Vektorkrankheiten beim Hund: Borreliose, Babesiose, Leishmaniose & Co.
Aktualisiert: vor 3 Stunden

Ein Zeckenstich im Wald, ein Mückenstich im Urlaub am Mittelmeer: Über solche kleinen Stiche können ernste Krankheiten übertragen werden. Man spricht von Vektorkrankheiten, weil Zecken, Mücken oder Sandmücken als Überträger (Vektoren) dienen.
In diesem Ratgeber erfährst du, welche Vektorkrankheiten für Hunde in Deutschland und auf Reisen wichtig sind, woran du sie erkennst, wie sie diagnostiziert und behandelt werden und wie du deinen Hund schützt.
Was sind Vektorkrankheiten?
Vektorkrankheiten werden durch Erreger wie Bakterien, Einzeller oder Würmer verursacht, die beim Blutsaugen von Parasiten übertragen werden. Durch den Klimawandel und Reisen mit Hund breiten sich manche Überträger und Erreger auch in Deutschland weiter aus.
Von Zecken übertragene Krankheiten
Borreliose
Erreger: Bakterien (Borrelien), übertragen vor allem vom Gemeinen Holzbock
Symptome: Die meisten infizierten Hunde erkranken nicht. Wenn doch, oft Wochen bis Monate später mit Fieber, Müdigkeit und wechselnder Lahmheit mit geschwollenen Gelenken. Selten ist eine Nierenbeteiligung.
Diagnose: Antikörpertests im Blut. Ein positiver Test allein beweist keine Erkrankung.
Behandlung: Antibiotika, meist Doxycyclin, über mehrere Wochen
Impfung: In Deutschland gibt es eine Impfung gegen Borreliose für Hunde.
Anaplasmose
Erreger: Bakterien (Anaplasma phagocytophilum), übertragen vom Holzbock, in Deutschland weit verbreitet
Symptome: Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Lahmheit, manchmal Blutungsneigung durch zu wenige Blutplättchen
Diagnose: Blutausstrich, PCR, Antikörpertest
Behandlung: Doxycyclin
Babesiose (Hundemalaria)
Erreger: Einzeller (Babesien), die rote Blutkörperchen zerstören, übertragen vor allem von der Auwaldzecke, die sich in Deutschland ausbreitet
Symptome: hohes Fieber, Schwäche, blasse oder gelbe Schleimhäute, dunkler, rotbrauner Urin
Diagnose: Blutausstrich, PCR
Behandlung: Imidocarb und unterstützende Maßnahmen. Babesiose kann schnell lebensbedrohlich werden und ist ein Notfall.
Ehrlichiose
Erreger: Bakterien (Ehrlichia canis), übertragen von der Braunen Hundezecke, vor allem im Mittelmeerraum
Symptome: Fieber, Gewichtsverlust, Nasenbluten, Blutungsneigung, im chronischen Stadium Knochenmarksschäden
Diagnose: Antikörpertest, PCR
Behandlung: Doxycyclin über mehrere Wochen
Hepatozoonose
Erreger: Einzeller (Hepatozoon canis). Besonderheit: Der Hund steckt sich an, wenn er eine infizierte Zecke verschluckt, nicht durch den Stich.
Symptome: oft symptomlos, sonst Fieber, Abmagerung, Muskelschmerzen
Diagnose: Blutausstrich, PCR
Behandlung: Imidocarb, oft langwierig
FSME
Auch FSME-Viren können Hunde infizieren. Erkrankungen sind selten, können aber schwere neurologische Symptome verursachen.
Von Mücken und Sandmücken übertragene Krankheiten
Leishmaniose
Erreger: Einzeller (Leishmanien), übertragen von Sandmücken, vor allem im Mittelmeerraum, aber auch bei Hunden aus dem Auslandstierschutz
Symptome: Haarausfall, besonders um die Augen („Brillenbildung“), Schuppen, lange Krallen, Gewichtsverlust, Nierenschäden, oft erst Monate bis Jahre nach der Infektion
Diagnose: Antikörpertest, PCR
Behandlung: lebenslanges Management mit Medikamenten, eine Heilung ist meist nicht möglich
Vorbeugung: Repellentien gegen Sandmücken, Impfung möglich
Herzwurm (Dirofilariose)
Erreger: Fadenwürmer (Dirofilaria immitis), übertragen von Stechmücken, vor allem in Südeuropa
Symptome: Husten, Leistungsabfall, Atemnot, Herzprobleme
Diagnose: Antigentest und Bluttest auf Larven
Vorbeugung: regelmäßige Prophylaxe bei Reisen in Risikogebiete
Allgemeine Warnzeichen
Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit
Lahmheit, geschwollene Gelenke
blasse oder gelbe Schleimhäute, dunkler Urin
Nasenbluten oder kleine Blutungen in der Haut
Gewichtsverlust, Haarausfall, Hautveränderungen
Erzähle deinem Tierarzt immer, wenn dein Hund im Ausland war oder aus dem Ausland stammt.
So schützt du deinen Hund
Zeckenschutz: ganzjährig oder zumindest von Frühjahr bis Herbst ein wirksames Mittel nach Absprache mit dem Tierarzt
Nach jedem Spaziergang absuchen: Zecken mit einer Zeckenzange oder -karte entfernen
Auf Reisen: Mittel mit abwehrender Wirkung gegen Sandmücken und Mücken, Herzwurmprophylaxe, Hund in der Dämmerung drinnen lassen
Impfungen: Borreliose- und Leishmaniose-Impfung mit dem Tierarzt besprechen
Bluttests: nach Auslandsreisen oder bei Hunden aus dem Ausland, zum Beispiel ein „Mittelmeer-Check“
Unser Fazit
Vektorkrankheiten sind ernst zu nehmen, viele sind aber gut behandelbar, wenn sie früh erkannt werden. Der beste Schutz ist eine Kombination aus wirksamem Zecken- und Mückenschutz, regelmäßigem Absuchen und bei Reisen oder Auslandshunden gezielten Tests.
Häufige Fragen zu Vektorkrankheiten beim Hund
Wird jeder Hund krank, der von einer Zecke gestochen wird?
Nein. Nicht jede Zecke trägt Erreger, und bei Borreliose erkranken nur wenige infizierte Hunde. Trotzdem ist ein guter Schutz wichtig.
Wie schnell muss eine Zecke entfernt werden?
So schnell wie möglich. Viele Erreger werden erst nach Stunden bis Tagen übertragen, Babesien zum Beispiel meist nach etwa 48 Stunden.
Helfen natürliche Zeckenmittel wie Kokosöl?
Für Kokosöl, Bernsteinketten oder Knoblauch gibt es keinen Wirksamkeitsnachweis. Knoblauch ist für Hunde in größeren Mengen sogar giftig.
Sollte ich meinen Auslandshund testen lassen?
Ja, Hunde aus dem Süden sollten auf Mittelmeerkrankheiten getestet werden, oft mit einer Wiederholung nach einigen Monaten.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Fieber, Schwäche oder dunklem Urin wende dich bitte sofort an deinen Tierarzt.
Quellen
ESCCAP Deutschland: Empfehlung Nr. 5 – Bekämpfung von durch Vektoren übertragenen Krankheiten bei Hunden und Katzen
Littman M. P. et al. (2018): ACVIM consensus update on Lyme borreliosis in dogs and cats, Journal of Veterinary Internal Medicine 32(3):887–903
Solano-Gallego L. et al. (2016): A review of canine babesiosis: the European perspective, Parasites & Vectors 9:336
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