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Hautpilz beim Hund: Symptome, Ansteckung, Diagnose und Behandlung

Unsere Fellnase
vor 2 Stunden
5 Min. Lesezeit
Hund mit kahler, schuppiger Stelle im Fell: Verdacht auf Hautpilz
Runde, kahle und schuppige Stellen können auf Hautpilz hinweisen.

Runde, kahle, schuppige Stellen im Fell, die langsam größer werden, und plötzlich hat auch dein Kind einen roten, juckenden Ring am Arm? Dann solltest du an Hautpilz denken. Hautpilz, in der Fachsprache Dermatophytose, gehört zu den wenigen Hauterkrankungen des Hundes, die auch auf Menschen übertragbar sind.

In diesem Ratgeber erfährst du, welche Pilze dahinterstecken, woran du Hautpilz erkennst, wie er sicher nachgewiesen wird, wie die Behandlung abläuft und wie du dein Zuhause und deine Familie schützt.

Was ist Hautpilz?

Hautpilze (Dermatophyten) sind Pilze, die sich von Keratin ernähren, dem Baustoff von Haaren, Hautschuppen und Krallen. Sie befallen deshalb vor allem die Haare und Haarfollikel. Die wichtigsten Erreger beim Hund sind:

  • Microsporum canis: der häufigste Erreger. Katzen sind das wichtigste Reservoir und tragen den Pilz oft, ohne selbst Symptome zu zeigen.

  • Trichophyton mentagrophytes: wird oft von Nagetieren oder Igeln übertragen und betrifft häufig Jagdhunde und Terrier.

  • Nannizzia gypsea (früher Microsporum gypseum): lebt im Erdboden und trifft vor allem Hunde, die gern buddeln.

Abgrenzung zum Hefepilz

Hautpilz ist nicht dasselbe wie Hefepilz. Hefepilze (Malassezien) leben auf jeder gesunden Hundehaut, vermehren sich meist als Folge einer Allergie und sind nicht ansteckend. Mehr dazu in unserem Beitrag Hefepilz beim Hund.

Wie steckt sich ein Hund an?

  • durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, vor allem Katzen

  • über Sporen in der Umgebung: auf Decken, Bürsten, Körbchen, Möbeln oder in Hundepensionen. Die Sporen können über ein Jahr lang ansteckend bleiben.

  • über Erde oder Nagetierbaue beim Buddeln

Ob es zu einer Infektion kommt, hängt auch vom Hund ab. Besonders anfällig sind Welpen, ältere Hunde, Hunde mit geschwächtem Immunsystem und Hunde mit kleinen Hautverletzungen.

Typische Symptome

  • runde, kahle Stellen, die sich langsam ausbreiten, oft an Kopf, Ohren, Pfoten und Vorderbeinen

  • Schuppen und abgebrochene, stumpfe Haare am Rand

  • Rötung und Krusten, manchmal ringförmig

  • Juckreiz: oft nur gering, kann aber auch deutlich sein

  • manchmal eine erhabene, entzündete Beule (Kerion), vor allem an Kopf oder Beinen

  • selten brüchige, verformte Krallen

Hautpilz kann vielen anderen Hauterkrankungen sehr ähnlich sehen, zum Beispiel einer Demodikose oder einer bakteriellen Follikulitis. Einen Überblick findest du in unserem Beitrag Hauterkrankungen beim Hund.

Diagnose

  • Wood-Lampe: Eine UV-Lampe bringt mit Microsporum canis befallene Haare oft apfelgrün zum Leuchten. Allerdings leuchtet nur ein Teil der Fälle, und andere Hautpilze gar nicht. Ein negatives Ergebnis schließt Hautpilz also nicht aus.

  • Trichogramm: Haare vom Rand der veränderten Stellen werden unter dem Mikroskop auf Pilzsporen untersucht.

  • Pilzkultur: Haare und Schuppen werden auf einem speziellen Nährboden angezüchtet. Das ist der wichtigste Nachweis, dauert aber bis zu drei Wochen.

  • PCR: weist das Erbgut der Pilze schnell nach, kann aber auch abgestorbene Pilze erfassen. Für die Kontrolle des Behandlungserfolgs ist die Kultur deshalb oft besser geeignet.

  • Gewebeprobe: bei Beulen oder ungewöhnlichen Veränderungen

Behandlung

Bei gesunden Hunden kann Hautpilz nach Wochen bis Monaten von selbst abheilen. Wegen der Ansteckungsgefahr für Menschen und andere Tiere wird er aber immer behandelt.

Innerlich

Tabletten gegen Pilze, zum Beispiel mit Itraconazol oder Terbinafin, wirken von innen in Haut und Haaren. Sie werden über mehrere Wochen gegeben, oft in Intervallen, und gehören in tierärztliche Hand.

Äußerlich

Die äußerliche Behandlung ist genauso wichtig, weil sie die Sporen im Fell reduziert und so die Ansteckung von Menschen und der Umgebung verringert:

  • Spülungen mit Enilconazol, das für Hunde zugelassen ist

  • medizinische Shampoos mit Miconazol und Chlorhexidin

  • meist zweimal pro Woche

Bei langhaarigen Hunden kann vorsichtiges Kürzen des Fells sinnvoll sein. Das sollte aber schonend und in Absprache mit dem Tierarzt passieren, denn grobes Scheren kann die Sporen verteilen und die Haut verletzen.

Wie lange wird behandelt?

Bis zur „mykologischen Heilung“, also bis die Pilzkultur negativ ist, oft bei zwei Kontrollen im Abstand von etwa einer bis drei Wochen. Das dauert meist sechs bis zwölf Wochen, manchmal länger. Sieht das Fell schon gesund aus, kann der Hund trotzdem noch ansteckend sein.

Die Umgebung behandeln

  • gründlich staubsaugen, am besten täglich, und den Beutel danach entsorgen

  • Decken, Kissen und Hundebetten heiß waschen, am besten zweimal hintereinander

  • glatte Flächen reinigen und mit einem geeigneten Desinfektionsmittel behandeln, zum Beispiel verdünnter Bleichlösung oder einem Mittel mit Enilconazol

  • Bürsten, Leinen, Halsbänder reinigen oder ersetzen

  • den Hund während der Behandlung möglichst in gut zu reinigenden Räumen halten

Schutz für Menschen und andere Tiere

  • Andere Tiere im Haushalt untersuchen lassen, vor allem Katzen, die den Pilz oft unbemerkt tragen

  • nach dem Streicheln Hände waschen, bei der Behandlung Handschuhe tragen

  • Hund während der Behandlung nicht im Bett schlafen lassen

  • besonders auf Kinder, ältere Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem achten

  • bei roten, schuppigen, juckenden Ringen auf der eigenen Haut zum Hausarzt oder Hautarzt gehen und den Hautpilz beim Hund erwähnen

Wann solltest du zum Tierarzt?

  • bei runden, kahlen, schuppigen Stellen, die größer werden

  • wenn mehrere Tiere im Haushalt Hautveränderungen zeigen

  • wenn Menschen im Haushalt juckende, ringförmige Hautstellen bekommen

  • bei Welpen oder älteren Hunden mit Haarausfall

Unser Fazit

Hautpilz ist gut behandelbar, braucht aber Konsequenz: Tabletten, äußerliche Behandlung und eine gründliche Reinigung der Umgebung gehören zusammen, und zwar so lange, bis die Pilzkultur negativ ist.

Weil Hautpilz auch auf Menschen übergehen kann, lohnt es sich, bei runden, kahlen Stellen früh zum Tierarzt zu gehen und die ganze Familie im Blick zu behalten.

Häufige Fragen zu Hautpilz beim Hund

Ist Hautpilz beim Hund für Menschen ansteckend?

Ja. Beim Menschen zeigt er sich meist als roter, schuppiger, juckender Ring. Er ist gut behandelbar, sollte aber ärztlich abgeklärt werden.

Wie lange ist mein Hund ansteckend?

Bis die Pilzkultur negativ ist, auch wenn das Fell schon gesund aussieht. Die äußerliche Behandlung senkt die Ansteckungsgefahr deutlich.

Hilft Teebaumöl gegen Hautpilz?

Davon raten wir ab. Teebaumöl ist für Hunde giftig, wenn sie es ablecken, und ersetzt keine wirksame Behandlung.

Kann mein Hund wieder Hautpilz bekommen?

Ja, eine Infektion schützt nicht dauerhaft. Wird die Quelle nicht gefunden, etwa eine Katze, die den Pilz trägt, oder Sporen in der Wohnung, kann es zu einer erneuten Infektion kommen.

Was ist der Unterschied zwischen Hautpilz und Hefepilz?

Hautpilze befallen Haare und sind ansteckend. Hefepilze leben auf jeder Hundehaut, vermehren sich meist als Folge einer Allergie und sind nicht ansteckend.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche oder ärztliche Beratung. Bei Hautveränderungen bei dir oder deiner Familie wende dich bitte an deinen Arzt.

Quellen

  • Moriello K. A. et al. (2017): Diagnosis and treatment of dermatophytosis in dogs and cats: Clinical Consensus Guidelines of the World Association for Veterinary Dermatology, Veterinary Dermatology 28(3):266–e68

  • Chermette R., Ferreiro L., Guillot J. (2008): Dermatophytoses in animals, Mycopathologia 166(5–6):385–405

  • Miller W. H., Griffin C. E., Campbell K. L. (2013): Muller and Kirk's Small Animal Dermatology, 7. Auflage, Elsevier

  • ESCCAP: Empfehlung zur Bekämpfung von oberflächlichen Mykosen bei Hunden und Katzen

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