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Beckenschiefstand beim Hund: Anzeichen, Ursachen und Behandlung

Unsere Fellnase
27. Aug. 2024
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Stunden

Beckenschiefstand beim Hund
Beckenschiefstand beim Hund: Wenn eine Hüfte höher steht als die andere

Dein Hund läuft „schief“, sitzt immer zu einer Seite, oder die Physiotherapeutin hat bei ihm einen Beckenschiefstand festgestellt? Ein schiefes Becken kann die Wirbelsäule, die Gelenke und die Muskulatur ungleich belasten und auf Dauer zu Schmerzen und Folgeproblemen führen.

In diesem Ratgeber erfährst du, was hinter einem Beckenschiefstand steckt, woran du ihn erkennst, wie er untersucht und behandelt wird und wie du deinen Hund im Alltag unterstützen kannst.

Was ist ein Beckenschiefstand?

Bei einem Beckenschiefstand steht eine Beckenseite höher oder ist verdreht. Man unterscheidet zwei Formen:

  • Funktioneller Beckenschiefstand: Das Becken selbst ist normal geformt, wird aber durch verspannte oder ungleich starke Muskeln schief gehalten. Das ist die häufigste Form und oft eine Folge von Schonhaltungen.

  • Struktureller Beckenschiefstand: Die Knochen selbst sind verändert, zum Beispiel nach einem Beckenbruch, durch eine angeborene Fehlbildung oder deutlich unterschiedliche Beinlängen.

Ursachen

  • Schonhaltungen: Schmerzen in einem Bein, etwa durch einen Kreuzbandriss, Arthrose oder Hüftdysplasie, führen zu einseitiger Belastung.

  • Muskuläre Probleme: Verspannungen oder Verletzungen, zum Beispiel des Iliopsoas

  • Wirbelsäulenerkrankungen: Bandscheibenprobleme, Spondylosen oder Übergangswirbel am Übergang zum Kreuzbein

  • Verletzungen: Stürze, Unfälle, Beckenbrüche

  • Angeborene Faktoren: Fehlbildungen der Wirbel oder des Beckens, selten

  • Alltag: einseitige Belastung, etwa durch ständiges Springen ins Auto oder Ziehen an der Leine in eine Richtung

Woran erkennst du einen Beckenschiefstand?

  • unregelmäßiges Gangbild, Hinken oder „Schiefgehen“ (der Hund läuft mit versetzter Hinterhand)

  • schiefes Sitzen, ein Bein wird zur Seite gestreckt

  • eine Hüfte steht sichtbar höher

  • ungleich entwickelte Muskulatur an den Hinterbeinen

  • ungleiche Abnutzung der Krallen

  • Steifheit nach dem Liegen, Unlust beim Springen oder Treppensteigen

  • Empfindlichkeit beim Berühren von Rücken oder Becken

Diagnose

  1. Gang- und Standanalyse: Der Tierarzt oder die Physiotherapeutin beobachtet deinen Hund im Stand, im Schritt und Trab, gern auch mit Video.

  2. Abtasten: Verspannungen, Schmerzpunkte und Muskelunterschiede werden ertastet.

  3. Orthopädische und neurologische Untersuchung: um Gelenk-, Bänder- und Nervenprobleme zu erkennen

  4. Röntgen: zeigt knöcherne Veränderungen, Arthrose, Hüftdysplasie oder Fehlbildungen

  5. Weitere Bildgebung: bei Verdacht auf Wirbelsäulenprobleme eventuell CT oder MRT

Ganz wichtig: Ein funktioneller Beckenschiefstand ist meist ein Symptom. Entscheidend ist, die Ursache zu finden, sonst kommt das Problem immer wieder.

Behandlung

Die Ursache behandeln

Ob Kreuzbandriss, Arthrose oder Muskelverletzung: Die Grunderkrankung muss zuerst behandelt werden, etwa mit Schmerztherapie oder einer Operation.

Physiotherapie

  • Massagen und manuelle Techniken zum Lösen von Verspannungen

  • Dehnübungen und Mobilisation

  • gezielter Muskelaufbau, besonders der schwächeren Seite

  • Unterwasserlaufband oder Schwimmen

  • Wärme, Elektrotherapie, Ultraschall oder Laser

Weitere Methoden

Osteopathie, Chiropraktik und Akupunktur werden ergänzend eingesetzt und von vielen Haltern als hilfreich erlebt. Die wissenschaftliche Datenlage ist hier aber dünn. Achte auf eine fundierte Ausbildung der Therapeuten und darauf, dass vorher eine tierärztliche Diagnose gestellt wurde.

Medikamente

Bei Schmerzen verschreibt der Tierarzt entzündungshemmende Schmerzmittel. Sie erleichtern oft auch die Physiotherapie.

Operation

Nur selten nötig, zum Beispiel bei schweren Fehlbildungen oder nach Beckenbrüchen.

So unterstützt du deinen Hund im Alltag

  • Normalgewicht halten

  • Rutschfeste Böden zu Hause, etwa Teppiche oder Matten

  • Auto-Rampe statt Springen

  • Gleichmäßige Bewegung: ruhiges Gehen auf ebenem Untergrund, wechselnde Seiten an der Leine

  • Belastungsspitzen vermeiden: keine abrupten Stopps, wildes Ballspiel oder Sprünge

  • Hausaufgaben der Physiotherapie regelmäßig umsetzen

  • Richtig heben: dabei Brust und Becken gleichzeitig stützen

Wann solltest du zum Tierarzt?

  • wenn dein Hund lahmt oder ein Bein schont

  • bei plötzlichem Schiefgehen, Schwanken oder Lähmungserscheinungen

  • bei Schmerzen beim Aufstehen oder Anfassen

  • wenn sich die Haltung über Wochen nicht bessert

Unser Fazit

Ein Beckenschiefstand ist beim Hund meist funktionell, also eine Folge von Schonhaltung, Muskelproblemen oder Schmerzen. Die wichtigste Frage ist deshalb: Warum steht das Becken schief?

Mit einer gründlichen Diagnose, Behandlung der Ursache, Physiotherapie und kleinen Anpassungen im Alltag lassen sich die meisten Hunde gut unterstützen.

Häufige Fragen zum Beckenschiefstand beim Hund

Kann ein Beckenschiefstand von allein verschwinden?

Ein leichter, funktioneller Schiefstand kann sich bessern, wenn die Ursache wegfällt. Meist braucht es aber Physiotherapie und gezielten Muskelaufbau.

Sieht man einen Beckenschiefstand auf dem Röntgenbild?

Einen strukturellen Schiefstand ja. Ein funktioneller Schiefstand durch Muskelzug ist im Röntgen oft nicht sichtbar. Das Röntgen hilft aber, Ursachen wie Arthrose oder Hüftdysplasie zu erkennen.

Wie lange dauert die Behandlung?

Das hängt von der Ursache ab. Muskelaufbau braucht meist mehrere Wochen bis Monate.

Kann ich selbst etwas tun?

Ja, mit den Übungen aus der Physiotherapie, einem rutschfesten Zuhause, einer Auto-Rampe und gleichmäßiger, ruhiger Bewegung.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Lahmheit oder Schmerzen wende dich bitte an deinen Tierarzt.

Quellen

  • Millis D. L., Levine D. (Hrsg.) (2014): Canine Rehabilitation and Physical Therapy, 2. Auflage, Elsevier Saunders

  • Zink C., Van Dyke J. B. (Hrsg.) (2018): Canine Sports Medicine and Rehabilitation, 2. Auflage, Wiley-Blackwell

  • Bockstahler B., Levine D., Millis D. (2004): Essential Facts of Physiotherapy in Dogs and Cats: Rehabilitation and Pain Management, BE VetVerlag

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