PEA für Hunde: Wirkung, Studienlage und Anwendung bei Juckreiz, Arthrose und Schmerzen
Aktualisiert: vor 4 Stunden

Werbung | Affiliate
Palmitoylethanolamid, kurz PEA, taucht immer häufiger auf, wenn es um Hunde mit Juckreiz, Arthrose oder chronischen Schmerzen geht. Oft wird es als „natürliches Schmerzmittel“ bezeichnet. Doch was steckt wirklich dahinter? Wie wirkt PEA im Körper, was ist wissenschaftlich belegt und wo sind die Grenzen?
In diesem Beitrag erkläre ich dir PEA verständlich und trotzdem fundiert, mit Blick auf die aktuelle Studienlage.
PEA auf einen Blick
PEA ist ein körpereigener Stoff, den Mensch und Hund selbst bilden, und zwar genau dann, wenn Gewebe gereizt oder verletzt wird.
Es wirkt nicht wie ein klassisches Schmerzmittel, sondern beruhigt überschießende Entzündungs- und Schmerzreaktionen an mehreren Stellen gleichzeitig.
Am besten untersucht ist PEA beim Hund bei Juckreiz durch atopische Dermatitis.
Bei Arthrose und chronischen Schmerzen ist PEA vielversprechend, die Daten beim Hund sind aber noch begrenzt.
PEA gilt als sehr gut verträglich.
Die Wirkung baut sich langsam auf. Rechne mit mindestens 4 bis 8 Wochen.
Was ist PEA?
PEA gehört zu den Fettsäureamiden und wird im Körper aus Palmitinsäure gebildet, einer natürlichen Fettsäure. Es kommt in nahezu allen Geweben vor und wird bei Bedarf hergestellt: Kommt es zu einer Verletzung oder Entzündung, steigt die PEA-Menge im betroffenen Gewebe an. Ist die Arbeit erledigt, wird es wieder abgebaut.
Entdeckt wurde PEA bereits in den 1950er-Jahren. Bekannt wurde es vor allem durch die Nobelpreisträgerin Rita Levi-Montalcini. Sie beschrieb PEA als körpereigenen „Gegenspieler bei Gewebeschäden“, der überaktive Abwehrzellen bremst. Diese Stoffgruppe heißt seitdem auch „ALIAmide“.
In kleinen Mengen steckt PEA auch in Lebensmitteln wie Eigelb, Erdnüssen oder Sojabohnen. Für eine wirksame Menge reicht das aber bei Weitem nicht.
Wie wirkt PEA? Einfach erklärt
Stell dir eine Entzündung wie ein Feuer vor, das immer wieder neu angefacht wird. PEA ist dabei keine Feuerwehr, die alles löscht. Es ist eher wie jemand, der dem Feuer nach und nach den Sauerstoff nimmt. Das passiert über mehrere Wege:
1. Der Hauptschalter: PPAR-alpha
PEA aktiviert einen Rezeptor im Zellkern namens PPAR-alpha. Er wirkt wie ein Hauptschalter, der Gene für entzündungsfördernde Botenstoffe herunterregelt. So werden weniger Entzündungssignale gebildet.
2. Mastzellen beruhigen
Mastzellen sind Abwehrzellen, die bei Allergien und Entzündungen Histamin und andere Reizstoffe ausschütten. Das sorgt für Juckreiz, Rötung und Schmerz. PEA kann diese Zellen stabilisieren, sodass sie weniger dieser Stoffe freisetzen. Genau deshalb ist PEA bei allergischem Juckreiz so interessant.
3. Das Nervensystem entlasten
Bei chronischen Schmerzen werden bestimmte Zellen im Rückenmark und Gehirn, die Gliazellen, dauerhaft überaktiv. Das Nervensystem wird dann immer empfindlicher, und Schmerz entsteht schon bei kleinen Reizen. Fachleute sprechen von zentraler Sensibilisierung. In Studien an Tiermodellen konnte PEA diese Überaktivität dämpfen.
4. Der „Entourage-Effekt“
PEA verstärkt indirekt die Wirkung körpereigener Botenstoffe des Endocannabinoid-Systems, etwa von Anandamid. Wichtig: Das hat nichts mit Cannabis-Rausch zu tun. PEA ist kein Cannabinoid aus der Pflanze, enthält kein THC und macht weder high noch abhängig.
Was sagt die Wissenschaft?
Gerade bei Nahrungsergänzungen lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die Daten. Bei PEA sieht es so aus:
Juckreiz und atopische Dermatitis: die beste Datenlage beim Hund
Die wichtigste Studie stammt von Noli und Kollegen aus dem Jahr 2015. Daran nahmen 160 Hunde mit ganzjähriger atopischer Dermatitis aus 39 Tierarztpraxen teil. Sie bekamen 8 Wochen lang ultramikronisiertes PEA. Die Ergebnisse:
Der Juckreiz ging im Durchschnitt um gut ein Drittel zurück.
Bei 58 % der Hunde verbesserte sich der Juckreiz deutlich, bei 30 % war er am Ende kaum noch oder gar nicht mehr vorhanden.
Bei 62 % der Hunde gingen die Hautveränderungen in einen Bereich zurück, der als Remission gilt.
Die Lebensqualität verbesserte sich deutlich.
Die Verträglichkeit war gut bis sehr gut, nur bei 4 Hunden traten leichte, vorübergehende Nebenwirkungen auf.
Wichtig für die Einordnung: Es war eine offene Studie ohne Placebo-Gruppe. Das heißt, Besitzer und Tierärzte wussten, dass PEA gegeben wurde. Die Ergebnisse sind ermutigend, aber kein endgültiger Beweis.
Arthrose und chronische Schmerzen: vielversprechend, aber noch begrenzt
Beim Menschen wurde PEA in zahlreichen Studien mit insgesamt rund 5.000 Patienten untersucht, vor allem bei Nerven- und chronischen Schmerzen. In Tiermodellen mit Ratten konnte PEA Entzündung und Schmerz teils ähnlich stark lindern wie das Schmerzmittel Meloxicam.
Große, kontrollierte Studien bei Hunden mit Arthrose fehlen bislang. Fachleute aus der Tiermedizin sehen PEA deshalb als sinnvolle Ergänzung in einem multimodalen Schmerzkonzept, also zusätzlich zu Bewegung, Physiotherapie, Gewichtskontrolle und, falls nötig, Schmerzmitteln vom Tierarzt.
Wobei PEA beim Hund eingesetzt wird
Allergischer Juckreiz und atopische Dermatitis
Arthrose und andere Gelenkbeschwerden, begleitend
Nervenschmerzen, zum Beispiel bei Ischialgie oder dem Cauda-equina-Syndrom
Chronische Schmerzen bei älteren Hunden
Entzündliche Prozesse nach Verletzungen oder Operationen, in Absprache mit dem Tierarzt
Warum die Form so entscheidend ist
Natürliches PEA löst sich sehr schlecht in Wasser und bildet große Partikel. Der Körper kann es dadurch nur schlecht aufnehmen. Deshalb wird PEA für Präparate zerkleinert:
Mikronisiertes PEA: feinere Partikel, bessere Aufnahme
Ultramikronisiertes PEA: noch feiner, in den meisten Studien verwendet
Achte beim Kauf deshalb darauf, dass die Form angegeben ist. Ohne diesen Hinweis weißt du nicht, wie viel PEA dein Hund tatsächlich aufnehmen kann.
Dosierung und Anwendung
In der großen Dermatitis-Studie wurde ultramikronisiertes PEA einmal täglich gegeben, in einer Dosis von etwa 10 mg pro Kilogramm Körpergewicht.
Halte dich bei Fertigprodukten an die Angaben des Herstellers, da Form und Gehalt unterschiedlich sind.
Gib PEA am besten zum Futter, da es fettlöslich ist.
Gib ihm Zeit. Eine Wirkung zeigt sich meist erst nach 4 bis 8 Wochen regelmäßiger Gabe.
PEA kann auch langfristig gegeben werden.
Verträglichkeit und Sicherheit
PEA gilt als sehr gut verträglich. In Studien traten Nebenwirkungen nur selten auf, und wenn, dann meist leicht und vorübergehend, etwa leichte Magen-Darm-Beschwerden. Bekannte Wechselwirkungen gibt es kaum.
Trotzdem gilt: PEA ist kein Ersatz für eine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Setze verordnete Schmerzmittel niemals eigenmächtig ab. Sprich mit deinem Tierarzt, wenn du PEA ergänzen möchtest, besonders bei trächtigen Hündinnen, Welpen oder Hunden mit Vorerkrankungen.
PEA oder CBD: Was ist der Unterschied?
PEA ist ein körpereigener Stoff und wird meist synthetisch hergestellt. Es stammt nicht aus der Hanfpflanze.
CBD ist ein Wirkstoff aus der Hanfpflanze.
Beide beeinflussen das Endocannabinoid-System, aber auf unterschiedlichen Wegen.
Erste Untersuchungen an Tiermodellen deuten darauf hin, dass sich beide gegenseitig verstärken können. Mehr zu CBD liest du in unserem Beitrag CBD-Öl für Hunde.
Übrigens: Es gibt auch Präparate, die PEA mit Quercetin kombinieren. Was Quercetin bei Allergikern kann, erfährst du in unserem Quercetin-Beitrag.
Worauf du beim Kauf achten solltest
speziell für Hunde entwickelt
Angabe, ob mikronisiert oder ultramikronisiert
klarer PEA-Gehalt pro Tablette oder Portion
möglichst wenige Zusatzstoffe
bei Allergikern: auf Trägerstoffe und Aromen achten
Ein Beispiel für ein PEA-Präparat speziell für Hunde ist PEA von PharmaDog:
Häufige Fragen zu PEA
Wie schnell wirkt PEA?
PEA wirkt nicht sofort. Die meisten Studien bewerten die Wirkung nach 8 Wochen. Plane mindestens 4 bis 8 Wochen ein, bevor du entscheidest, ob es deinem Hund hilft.
Kann PEA Schmerzmittel ersetzen?
Nein, nicht ohne Weiteres. PEA kann eine sinnvolle Ergänzung sein und in manchen Fällen helfen, die Dosis von Schmerzmitteln zu reduzieren. Das sollte aber immer gemeinsam mit dem Tierarzt entschieden werden.
Macht PEA müde oder high?
Nein. PEA hat keine berauschende Wirkung und macht nicht abhängig.
Kann ich PEA für Menschen nehmen?
Davon raten wir ab. Präparate für Menschen können Zusatzstoffe oder Aromen enthalten, die für Hunde ungeeignet sind, und die Dosierung passt oft nicht. Greif lieber zu einem Produkt speziell für Hunde.
Unser Fazit
PEA ist kein Wundermittel, aber ein spannender körpereigener Stoff mit einem gut verständlichen Wirkprinzip und einer sehr guten Verträglichkeit. Bei allergischem Juckreiz gibt es bereits ermutigende Daten beim Hund. Bei Arthrose und chronischen Schmerzen ist PEA eine vielversprechende Ergänzung, die du gemeinsam mit deinem Tierarzt in ein Gesamtkonzept einbinden kannst. Wichtig sind die richtige Form, eine passende Dosierung und etwas Geduld.
Quellen
Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung.
Das könnte dich auch interessieren
Bücher von Sabina Kadic
Von der Autorin hinter Unsere Fellnase: Bücher über Demenz, Kommunikation, unsichtbare Krankheiten und mehr – einfühlsam und nah am Leben.



Kommentare