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Hyposensibilisierung beim Hund ehrlich erklärt: Ablauf, Erfolgschancen, Kosten und Grenzen

Unsere Fellnase
vor 2 Stunden
6 Min. Lesezeit
Hund bekommt zu Hause eine Injektion zur Hyposensibilisierung
Hyposensibilisierung: kleine Schritte über viele Monate statt einer schnellen Lösung

Wenn dein Hund unter einer Umweltallergie leidet, wirst du früher oder später das Wort Hyposensibilisierung hören, auch Desensibilisierung oder allergenspezifische Immuntherapie (ASIT) genannt. Sie gilt als die einzige Behandlung, die an der Ursache der Allergie ansetzt. Das klingt verlockend.

Die Hyposensibilisierung kann vielen Hunden helfen. Sie ist aber keine schnelle Lösung, sie funktioniert nicht bei jedem Hund, und sie kostet Zeit, Geduld und Geld. In diesem Beitrag möchten wir dir ehrlich erklären, wann sie sinnvoll ist, wie sie abläuft, warum sie manchmal nicht wirkt, mit welchen Kosten du rechnen musst und welche Fragen du deinem Tierarzt stellen solltest.

Was ist eine Hyposensibilisierung?

Bei einer Hyposensibilisierung bekommt dein Hund über einen langen Zeitraum regelmäßig kleine, langsam steigende Mengen genau der Allergene, auf die er allergisch reagiert, zum Beispiel Hausstaubmilben oder Pollen. Ziel ist, dass sich das Immunsystem an diese Stoffe gewöhnt und weniger heftig reagiert.

Die Allergenlösung wird individuell für deinen Hund hergestellt. Sie wird meist unter die Haut gespritzt, inzwischen gibt es aber auch Lösungen, die als Tropfen unter die Zunge gegeben werden.

Wann ist eine Hyposensibilisierung sinnvoll?

Eine Hyposensibilisierung ist nur bei einer Umweltallergie (atopische Dermatitis) sinnvoll. Voraussetzungen sind:

  • eine gesicherte Diagnose: Parasiten ausgeschlossen, Infektionen behandelt, eine Futtermittelallergie per Ausschlussdiät abgeklärt

  • Beschwerden, die nicht nur wenige Wochen im Jahr bestehen oder die sich mit Medikamenten nur schlecht oder mit Nebenwirkungen kontrollieren lassen

  • ein Allergietest (Intrakutantest oder Bluttest), dessen Ergebnis zur Vorgeschichte passt

  • Halter, die bereit sind, die Behandlung über mindestens ein Jahr konsequent durchzuziehen

Bei einer Futtermittelallergie oder einer Flohspeichelallergie hilft sie nicht.

Warum es sich trotzdem oft lohnt

  • Sie setzt an der Ursache an, statt nur Symptome zu unterdrücken.

  • Sie kann helfen, den Bedarf an Juckreizmedikamenten langfristig zu senken.

  • Sie hat in der Regel wenige Nebenwirkungen.

  • Sie ist für junge Hunde geeignet, bei denen eine jahrzehntelange Medikamentengabe ansteht.

So läuft die Hyposensibilisierung ab

  1. Diagnose: Die Diagnose Umweltallergie muss feststehen.

  2. Allergietest: Mit dem Intrakutantest oder einem Bluttest wird bestimmt, auf welche Allergene dein Hund reagiert. Vorher müssen bestimmte Medikamente abgesetzt werden.

  3. Auswahl der Allergene: Der Tierarzt wählt aus den positiven Ergebnissen die Allergene aus, die zur Vorgeschichte passen, zum Beispiel Pollen, die zur Jahreszeit der Beschwerden blühen.

  4. Herstellung: Ein spezialisiertes Labor stellt die individuelle Allergenlösung her.

  5. Aufbauphase: Über mehrere Wochen bekommt dein Hund in kurzen Abständen steigende Mengen, anfangs oft wöchentlich.

  6. Erhaltungsphase: Danach wird die Lösung in größeren Abständen gegeben, meist alle zwei bis vier Wochen, oft über Jahre.

Die Spritzen kannst du nach Anleitung durch den Tierarzt meist selbst zu Hause geben. Die ersten Injektionen erfolgen in der Regel in der Praxis, damit eine mögliche Reaktion beobachtet werden kann.

Es gibt auch eine Schnell-Hyposensibilisierung (Rush-Immuntherapie), bei der die Aufbauphase innerhalb eines Tages unter Aufsicht in der Klinik erfolgt. Sie wird nicht überall angeboten.

Geduld: Das ist keine schnelle Lösung

Das ist der wichtigste Punkt: Eine Hyposensibilisierung wirkt langsam.

  • Erste Verbesserungen zeigen sich oft erst nach drei bis sechs Monaten.

  • Ob sie wirklich wirkt, lässt sich meist erst nach neun bis zwölf Monaten sinnvoll beurteilen.

  • Bei Hunden, die gut ansprechen, wird die Behandlung oft lebenslang fortgeführt. Manche Hunde kommen später mit sehr großen Abständen aus, nach dem Absetzen können die Beschwerden aber zurückkommen.

In der Zwischenzeit braucht dein Hund weiterhin Juckreizmedikamente, Hautpflege und Infektionsbehandlung. Die Hyposensibilisierung ersetzt diese anfangs nicht, sondern ergänzt sie. Mehr dazu in unserem Medikamenten-Vergleich.

Ehrlich: Wie gut wirkt sie?

Die Erfolgsangaben schwanken je nach Studie. Als grobe Orientierung gilt:

  • Etwa 50 bis 80 Prozent der Hunde zeigen eine deutliche Besserung, also weniger Juckreiz oder einen geringeren Medikamentenbedarf.

  • Nur ein kleinerer Teil wird dadurch vollständig beschwerdefrei.

  • Bei einem Teil der Hunde zeigt sich auch nach einem Jahr keine nennenswerte Verbesserung.

„Erfolg“ bedeutet bei der Hyposensibilisierung also meist weniger Beschwerden und weniger Medikamente, nicht unbedingt Heilung.

Warum es manchmal nicht funktioniert

  • Falsche oder unvollständige Diagnose: Steckt zusätzlich eine Futtermittel- oder Flohallergie dahinter, bleibt der Juckreiz trotz Hyposensibilisierung.

  • Falsche Allergenauswahl: Allergietests haben falsch positive und falsch negative Ergebnisse. Wird ein wichtiges Allergen nicht erkannt oder werden Allergene gewählt, die gar keine Beschwerden machen, wirkt die Behandlung schlechter.

  • Zu viele Allergene in einer Lösung: Werden sehr viele Allergene gemischt, sinkt die Menge jedes einzelnen. Viele Dermatologen begrenzen die Zahl deshalb.

  • Zu früh abgebrochen: Wer nach drei Monaten aufgibt, weiß noch nicht, ob die Behandlung wirkt.

  • Unregelmäßige Gabe: Ausgelassene oder verspätete Injektionen können die Wirkung verringern.

  • Unbehandelte Infektionen: Bakterien und Hefepilze halten den Juckreiz aufrecht.

  • Individuelles Nichtansprechen: Manche Hunde sprechen einfach nicht an, auch wenn alles richtig gemacht wurde.

Mögliche Nebenwirkungen

  • Schwellung oder Juckreiz an der Einstichstelle

  • vorübergehend verstärkter Juckreiz nach der Injektion

  • Müdigkeit

  • sehr selten eine schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie) mit Schwäche, Erbrechen, Atemnot oder Kollaps. Deshalb sollte dein Hund nach den ersten Injektionen eine Weile beobachtet werden.

Verstärkter Juckreiz nach den Injektionen ist oft ein Zeichen, dass die Dosis oder das Intervall angepasst werden muss. Sprich das unbedingt mit deinem Tierarzt an.

Was kostet eine Hyposensibilisierung?

Die Kosten sind nicht unerheblich und unterscheiden sich je nach Praxis, Labor und Zahl der Allergene. Als grobe Orientierung:

  • Allergietest: Intrakutantest oder Bluttest, inklusive Beratung und gegebenenfalls Sedierung, oft im Bereich von etwa 150 bis 500 Euro

  • Allergenlösung für die Aufbauphase und das erste Jahr: häufig mehrere hundert Euro

  • Erhaltungsphase: jährlich wiederkehrende Kosten für neue Allergenlösungen, oft ebenfalls im Bereich mehrerer hundert Euro

  • Tierarztbesuche für Kontrollen und die ersten Injektionen

  • begleitende Medikamente, Shampoos und Infektionsbehandlungen in der Anfangszeit

Im ersten Jahr kommen so schnell mehrere hundert bis über tausend Euro zusammen, danach laufende Kosten über Jahre. Lass dir vorab einen Kostenvoranschlag geben und frag bei deiner Tierversicherung nach, ob und in welcher Höhe die Kosten übernommen werden.

Zum Vergleich: Auch eine dauerhafte Behandlung mit modernen Juckreizmedikamenten kostet, besonders bei großen Hunden, jedes Jahr viel Geld. Wirkt die Hyposensibilisierung, kann sie sich langfristig auch finanziell lohnen.

Darauf solltest du achten

  • Zum Spezialisten: Diagnose, Test und Allergenauswahl gehören am besten in die Hände einer Tierärztin oder eines Tierarztes mit Schwerpunkt Dermatologie.

  • Diagnose vorher absichern: keine Hyposensibilisierung ohne Ausschluss von Futtermittelallergie, Parasiten und Infektionen

  • Tagebuch führen: Juckreiz von 0 bis 10, Medikamente, Reaktionen nach der Injektion. Das hilft bei der Beurteilung nach einem Jahr.

  • Termine einhalten: Erinnerungen im Kalender setzen

  • Lösung richtig lagern: meist im Kühlschrank, nicht einfrieren

  • Geduld haben: frühestens nach neun bis zwölf Monaten Bilanz ziehen

  • Dranbleiben an Hautpflege und Flohschutz

Diese Fragen solltest du deinem Tierarzt stellen

  1. Ist die Diagnose Umweltallergie gesichert? Wurden Futtermittelallergie, Parasiten und Infektionen ausgeschlossen?

  2. Welcher Allergietest ist für meinen Hund sinnvoll, und welche Medikamente muss ich vorher absetzen?

  3. Welche Allergene werden ausgewählt, und warum? Passen sie zur Vorgeschichte?

  4. Wie viele Allergene kommen in die Lösung?

  5. Spritze oder Tropfen, und warum?

  6. Wie sieht der Behandlungsplan aus, wie oft und wie lange?

  7. Kann ich die Injektionen selbst geben, und wer zeigt es mir?

  8. Welche Nebenwirkungen können auftreten, und was tue ich im Notfall?

  9. Wann beurteilen wir, ob die Behandlung wirkt?

  10. Welche Medikamente bekommt mein Hund in der Zwischenzeit?

  11. Mit welchen Kosten muss ich im ersten Jahr und danach rechnen?

  12. Was machen wir, wenn die Behandlung nicht wirkt?

Unser Fazit

Die Hyposensibilisierung ist die einzige Behandlung, die an der Ursache einer Umweltallergie ansetzt, und für viele Hunde eine echte Chance auf weniger Juckreiz und weniger Medikamente. Sie ist aber kein Wundermittel.

Sie braucht eine sichere Diagnose, eine sorgfältige Auswahl der Allergene, mindestens ein Jahr Geduld, Konsequenz und ein gewisses Budget. Und sie wirkt nicht bei jedem Hund. Wer das weiß und gut begleitet wird, kann seinem Hund damit langfristig viel Gutes tun.

🐾 Kostenloses Allergie-Starterkit: Checkliste, Vorbereitungsbogen für den Tierarzt, Juckreiz-Tagebuch und 8-Wochen-Plan für die Ausschlussdiät – 16 Seiten zum Ausdrucken, kostenlos per E-Mail.

Häufige Fragen zur Hyposensibilisierung beim Hund

Ist Hyposensibilisierung dasselbe wie Desensibilisierung?

Ja, beide Begriffe werden meist gleich verwendet. Fachlich spricht man von allergenspezifischer Immuntherapie (ASIT).

Ab welchem Alter ist eine Hyposensibilisierung möglich?

Sobald die Diagnose Umweltallergie sicher gestellt ist. Junge Hunde sprechen tendenziell eher gut an, aber auch ältere Hunde können profitieren.

Darf mein Hund während der Hyposensibilisierung Medikamente bekommen?

Ja, in der Anfangszeit ist das meist sogar nötig. Moderne Juckreizmedikamente lassen sich in der Regel gut kombinieren. Ziel ist, sie mit der Zeit zu reduzieren.

Wie lange dauert die Behandlung?

Mindestens ein Jahr bis zur Beurteilung. Bei Hunden, die gut ansprechen, wird sie oft lebenslang fortgeführt.

Wirkt die Hyposensibilisierung auch bei Futtermittelallergie?

Nein. Bei einer Futtermittelallergie hilft nur das konsequente Meiden der Auslöser.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Die genannten Kosten sind grobe Richtwerte und können je nach Praxis und Region deutlich abweichen.

Quellen

  • Olivry T. et al. (2015): Treatment of canine atopic dermatitis: 2015 updated guidelines from the International Committee on Allergic Diseases of Animals (ICADA), BMC Veterinary Research 11:210

  • Hensel P. et al. (2015): Canine atopic dermatitis: detailed guidelines for diagnosis and allergen identification, BMC Veterinary Research 11:196

  • DeBoer D. J. (2017): The future of immunotherapy for canine atopic dermatitis: a review, Veterinary Dermatology 28(1):25–e6

  • Mueller R. S. (2019): Update on Allergen Immunotherapy, Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice 49(1):1–7

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