Demodikose beim Hund: Haarbalgmilben erkennen und richtig behandeln

Kahle, schuppige Stellen um die Augen, an der Schnauze oder an den Vorderbeinen eines Welpen, oder plötzlich großflächiger Haarausfall bei einem älteren Hund: Hinter solchen Veränderungen kann eine Demodikose stecken, ausgelöst durch winzige Haarbalgmilben.
In diesem Ratgeber erfährst du, warum diese Milben bei jedem Hund vorkommen, wann sie zum Problem werden, wie sich die verschiedenen Formen unterscheiden, wie die Diagnose gestellt wird und wie die Behandlung heute aussieht.
Was ist Demodikose?
Demodex-Milben sind zigarrenförmige Milben, die in den Haarfollikeln und Talgdrüsen leben. Beim Hund ist vor allem Demodex canis wichtig. Seltener sind Demodex injai, die eher fettige Haut am Rücken verursacht und häufiger Terrier betrifft, und Demodex cornei, die an der Hautoberfläche lebt.
Wichtig zu wissen: Fast jeder Hund trägt Demodex-Milben in kleiner Zahl. Welpen werden in den ersten Lebenstagen beim Säugen von der Mutter besiedelt. Normalerweise hält das Immunsystem die Milben in Schach. Erst wenn sie sich massenhaft vermehren, entsteht eine Erkrankung.
Ist Demodikose ansteckend?
Nein. Demodikose ist für andere Hunde, Katzen und Menschen nicht ansteckend. Du musst deinen Hund also nicht isolieren.
Die verschiedenen Formen
Juvenile Demodikose (Junghunde)
Sie tritt meist bei Hunden unter 18 Monaten auf, wenn das Immunsystem noch nicht ganz ausgereift ist.
Lokalisiert: nur wenige, kleine kahle Stellen, oft um die Augen, an Lefzen, Kopf oder Vorderbeinen. Sie juckt meist kaum und heilt bei den meisten Hunden von selbst innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten.
Generalisiert: großflächiger Haarausfall, ganze Körperregionen oder mehrere Pfoten betroffen, oft mit bakteriellen Folgeinfektionen, Rötungen, Krusten und Juckreiz. Diese Form muss behandelt werden.
Demodikose bei erwachsenen Hunden
Tritt eine Demodikose erstmals bei einem erwachsenen oder älteren Hund auf, ist das ein Warnsignal: Häufig steckt eine Erkrankung dahinter, die das Immunsystem schwächt, zum Beispiel:
Cushing-Syndrom (Überfunktion der Nebenniere)
Schilddrüsenunterfunktion
Diabetes
Tumoren
Medikamente, die das Immunsystem dämpfen, zum Beispiel Kortison oder andere Immunsuppressiva
Bei einem Teil der Hunde wird trotz gründlicher Suche keine Ursache gefunden. Trotzdem sollte immer danach gesucht werden.
Pododemodikose
Eine Demodikose, die vor allem die Pfoten betrifft. Die Pfoten sind geschwollen, gerötet, schmerzhaft, oft mit Fisteln und tiefen Infektionen. Sie ist besonders hartnäckig und braucht oft eine lange Behandlung.
Typische Symptome
umschriebene oder großflächige kahle Stellen
Schuppen, Rötung, später dunkle Verfärbung der Haut
kleine Mitesser und Knötchen
anfangs oft wenig Juckreiz, mit Folgeinfektion aber deutlicher Juckreiz, Krusten, Pusteln und Geruch
bei Pfotenbefall Schwellung, Schmerzen und Lahmheit
Gerade weil die Demodikose anfangs kaum juckt, wird sie leicht mit anderen Ursachen von Haarausfall verwechselt. Einen Überblick findest du in unserem Beitrag Hauterkrankungen beim Hund.
Diagnose
Tiefes Hautgeschabsel: Die Haut wird leicht zusammengedrückt und tief abgeschabt, bis es minimal blutet, weil die Milben tief in den Haarfollikeln sitzen. Unter dem Mikroskop sind die Milben gut zu sehen.
Trichogramm: ausgezupfte Haare werden auf Milben untersucht, besonders praktisch an Pfoten oder rund um die Augen
Klebebandabklatsch: vor allem für Demodex injai und cornei
Gewebeprobe: bei sehr verdickter Haut an den Pfoten oder bei bestimmten Rassen wie dem Shar-Pei
Suche nach der Ursache: bei erwachsenen Hunden Blutuntersuchung, Hormontests und gegebenenfalls Bildgebung
Da einzelne Milben auch bei gesunden Hunden vorkommen, ist der Nachweis vieler Milben oder unreifer Entwicklungsstadien entscheidend.
Behandlung
Moderne Milbenmittel
Die Behandlung der Demodikose hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Mittel aus der Gruppe der Isoxazoline, die auch zum Floh- und Zeckenschutz eingesetzt werden, wirken sehr gut gegen Demodex-Milben. Einige sind inzwischen ausdrücklich für die Behandlung der Demodikose zugelassen. Alternativ kommen bestimmte Spot-on-Präparate infrage.
Ältere Wirkstoffe wie Ivermectin werden heute seltener eingesetzt. Bei Hunden mit MDR1-Defekt, zum Beispiel vielen Collies, Australian Shepherds und Shelties, können sie gefährlich sein.
Begleitende Behandlung
Bakterielle Folgeinfektionen behandeln: medizinische Shampoos mit Chlorhexidin oder Benzoylperoxid, bei tiefen Infektionen Antibiotika
Kortison vermeiden: Es kann die Vermehrung der Milben fördern
Grunderkrankung behandeln: bei erwachsenen Hunden entscheidend für den Erfolg
gute Ernährung und Stressreduktion
Wie lange wird behandelt?
Die Behandlung wird so lange fortgeführt, bis bei Kontrollen keine Milben mehr nachweisbar sind, meist bis zwei Untersuchungen im Abstand von etwa einem Monat negativ waren, und oft noch einen weiteren Monat darüber hinaus. Das dauert in der Regel mehrere Monate. Wer zu früh aufhört, riskiert einen Rückfall.
Zucht und Demodikose
Bei der generalisierten Demodikose junger Hunde wird eine erbliche Veranlagung vermutet. Fachleute empfehlen deshalb, betroffene Hunde nicht zur Zucht einzusetzen. Bei Hündinnen können Läufigkeit und Trächtigkeit außerdem einen Rückfall auslösen. Sprich das Thema Kastration mit deinem Tierarzt ab.
Prognose
Lokalisierte juvenile Demodikose: sehr gut, heilt meist von selbst
Generalisierte juvenile Demodikose: mit modernen Mitteln in den meisten Fällen gut heilbar
Demodikose bei erwachsenen Hunden: hängt stark von der Grunderkrankung ab
Pododemodikose: oft langwierig, Rückfälle sind möglich
Wann solltest du zum Tierarzt?
bei kahlen, schuppigen Stellen, die größer werden oder sich vermehren
bei geschwollenen, geröteten oder schmerzhaften Pfoten
bei Krusten, Pusteln, Geruch oder Juckreiz
wenn ein erwachsener Hund plötzlich Haarausfall bekommt
Unser Fazit
Demodex-Milben leben auf jedem Hund. Zum Problem werden sie erst, wenn das Immunsystem sie nicht mehr in Schach hält. Bei Welpen heilt die lokalisierte Form meist von selbst, die generalisierte Form lässt sich heute mit modernen Mitteln gut behandeln.
Tritt eine Demodikose erstmals bei einem erwachsenen Hund auf, solltest du immer auch nach der Ursache suchen lassen.
Häufige Fragen zur Demodikose beim Hund
Kann ich mich bei meinem Hund anstecken?
Nein. Demodex-Milben des Hundes sind nicht auf Menschen übertragbar.
Juckt Demodikose?
Anfangs oft kaum. Kommen bakterielle Infektionen dazu, kann sie aber stark jucken.
Muss eine lokalisierte Demodikose bei Welpen behandelt werden?
Oft nicht, da sie meist von selbst ausheilt. Sie sollte aber tierärztlich kontrolliert werden, damit eine Ausbreitung früh erkannt wird.
Hilft Flohschutz auch gegen Demodex?
Einige moderne Floh- und Zeckenmittel wirken auch gegen Demodex-Milben. Die Dosierung und Dauer der Behandlung legt aber der Tierarzt fest.
Kann Demodikose wiederkommen?
Ja, vor allem wenn die Behandlung zu früh beendet wird oder eine Grunderkrankung nicht behandelt ist.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bitte lass Haarausfall und Hautveränderungen immer tierärztlich abklären.
Quellen
Mueller R. S. et al. (2020): Diagnosis and treatment of demodicosis in dogs and cats: Clinical consensus guidelines of the World Association for Veterinary Dermatology, Veterinary Dermatology 31(1):5–27
Six R. H. et al. (2016): Efficacy of sarolaner, a novel oral isoxazoline, against two common mite infestations in dogs: Demodex spp. and Otodectes cynotis, Veterinary Parasitology 222:62–66
Miller W. H., Griffin C. E., Campbell K. L. (2013): Muller and Kirk's Small Animal Dermatology, 7. Auflage, Elsevier
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