Eine Sonderform ist die Welpenpyodermie (Impetigo): einzelne Pusteln am unbehaarten Bauch junger Hunde, meist harmlos und gut behandelbar.

Tiefe Pyodermie (Furunkulose)

Die Infektion reicht tief in die Haut, die Haarfollikel platzen und Bakterien gelangen ins Gewebe.

  • schmerzhafte Beulen, Fisteln, blutig-eitriges Sekret, Krusten

  • oft Schwellung, manchmal Fieber und Abgeschlagenheit

  • Pfoten: Beulen zwischen den Zehen, oft als „Zwischenzehenzysten“ bezeichnet

  • Kinnakne: Pickel und Beulen am Kinn kurzhaariger Rassen

  • Druckstellen: an Ellbogen und Sprunggelenken großer Hunde

  • Schäferhund-Pyodermie: tiefe Infektion an Rücken und Oberschenkeln bei Deutschen Schäferhunden

  • Furunkulose nach dem Baden oder Bürsten: entsteht oft wenige Tage danach am Rücken, häufig mit Pseudomonas

Tiefe Pyodermien sind schmerzhaft und gehören immer in tierärztliche Behandlung.

Diagnose

  • Zytologie: Ein Abklatsch oder Abstrich zeigt unter dem Mikroskop Bakterien und Entzündungszellen. Schnell, günstig und sehr aussagekräftig.

  • Bakterienkultur mit Antibiogramm: Sie zeigt, welche Bakterien beteiligt sind und welches Antibiotikum wirkt. Sie ist besonders wichtig bei tiefen Infektionen, Rückfällen, wenn ein Antibiotikum nicht geholfen hat, oder wenn stäbchenförmige Bakterien zu sehen sind.

  • Suche nach der Ursache: Hautgeschabsel, Flohkontrolle, Allergiediagnostik, Hormontests

  • Gewebeprobe: bei unklaren oder tiefen Veränderungen

Behandlung

Äußerlich: oft die erste Wahl

Bei oberflächlichen und örtlich begrenzten Infektionen empfehlen internationale Leitlinien heute zuerst eine äußerliche Behandlung:

  • medizinische Shampoos mit Chlorhexidin oder Benzoylperoxid, anfangs zwei- bis dreimal pro Woche, mit etwa zehn Minuten Einwirkzeit

  • Sprays, Tücher, Schaum oder Spülungen für einzelne Stellen, Pfoten und Hautfalten, zum Beispiel auf Basis von Chlorhexidin oder hypochloriger Säure wie skinHELP

So lassen sich viele Infektionen ohne Tabletten heilen, und das Risiko für resistente Keime sinkt.

Antibiotika: gezielt und lange genug

  • bei großflächigen oder tiefen Infektionen und wenn die äußerliche Behandlung nicht ausreicht

  • möglichst nach Bakterienkultur gezielt ausgewählt

  • oberflächliche Pyodermie: meist etwa drei Wochen, und noch etwa eine Woche über die sichtbare Heilung hinaus

  • tiefe Pyodermie: oft vier bis sechs Wochen oder länger, und noch etwa zwei Wochen über die Heilung hinaus

  • nie zu früh absetzen, auch wenn die Haut schon besser aussieht, sonst drohen Rückfälle und Resistenzen

Resistente Keime (MRSP)

Immer häufiger werden Methicillin-resistente Staphylokokken (MRSP) nachgewiesen, gegen die viele Antibiotika nicht mehr wirken. Deshalb sind eine Bakterienkultur, die äußerliche Behandlung und ein verantwortungsvoller Einsatz von Antibiotika so wichtig. MRSP sind für Menschen nur selten ein Problem, gute Handhygiene ist trotzdem sinnvoll.

Was du vermeiden solltest

  • Kortison ohne tierärztliche Anweisung: Es kann die Infektion verschlimmern

  • Antibiotikareste aus früheren Behandlungen

  • Hausmittel auf offener, entzündeter Haut

Rückfällen vorbeugen

  • Ursache behandeln: Allergien einstellen, Flohschutz, Hormonstörungen behandeln

  • Erhaltungstherapie: regelmäßige antiseptische Bäder oder Sprays, zum Beispiel einmal pro Woche, nach Absprache

  • Hautfalten pflegen: täglich reinigen und trocken halten

  • Fell nach dem Baden gut trocknen, Bürsten nicht zu grob

  • weiche Liegeplätze für große Hunde gegen Druckstellen

  • Hautbarriere unterstützen: mit Omega-3-Fettsäuren und rückfettender Pflege

Wann solltest du zum Tierarzt?

  • bei Pusteln, Krusten oder schuppigen Ringen, die sich ausbreiten

  • bei schmerzhaften Beulen, Fisteln oder blutig-eitrigem Sekret

  • bei Fieber, Abgeschlagenheit oder Appetitlosigkeit

  • bei Infektionen, die immer wiederkommen

Unser Fazit

Bakterielle Hautinfektionen sind beim Hund sehr häufig und meist gut behandelbar. Entscheidend ist, sie richtig einzuordnen: oberflächlich oder tief, und vor allem nach der Ursache zu suchen, denn eine Pyodermie entsteht fast nie ohne Grund.

Äußerliche Behandlung zuerst, Antibiotika gezielt und lange genug, und die Grunderkrankung im Blick: So lassen sich auch Rückfälle und resistente Keime vermeiden.

Häufige Fragen zu Pyodermie und Follikulitis beim Hund

Ist eine Pyodermie ansteckend?

Für gesunde Hunde und Menschen in der Regel nicht, da die Bakterien ohnehin auf der Haut leben. Bei resistenten Keimen ist gute Hygiene trotzdem wichtig.

Warum kommt die Infektion immer wieder?

Meist ist die Ursache nicht behandelt, häufig eine Allergie. Auch zu kurz gegebene Antibiotika oder resistente Keime können der Grund sein.

Reicht ein Shampoo aus?

Bei oberflächlichen, örtlich begrenzten Infektionen oft ja. Tiefe oder großflächige Infektionen brauchen meist zusätzlich Antibiotika.

Wie lange dauert die Heilung?

Oberflächliche Infektionen heilen meist in drei bis vier Wochen. Tiefe Pyodermien brauchen oft sechs Wochen oder länger.

Was ist der Unterschied zwischen Follikulitis und Pyodermie?

Follikulitis ist eine Entzündung der Haarfollikel. Ist sie bakteriell bedingt, spricht man von oberflächlicher Pyodermie. Pyodermie ist also der Oberbegriff.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bitte gib Antibiotika nur nach tierärztlicher Verordnung und immer so lange wie verordnet.

Quellen

  • Hillier A. et al. (2014): Guidelines for the diagnosis and antimicrobial therapy of canine superficial bacterial folliculitis (Antimicrobial Guidelines Working Group of the International Society for Companion Animal Infectious Diseases), Veterinary Dermatology 25(3):163–e43

  • Loeffler A., Lloyd D. H. (2018): What has changed in canine pyoderma? A narrative review, The Veterinary Journal 235:73–82

  • Mueller R. S. et al. (2012): A review of topical therapy for skin infections with bacteria and yeast, Veterinary Dermatology 23(4):330–e62

  • Miller W. H., Griffin C. E., Campbell K. L. (2013): Muller and Kirk's Small Animal Dermatology, 7. Auflage, Elsevier

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