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Die Leber beim Hund: Aufgaben, Warnzeichen und wie du sie unterstützt

Unsere Fellnase
2. Okt. 2024
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Stunden

Berner Sennenhund bei der Ultraschalluntersuchung der Leber
Ultraschall und Blutwerte zeigen, wie es der Leber deines Hundes geht

Die Leber ist eines der wichtigsten Organe im Körper deines Hundes. Sie verarbeitet Nährstoffe, baut Medikamente und Giftstoffe ab, bildet lebenswichtige Eiweiße und ist am Immunsystem beteiligt. Weil sie sehr leistungsfähig ist und sich gut regenerieren kann, zeigen Lebererkrankungen oft erst spät Symptome.

In diesem Ratgeber erfährst du, welche Aufgaben die Leber hat, woran du Leberprobleme erkennst, warum die Leber gerade bei Allergikern Aufmerksamkeit verdient und was du zur Unterstützung tun kannst.

Die Aufgaben der Leber

  • Abbau und Ausscheidung: Die Leber baut Stoffwechselprodukte, Medikamente und Giftstoffe ab und macht sie ausscheidbar, zum Beispiel Ammoniak aus dem Eiweißstoffwechsel.

  • Galle: Sie bildet Galle, die für die Verdauung von Fett und die Aufnahme fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K) nötig ist.

  • Speicher: Sie speichert Glykogen, Vitamine und Mineralstoffe wie Kupfer und Eisen.

  • Stoffwechsel: Sie reguliert Blutzucker, Fett- und Eiweißstoffwechsel.

  • Eiweißbildung: Sie bildet Albumin und die meisten Gerinnungsfaktoren.

  • Abwehr: Spezielle Immunzellen in der Leber filtern Bakterien aus dem Blut, das aus dem Darm kommt.

Was kann die Leber belasten?

  • Medikamente: zum Beispiel Kortison über längere Zeit, bestimmte Schmerz- und Epilepsiemedikamente

  • Giftstoffe: Xylit, Schimmelpilzgifte (Aflatoxine) in verdorbenem Futter, bestimmte Pilze und Pflanzen

  • Infektionen: etwa Leptospirose oder Hepatitis contagiosa canis

  • Erbliche Erkrankungen: zum Beispiel Kupferspeicherkrankheit bei bestimmten Rassen oder ein Lebershunt

  • Hormon- und Stoffwechselerkrankungen: Cushing-Syndrom, Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion

  • Übergewicht und sehr fettreiche Fütterung

Leber und Allergien: Worauf du achten solltest

Bei Allergikern wird oft gesagt, die Leber müsse die Allergene „entgiften“. Das ist so nicht richtig: Allergene wie Pollen oder Futtereiweiße werden nicht über die Leber abgebaut. Eine Allergie ist eine Fehlsteuerung des Immunsystems.

Trotzdem verdient die Leber bei Allergikern besondere Aufmerksamkeit:

  • Dauermedikation: Viele Allergiker bekommen über lange Zeit Medikamente. Vor allem Kortison kann die Leberwerte verändern. Regelmäßige Blutkontrollen sind deshalb sinnvoll.

  • Darm und Leber hängen zusammen: Blut aus dem Darm fließt zuerst durch die Leber. Ist die Darmbarriere gestört, kommen mehr Bakterienbestandteile in der Leber an. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Leaky Gut.

  • Nahrungsergänzungen: Auch Kräuter und Ergänzungsmittel werden über die Leber verstoffwechselt. Weniger ist hier oft mehr.

Uns ist bei Allergikern ein ganzheitlicher Blick wichtig: Darm, Leber und Haut zusammen zu betrachten, statt nur Symptome zu behandeln.

Anzeichen für Leberprobleme

  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust

  • Erbrechen, Durchfall, heller oder grauer Kot

  • vermehrtes Trinken und Urinieren

  • Müdigkeit und Schwäche

  • Gelbfärbung von Schleimhäuten, Augen oder Haut (Gelbsucht)

  • aufgeblähter Bauch durch Flüssigkeit

  • Verwirrtheit, Taumeln oder Kopfpressen nach dem Fressen

Die letzten Anzeichen können auf eine hepatische Enzephalopathie hinweisen. Dann bitte sofort zum Tierarzt.

Diagnose

  • Blutuntersuchung: Leberenzyme wie ALT und AP, Bilirubin, Albumin, Gallensäuren

  • Ultraschall: Größe, Struktur und Durchblutung der Leber, Gallenblase

  • Weitere Tests: zum Beispiel Gerinnung oder eine Gewebeprobe (Biopsie) bei unklaren Befunden

Erhöhte Leberwerte bedeuten nicht automatisch eine Lebererkrankung. Sie können auch durch Medikamente oder andere Erkrankungen entstehen. Die Bewertung gehört in tierärztliche Hand.

So kannst du die Leber unterstützen

  • Ausgewogene, hochwertige Fütterung: gut verdauliches Eiweiß, keine verdorbenen oder schimmeligen Futtermittel

  • Normalgewicht halten

  • Gifte vermeiden: Xylit, Schimmel, Pflanzenschutzmittel, Reinigungsmittel außer Reichweite

  • Medikamente nur nach Bedarf und mit regelmäßigen Kontrollen bei Dauermedikation

  • Leberwerte regelmäßig kontrollieren, zum Beispiel einmal im Jahr, bei Seniorhunden und Dauermedikation häufiger

Nahrungsergänzungen

Bei Lebererkrankungen setzen Tierärzte unter anderem Silymarin aus der Mariendistel, SAMe (S-Adenosylmethionin) und Vitamin E ein. Sie gelten als leberschützend, die Studienlage beim Hund ist aber begrenzt. Bei Lebererkrankungen sollte die Ernährung immer mit dem Tierarzt abgestimmt werden, da manche Erkrankungen spezielle Diäten erfordern, zum Beispiel kupferarm.

Unser Fazit

Die Leber leistet jeden Tag Schwerstarbeit und zeigt Probleme oft erst spät. Regelmäßige Blutkontrollen, eine gute Fütterung, Normalgewicht und das Vermeiden von Giftstoffen sind der beste Schutz.

Bei Allergikern lohnt sich der Blick auf die Leber vor allem wegen der oft langen Medikamentengabe und dem engen Zusammenspiel mit dem Darm.

Häufige Fragen zur Lebergesundheit beim Hund

Wie oft sollte ich die Leberwerte kontrollieren lassen?

Bei gesunden erwachsenen Hunden etwa einmal im Jahr im Rahmen des Gesundheitschecks. Bei Seniorhunden und Hunden mit Dauermedikation häufiger, nach Absprache mit dem Tierarzt.

Kann sich die Leber erholen?

Die Leber kann sich gut regenerieren, wenn die Ursache rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Bei fortgeschrittenen Vernarbungen ist das nur noch eingeschränkt möglich.

Sollte ich bei Allergien eine Leberkur machen?

Eine pauschale „Leberkur“ ist nicht nötig. Sinnvoller ist es, die Leberwerte kontrollieren zu lassen, besonders bei Dauermedikation, und bei Auffälligkeiten gezielt mit dem Tierarzt zu handeln.

Was ist bei der Fütterung von Leberpatienten wichtig?

Gut verdauliches Eiweiß in angepasster Menge, mehrere kleine Mahlzeiten und je nach Erkrankung eine spezielle Leberdiät. Das sollte der Tierarzt oder eine Ernährungsberatung festlegen.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Anzeichen einer Lebererkrankung wende dich bitte umgehend an deinen Tierarzt.

Quellen

  • Webster C. R. L. et al. (2019): ACVIM consensus statement on the diagnosis and treatment of chronic hepatitis in dogs, Journal of Veterinary Internal Medicine 33(3):1173–1200

  • Webster C. R. L., Cooper J. (2009): Therapeutic use of cytoprotective agents in canine and feline hepatobiliary disease, Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice 39(3):631–652

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