Die Leber beim Hund: Aufgaben, Warnzeichen und wie du sie unterstützt
Aktualisiert: vor 7 Stunden

Die Leber ist eines der wichtigsten Organe im Körper deines Hundes. Sie verarbeitet Nährstoffe, baut Medikamente und Giftstoffe ab, bildet lebenswichtige Eiweiße und ist am Immunsystem beteiligt. Weil sie sehr leistungsfähig ist und sich gut regenerieren kann, zeigen Lebererkrankungen oft erst spät Symptome.
In diesem Ratgeber erfährst du, welche Aufgaben die Leber hat, woran du Leberprobleme erkennst, warum die Leber gerade bei Allergikern Aufmerksamkeit verdient und was du zur Unterstützung tun kannst.
Die Aufgaben der Leber
Abbau und Ausscheidung: Die Leber baut Stoffwechselprodukte, Medikamente und Giftstoffe ab und macht sie ausscheidbar, zum Beispiel Ammoniak aus dem Eiweißstoffwechsel.
Galle: Sie bildet Galle, die für die Verdauung von Fett und die Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K) nötig ist.
Speicher: Sie speichert Glykogen, Vitamine und Mineralstoffe wie Kupfer und Eisen.
Stoffwechsel: Sie reguliert Blutzucker, Fett- und Eiweißstoffwechsel.
Eiweißbildung: Sie bildet Albumin und die meisten Gerinnungsfaktoren.
Abwehr: Spezielle Immunzellen in der Leber filtern Bakterien aus dem Blut, das aus dem Darm kommt.
Was kann die Leber belasten?
Medikamente: zum Beispiel Kortison über längere Zeit, bestimmte Schmerz- und Epilepsiemedikamente
Giftstoffe: Xylit, Schimmelpilzgifte (Aflatoxine) in verdorbenem Futter, bestimmte Pilze und Pflanzen
Infektionen: etwa Leptospirose oder Hepatitis contagiosa canis
Erbliche Erkrankungen: zum Beispiel Kupferspeicherkrankheit bei bestimmten Rassen oder ein Lebershunt
Hormon- und Stoffwechselerkrankungen: Cushing-Syndrom, Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion
Übergewicht und sehr fettreiche Fütterung
Leber und Allergien: Worauf du achten solltest
Bei Allergikern wird oft gesagt, die Leber müsse die Allergene „entgiften“. Das ist so nicht richtig: Allergene wie Pollen oder Futtereiweiße werden nicht über die Leber abgebaut. Eine Allergie ist eine Fehlsteuerung des Immunsystems.
Trotzdem verdient die Leber bei Allergikern besondere Aufmerksamkeit:
Dauermedikation: Viele Allergiker bekommen über lange Zeit Medikamente. Vor allem Kortison kann die Leberwerte verändern. Regelmäßige Blutkontrollen sind deshalb sinnvoll.
Darm und Leber hängen zusammen: Blut aus dem Darm fließt zuerst durch die Leber. Ist die Darmbarriere gestört, kommen mehr Bakterienbestandteile in der Leber an. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Leaky Gut.
Nahrungsergänzungen: Auch Kräuter und Ergänzungsmittel werden über die Leber verstoffwechselt. Weniger ist hier oft mehr.
Uns ist bei Allergikern ein ganzheitlicher Blick wichtig: Darm, Leber und Haut zusammen zu betrachten, statt nur Symptome zu behandeln.
Anzeichen für Leberprobleme
Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
Erbrechen, Durchfall, heller oder grauer Kot
vermehrtes Trinken und Urinieren
Müdigkeit und Schwäche
Gelbfärbung von Schleimhäuten, Augen oder Haut (Gelbsucht)
aufgeblähter Bauch durch Flüssigkeit
Verwirrtheit, Taumeln oder Kopfpressen nach dem Fressen
Die letzten Anzeichen können auf eine hepatische Enzephalopathie hinweisen. Dann bitte sofort zum Tierarzt.
Diagnose
Blutuntersuchung: Leberenzyme wie ALT und AP, Bilirubin, Albumin, Gallensäuren
Ultraschall: Größe, Struktur und Durchblutung der Leber, Gallenblase
Weitere Tests: zum Beispiel Gerinnung oder eine Gewebeprobe (Biopsie) bei unklaren Befunden
Erhöhte Leberwerte bedeuten nicht automatisch eine Lebererkrankung. Sie können auch durch Medikamente oder andere Erkrankungen entstehen. Die Bewertung gehört in tierärztliche Hand.
So kannst du die Leber unterstützen
Ausgewogene, hochwertige Fütterung: gut verdauliches Eiweiß, keine verdorbenen oder schimmeligen Futtermittel
Normalgewicht halten
Gifte vermeiden: Xylit, Schimmel, Pflanzenschutzmittel, Reinigungsmittel außer Reichweite
Medikamente nur nach Bedarf und mit regelmäßigen Kontrollen bei Dauermedikation
Leberwerte regelmäßig kontrollieren, zum Beispiel einmal im Jahr, bei Seniorhunden und Dauermedikation häufiger
Nahrungsergänzungen
Bei Lebererkrankungen setzen Tierärzte unter anderem Silymarin aus der Mariendistel, SAMe (S-Adenosylmethionin) und Vitamin E ein. Sie gelten als leberschützend, die Studienlage beim Hund ist aber begrenzt. Bei Lebererkrankungen sollte die Ernährung immer mit dem Tierarzt abgestimmt werden, da manche Erkrankungen spezielle Diäten erfordern, zum Beispiel kupferarm.
Unser Fazit
Die Leber leistet jeden Tag Schwerstarbeit und zeigt Probleme oft erst spät. Regelmäßige Blutkontrollen, eine gute Fütterung, Normalgewicht und das Vermeiden von Giftstoffen sind der beste Schutz.
Bei Allergikern lohnt sich der Blick auf die Leber vor allem wegen der oft langen Medikamentengabe und dem engen Zusammenspiel mit dem Darm.
Häufige Fragen zur Lebergesundheit beim Hund
Wie oft sollte ich die Leberwerte kontrollieren lassen?
Bei gesunden erwachsenen Hunden etwa einmal im Jahr im Rahmen des Gesundheitschecks. Bei Seniorhunden und Hunden mit Dauermedikation häufiger, nach Absprache mit dem Tierarzt.
Kann sich die Leber erholen?
Die Leber kann sich gut regenerieren, wenn die Ursache rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Bei fortgeschrittenen Vernarbungen ist das nur noch eingeschränkt möglich.
Sollte ich bei Allergien eine Leberkur machen?
Eine pauschale „Leberkur“ ist nicht nötig. Sinnvoller ist es, die Leberwerte kontrollieren zu lassen, besonders bei Dauermedikation, und bei Auffälligkeiten gezielt mit dem Tierarzt zu handeln.
Was ist bei der Fütterung von Leberpatienten wichtig?
Gut verdauliches Eiweiß in angepasster Menge, mehrere kleine Mahlzeiten und je nach Erkrankung eine spezielle Leberdiät. Das sollte der Tierarzt oder eine Ernährungsberatung festlegen.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Anzeichen einer Lebererkrankung wende dich bitte umgehend an deinen Tierarzt.
Quellen
Webster C. R. L. et al. (2019): ACVIM consensus statement on the diagnosis and treatment of chronic hepatitis in dogs, Journal of Veterinary Internal Medicine 33(3):1173–1200
Webster C. R. L., Cooper J. (2009): Therapeutic use of cytoprotective agents in canine and feline hepatobiliary disease, Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice 39(3):631–652
Das könnte dich auch interessieren
Bücher von Sabina Kadic
Von der Autorin hinter Unsere Fellnase: Bücher über Demenz, Kommunikation, unsichtbare Krankheiten und mehr – einfühlsam und nah am Leben.



Kommentare